Comdirect-Chef im Interview: „Kunden sehen, wie wertvoll ein deutsches Konto ist“

Comdirect-Chef im Interview„Kunden sehen, wie wertvoll ein deutsches Konto ist“

Thorsten Reitmeyer spricht über die Sorgen deutscher Sparer nach der Zypern-Enteignung, den Wettbewerb mit der eigenen Mutter Commerzbank, die Gefahren der Inflation und warum sich Apple an Comdirect verschlucken würde.
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Herr Reitmeyer, durch den Angriff auf die Sparkonten in Zypern fürchtet auch die Hälfte der Deutschen laut einer Umfrage um ihre Ersparnisse. Haben Kunden der Comdirect schon Konten leergeräumt?

Nein, solche Reaktionen hat es bei uns nicht gegeben. Vereinzelt haben Kunden angerufen und gefragt, ob die Sparguthaben auch in Deutschland mit einer Zwangsabgabe belastet werden könnten. Diese Kunden konnten wir aber mit dem Versprechen der Bundeskanzlerin beruhigen, dass die Einlagen in Deutschland sicher sind.

Bilder von Schlangen an Geldautomaten gehen um die Welt. Hat die Politik der Finanzbranche einen Bärendienst erwiesen?

Mit der Entscheidung, auch die Sparer in die Zypern-Rettung einzubeziehen, ist sicherlich Vertrauen zerstört worden. Die Andeutungen, dass die Beteiligung der Bankkunden in Zypern als Vorbild für andere kriselnde Euro-Länder dienen könne, haben die Unruhe unter den Sparern unnötig erhöht. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die aktuelle Debatte keine negative Auswirkungen auf deutsche Banken haben wird. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Die Menschen sehen, wie wertvoll es, ist ein Konto in Deutschland zu haben. Wer derzeit Millionen in einem Krisenland hat, fragt sich doch, ob das Geld bei einer Bank in Deutschland nicht besser aufgehoben wäre.

Sie könnten von der Krise profitieren und reichen Russen und Zyprern eine neue Heimat bieten.

Unser Geschäftsmodell konzentriert sich auf den deutschen Markt und hiermit fahren wir gut.

Wie reagieren Privatkunden auf die neuerliche Verschärfung der Euro-Krise?

Viele unserer Kunden kaufen oder verkaufen Papiere vor wichtigen politischen Entscheidungen. Oft liegen sie mit ihren Entscheidungen richtig. Und nicht nur die Trader sind in solchen Phasen aktiv. Auch der typische Sparer beobachtet die Entwicklung sehr genau, entscheidet aber gelegentlich ungünstig. Wenn die Lage an den Märkten angespannt ist, baut der eine oder andere Liquidität auf. Das kann dann schon zum Nachteil werden.

Warum?

Das Niedrigzinsumfeld bedeutet, dass die Kunden Geld verlieren. Null Zinsen bei zwei Prozent Inflation bedeutet: Nach 20 Jahren kosten Produkte rund 50 Prozent mehr als heute, aber Sie haben immer noch gleichviel Geld. Aktien sind da eine Alternative, denn Sparkonten führen zum sicheren Geldwertverlust. Aktien bergen zwar Risiken, aber sie bieten eben auch eine Chance, die Inflation auszugleichen oder sogar zu übertreffen.

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  • JoJo, und die Comdirect stellt sich dann ganz toll vor ihre Kunden, wenn der Staat ruft; so ungefähr eine Zehntelsekunde lang. Weltweit gibt es keine Bank mehr, die nicht in vorauseilendem Gehorsam dem Staat ihre Kunden auf dem silbernen Tablett serviert.

  • Ich hätte mir die Beteiligung dringend gewünscht...
    Dann hätten Zocker und Schwarzgeldfirmen für die riskanten Anlagen in Zypern wenigstens bluten müssen.

    Stattdessen zahlt der Deutsche Mittelstand den Schaden dafür

  • "Opium für das Volk" (Karl Marx)
    Das ist eine Beruhigungspille, allerdings zu schwach.
    Bankguthaben>100.000€ sind plötzlich Risikofinanzierung, der Totalverlust droht!
    Anlagediversifikation tut not, sowohl in Anlageklassen, Anlagewährungen als auch Anlageländer.
    Cash ist plötzlich Kaiser, aber nur daheim. Ansonsten sind nun "Nichtgeldanlagen" gefragt, amBesten außerhalb de EU!

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