Nach Jahren des Wartens ist der Commerzbank bei der Konsolidierung des zersplitterten deutschen Finanzsektors der große Wurf gelungen. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus übernimmt nach monatelangen Verhandlungen für 9,8 Mrd. Euro die Allianz-Tochter Dresdner Bank.
bas/hgn/fmd/rob HB FRANKFURT/BERLIN. "Wir nutzen eine einmalige Chance", erklärte Commerzbank-Chef Martin Blessing. "Die Transaktion ist ein Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung und stärkt unseren Wirtschaftsstandort", ergänzte der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann. Zuvor hatten die Aufsichtsräte nach stundenlangen Sitzungen dem Deal zugestimmt.
Die Allianz räumt mit dem Verkauf nach jahrelangen Querelen und Milliardenverlusten bei der Frankfurter Tochter das Scheitern ihrer Allfinanz-Strategie ein. Auch wenn der Münchener Versicherungsriese künftig mit knapp 30 Prozent größter Einzelaktionär der neuen Bank ist, führt der Rückzug Finanzkreisen zufolge zu rund 700 Mill. Euro an Abschreibungen. Die Dresdner Bank war im April 2001 für rund 24 Mrd. Euro von der Allianz gekauft worden.
Der Zusammenschluss ist der größte im europäischen Finanzsektor seit Jahresbeginn. In Deutschland hatten zuletzt 1998 mit der bayerischen Hypo-Bank und der Vereinsbank zwei Häuser dieser Größe ihre Kräfte gebündelt. Im Rahmen der nun verkündeten Fusion sollen 9000 der rund 67 000 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden - 2500 davon im Ausland. Damit drohen vor allem der Londoner Investmentbank Dresdner Kleinwort massive Einschnitte. Diese hat der Dresdner seit Mitte 2007 Belastungen von rund drei Mrd. Euro beschert. Bundesweit soll die Zahl der Filialen bis zum Jahr 2012 um 340 auf dann 1200 schrumpfen. Die Oldenburgische Landesbank sowie die bislang als Dresdner-Filialen ausgewiesenen Bankagenturen von Versicherungsvertretern bleiben bei der Allianz.
Mit elf Mill. Filialkunden zieht die Commerzbank - jahrelang selbst als Übernahmekandidat gehandelt - künftig sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft an der Deutschen Bank vorbei. Bei der Betreuung Hochvermögender dürften beide Häuser annähernd gleichauf liegen.
Der Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank wurde in ersten Reaktionen überwiegend positiv aufgenommen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte: "Das ist gut für den Finanzplatz Deutschland und stärkt den Finanzplatz", sagte Steinbrück am Montag in Peking laut seinem Sprecher. Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen wertete die Einigung zur Fusion der beiden Großbanken gegenüber Journalisten ebenfalls positiv. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Asmussen. "Endlich bewegt sich etwas."

