Die US-Bank Citigroup will bis zu 20 Prozent an Kosten reduzieren, was zu einem Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen führen könnte. In einem Interview der "Financial Times" sagte Bankchef Vikram Pandit, die Einsparungen könnten auch durch Verbesserungen beim Computersystem oder dem Verkauf von Unternehmensteilen kommen.
Citigroup-Chef Vikram Pandit versucht seit Dezember vergangenen Jahres das Institut auf Kurs zu bringen.
HB NEW YORK. "Alles, das wie ein Konglomerat riecht, wird abgestoßen. Wir lösen uns von unseren Hobbys und konzentrieren uns auf die Kernkompetenzen." An dem Universalbankenmodell mit Privat- und Unternehmenskundengeschäft sowie Investmentbanking wolle er aber festhalten.
Pandit sagte, er werde dazu zahlreiche der 370 000 Jobs streichen. Angeblich sondiert der Konzern auch eine mögliche Neuordnung seiner deutschen Tochter. Mit seiner Ankündigung skizziert der seit Dezember amtierende Vorstandsvorsitzende seine Gegenstrategie für die tiefe Konzernkrise. Die einst nach Börsenwert größte Bank der Welt hat vor allem durch Fehlinvestitionen in den US-Hypothekenmarkt Milliarden verloren - und ist in der Rangliste der Börsenwerte mit 123 Mrd. Dollar auf Platz 10 abgerutscht.
Analysten zufolge seien bei Citigroup
Inc, New York, rund 25 000 Arbeitsplätze für überflüssig. Allein in seiner IT-Abteilung beschäftigt der Konzern 23000 Entwickler - und damit genauso viele wie große Softwarekonzerne. Insgesamt hätten die operativen Ausgaben der Citigroup
2007 bei 61,5 Mrd. Dollar gelegen.
Die Bank legt am heutigen Freitag ihre Zahlen für das erste Quartal vor, Beobachter rechnen mit einem hohen Verlust. Zudem schüre Pandit die Furcht vor einem massenhaften Jobabbau an der Wall Street, schreibt die Zeitung. Am Donnerstag hatte bereits Merrill Lynch angelündigt, 4 000 Stellen zu streichen. Seit Ausbruch der Finanzkrise seien damit in der Branche rund 40 000 Jobs weggefallen.
Der Bericht gehört zu den richtungsweisenden Bilanzen in diesem Quartal. Für große US-Banken wie die Citigroup
prognostizieren Analysten nochmals hohe Abschreibungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise und deutliche Ergebnisrückgänge. "Da die Gewinnprognosen inzwischen deutlich heruntergeschraubt worden sind, bestehen sogar Chancen, dass die Erwartungen übertroffen werden", sagt Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Daher seien steigende Kurse vorstellbar.
Vor kurzem hatten die Börsianer neue Milliardenabschreibungen bei der Schweizer Großbank UBS oder der Deutschen Bank als Anfang vom Ende der Krise gewertet und mit Kurssprüngen honoriert. "Selbst wenn die Finanzmarktkrise allmählich abgearbeitet ist, konjunkturell stehen wir noch am Anfang der schlechten Nachrichten", warnt Klude. Markus Reinwand von der Helaba merkt dagegen an: "Es ist reichlich Pessimismus in den Kursen eingepreist, und der Aktienmarkt dreht erfahrungsgemäß etwa fünf bis sechs Monate früher nach oben als die Konjunktur ihr Tief erreicht."
Die Citigroup
gehört zu den größten Opfern der Finanzkrise und hat bereits 21,9 Mrd. Dollar abgeschrieben, davon allein 18,1 Mrd. Dollar im vierten Quartal 2007. Analysten rechnen bei der Citigroup
mit einem Quartalsverlust von 0,95 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 12,77 Mrd. Dollar. Ein Jahr zuvor berichtete die US-Großbank einen Nettogewinn von 1,01 Dollar je Aktie mit Einnahmen von insgesamt 25,46 Mrd. Dollar. Die Citigroup
musste bereits frisches Kapital bei arabischen Staatsfonds einsammeln.


