Nach der Fusion drohen dem neuen Bankenriesen die Kunden wegzulaufen: Nach Expertenschätzungen könnten es zwischen einer halben und einer Million sein, die mittelfristig nicht mehr mit der "gelben Bank der Synergie" verbunden sein wollen. Die Zahl der Kundenabgänge hängt indes vom Gelingen der Übergangszeit ab.
FRANKFURT. "Spätestens dann, wenn der Kundenberater wechselt, die Filiale vor der Haustür zumacht oder der Fusionsprozess beide Institute zu sehr mit sich selbst beschäftigt, kostet das erfahrungsgemäß Kunden", sagt Hans-Jürgen Engelhardt, Vorstand bei der Unternehmensberatung Eurogroup Consulting. Auch Unannehmlichkeiten wie eine neue Bankleitzahl oder neue EC- und Kreditkarten seien für Kunden häufig Gründe, die Bank zu wechseln.
"Wir behalten unser flächendeckendes Filialnetz. Kein Kunde steht plötzlich ohne Filiale da", kontert dagegen ein Sprecher der Commerzbank
. Man wolle nur jene Niederlassungen zusammenlegen, die wenige hundert Meter voneinander entfernt lägen und auch die Kontoverbindungen sollten die alten bleiben. "Unsere Kunden wissen was sie an uns haben", so der Sprecher.
Mit Kundenverlusten muss das Institut dennoch rechnen. "Nur, wie viele das sind, wird davon abhängen, wie die Übergangsphase läuft", sagt Martin Faust von der Frankfurt School of Finance und das wisse man erst in etwa eineinhalb Jahren. Faust warnte zudem vor einem "höheren Ertragsdruck" der Berater. Müssten sie mehr Produkte an den Kunden bringen, würde das nicht gut ankommen.
Doch selbst wenn die Fusion glatt läuft, ist mit Abwanderungen zu rechnen. "Vor allem Firmen legen großen Wert darauf, nicht nur von einer Bank abhängig zu sein", sagt Bankenexperte Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt. Grobe Schätzungen gehen auch hier von etwa fünf Prozent Verlustquote aus, bei den insgesamt 100 000 Firmenkunden wären das rund 5 000. Die Commerzbank
müsse rasch auf ihre Kunden zugehen, rät er. "Wer sich jetzt schlecht behandelt fühlt, wechselt."

