Die mächtiger werdende Commerzbank
will nach der Übernahme der Dresdner Bank den Sparkassen und Genossenschaftsbanken in großem Stil Mittelstandskunden abjagen. "Wir werden dort angreifen, wo Sparkassen und Volksbanken stark sind", sagte Firmenkundenvorstand Markus Beumer der "Welt am Sonntag".
HB FRANKFURT/MAIN. Derzeit kämen Commerzbank
und Dresdner Bank bei kleinen Mittelständlern zusammen nur auf einen Marktanteil von etwa sechs Prozent. "Wir rechnen fest damit, hier den Marktanteil bis 2012 auf acht bis neun Prozent steigern zu können", erklärte er.
Trotz Jobabbau in diesem Geschäftssegment will die Commerzbank
auch räumlich näher an diese Kundengruppe heranrücken. "Wir werden in der Fläche präsenter sein", kündigte Beumer an. Die Mittelstandssparte des Instituts hat derzeit 83 Filialen und 144 kleinere Standorte, die Dresdner Bank deutlich weniger. "Wenn es sich rechnet, habe ich nichts dagegen, aus kleinen Standorten Filialen zu machen. Das können also deutlich über 100 werden", sagte Beumer.
Auch beim Geschäft mit den größten Mittelständlern des Landes wolle man deutlich wachsen: "Derzeit haben wir bei den Top 1000 einen Marktanteil von zwölf Prozent. Den wollen wir bis 2012 auf 20 Prozent ausbauen", wird Beumer zitiert. Dabei komme der Bank zugute, dass sie nach der Übernahme der Dresdner Bank im Investmentbanking stärker aufgestellt sein werde und ein breiteres Spektrum an Kapitalmarktprodukten anbieten könne.
Allerdings sollen nach dem Zusammenschluss der beiden Großbanken im Mittelstandsgeschäft rund 700 Arbeitsplätze wegfallen. Es werde aber einen "fairen Integrationsprozess" geben, kündigte Beumer an. "Die Mitarbeiter der Dresdner Bank werden genau die gleichen Chancen haben wie die der Commerzbank", versicherte er. Arbeitnehmervertreter der Dresdner Bank befürchten, dass die Mitarbeiter des übernommenen Instituts stärker von den Einschnitten betroffen sein werden als die der Commerzbank
.
Derweil verteidigt die Commerzbank
den hohen Preis für die Übernahme der Dresdner. Der Kaufpreis sei "nicht billig, aber fair", sagte Commerzbank
-Chef Martin Blessing dem Magazin "Der Spiegel". Man müsse berücksichtigen, "dass wir im Wesentlichen mit eigenen Aktien bezahlen und fünf Mrd. Euro an Synergien realisieren können". Analysten hatten den Kaufpreis von 9,8 Milliarden Euro als zu hoch kritisiert.

