Zum Abschied bat Commerzbank-Vorstandschef Klaus-Peter Müller die Aktionäre um umfangreiche Kapitalmaßnahmen. Doch nicht alle der rund 2 500 Zuhörer konnte er überzeugen. Am Ende stimmte eine Mehrheit gegen zumindest einen der geplanten Beschlüsse.
FRANKFURT. Eigentlich muss die Hauptversammlung ein Fest werden. Ein Siegeszug. Die Belohnung für sieben Jahre Schuften an der Spitze der Commerzbank. Für Wochen mit 100 Arbeitsstunden und mehr. Dafür, dass die Bank mit knapp zwei Milliarden Euro im Jahr 2007 den höchsten Gewinn ihrer Geschichte einfahren konnte. Doch vor dem Wechsel an die Aufsichtsratsspitze muss Vorstandschef Klaus-Peter Müller, „KPM“, der Oberstleutnant der Reserve, wieder einmal ran.
Mit Samthandschuhen. Denn Großanleger hatten signalisiert, dass sie „Bauchschmerzen“ mit den geplanten Kapitalmaßnahmen haben. Fasst man nämlich den Kern der 40 Seiten dicken Einladung zum Aktionärstreffen zusammen, kommt man auf die Zahl 11,6 Milliarden Euro. Um diese Summe könnte das Management durch die Ausgabe neuer Aktien und anderer Schritte künftig theoretisch die Kriegskasse füllen. Falls die Aktionäre zustimmen. Doch einige haben Angst, so die Steilvorlage für ein überhöhtes Postbank-Angebot zu liefern. Von der Verwässerung eigener Anteile ganz abgesehen.
Also wirbt Müller um Verständnis. „Um bei Transaktionen im Zuge einer möglichen Konsolidierung Chancen für unsere Aktionäre nutzen zu können, benötigen wir erweiterte Kapitaloptionen“, sagt der 63-Jährige. Das Wort „Flexibilität“ benutzt er gleich mehrfach. Und betont, die Commerzbank zahle keine überzogenen Preise: „Wir haben immer den Mut gezeigt, auch einfach ‚Nein' zu sagen.“
Der scheidende Commerzbank-Chef kennt die Brisanz der geplanten Maßnahmen. Hinter vorgehaltener Hand ist man sich selbst wenige Stunden vor der Abstimmung nicht sicher, ob sie von den Aktionären in der Hoechster Jahrhunderthalle abgenickt werden. Müller hat die Bank – einst Pleitekandidat – auf stabile Beine gestellt. Doch im internationalen Vergleich ist die heimische Nummer zwei nach wie vor ein Zwerg. Steht sein Nachfolger Martin Blessing mit leeren Taschen da, wenn demnächst die deutsche Bankenlandschaft neu geordnet wird, könnte die Commerzbank mittelfristig schnell selbst zum Konsolidierungsopfer werden.
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Müllers vorsichtige Worte scheinen zumindest einen Teil der 2 500 Zuhörer nicht zu überzeugen. Am Ende stimmt eine Mehrheit gegen einen der geplanten Beschlüsse. Spätestens ab April kommenden Jahres stünden damit Blessing bei einer Kapitalerhöhung gut 170 Millionen Aktien weniger zur Verfügung. Damit startet Blessing mit einer Hypothek.
„Wenn man erwartet, dass die Commerzbank eine aktive Rolle bei der Bankenkonsolidierung spielen soll, dann muss man die Commerzbank auch mit dem notwendigen Geld dafür ausstatten“, hatte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zuvor noch gesagt. Kritiker können sich nun die Frage stellen, ob die Commerzbank-Aktionäre ihr Unternehmen tatsächlich in einer aktiven Rolle sehen wollen.
Trotz der Niederlage bleibt am Ende doch noch genug Raum für Lob und Glückwünsche. „Mein Eindruck ist, dass es der Bank unter ihrer Führung gelungen ist, sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu befreien“, meint ein Aktionärsvertreter und verweist auf die längst aufgekauften Konkurrenten HVB oder die Dresdner Bank. „Herr Müller, unter Ihrem Vorsitz hat sich die Bank eindeutig zum Positiven gewandelt“, urteilt ein anderer. Keiner der ans Pult getretenen Anteilseigner versäumt es, dem Manager zu danken. Für kurze Irritation, zumindest beim Sicherheitspersonal, sorgt dann allerdings noch ein Kleinaktionär. Wilm Müller, ein Mann mit einem grauen, langen Bart, stürmt nach seine Redebeitrag auf Müller zu. Er wolle seinem Namensvetter ob des Geleisteten persönlich die Hand schütteln. Der steht auf und nimmt die Glückwünsche lächelnd entgegen. Nach sieben Jahren Kampf kann man sich eben auch einmal feiern lassen.

