Commerzbank: Schrumpfen bis zum Schwund

Commerzbank
Schrumpfen bis zum Schwund

Martin Blessing setzt das teilverstaatlichte Institut auf eine radikale Schrumpfkur. Der Commerzbank-Chef schlägt Geschäftsbereiche los und setzt zum Kahlschlag bei den Mitarbeitern an. Das bringt vorerst eins: Verluste.
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FrankfurtErst vor wenigen Tagen überraschte der hiesige Branchenprimus Deutsche Bank mit einem milliardenschweren Verlust. Nun legt die Commerzbank unter Vorstandschef Martin Blessing ebenso überraschend nach: Per Ad-hoc-Mitteilung schockiert die zweitgrößte Bank des Landes Anleger mit einem unerwartet hohen Verlust. Rund 720 Millionen Euro Minus erwartet der teilverstaatlichte Dax-Konzern für den Zeitraum Oktober bis Ende Dezember. Vor allem Sonderbelastungen haben die Commerzbank zum Jahresende 2012 tief in die roten Zahlen gedrückt.

Für das Gesamtjahr bleibt nach vorläufigen Zahlen nur noch ein Mini-Gewinn von sechs Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 638 Millionen. Dennoch geht das Institut weiterhin davon aus, dass es für 2012 erstmals Zinsen auf die verbliebenen Rettungsmilliarden des Bundes in Form einer „stillen Einlage“ zahlen wird.

Das Ausmaß der Verluste übertraf die Prognosen der Experten. Analysten hatten für das vierte Quartal nur ein Minus von rund 560 Millionen Euro erwartet. „Der Trend negativer Überraschungen hält an“, schrieb DZ-Bank-Analyst Christoph Bast in einer ersten Reaktion. Die Commerzbank-Aktie fiel zeitweilig um mehr als fünf Prozent.

Ein Grund für die hohen Belastungen: Vorstandschef Blessing schlägt Firmenteile los, um so das nach wie vor angeschlagene Institut gesund zu schrumpfen. Die Commerzbank war nach der Übernahme der Dresdner Bank und im Zuge der Finanzkrise seit 2008 in Schieflage geraten. Das Institut musste mit Staatsgeld gestützt werden.

Blessing setzte unter anderem einen Schlussstrich unter das Abenteuer in der Ukraine. Der Verkauf der Problemtochter Bank Forum schlug zum Jahresende mit 185 Millionen Euro Belastungen zu Buche. Das Geldhaus wurde Ende Juli mit Verlust an die ukrainische Industrie-Holding Smart Group verkauft. Für das Gesamtjahr machte die Bank außerordentliche Belastungen von insgesamt rund 980 Millionen Euro geltend.

Im November vergangenen Jahres leitete Blessing einen massiven Sparkurs an. Ende Januar kamen dann Details heraus, wie der aussieht. Das Haus kündigte einen massiven Stellenabbau an. Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es deutliche Überkapazitäten, hieß es in einer Mitteilung im Intranet der Bank. Hier kämpft die Bank wie die Konkurrenz mit starkem Wettbewerb und geringen Margen. Sprich: Im Geschäft mit den mehr als elf Millionen Privatkunden lässt sich kaum Geld verdienen lässt.

Kommentare zu "Schrumpfen bis zum Schwund "

Alle Kommentare
  • "Trotz des Verlusts im vierten Quartal will die Commerzbank die stille Einlage des Soffin erstmals regulär bedienen."
    Ein Schelm der im Wahljahr böses darüber denkt :-))

  • na da bekomt doch der alte grüne Slogan "die Bearetrbank" ein ganz neue Bedeutung :-)

  • fragen Sie ihn dochmal ob er weis wie man einen Optionsschein ausführt; selbst daran scheitert ja schon so mancher "Banker"

  • Ich persönlich kann im Tagesgeschäft nichts negatives über die CoBa sagen; läuft alles und wenn man was will, machen die.
    Allerdings muss man sich über die strategischen Aktivitäten ( z.B. Kauf der Dresdner Bank von der Allianz ) schon an den Kopf fassen; da wird die Allianz damals eine große " endlich verkauft - Party " geschmissen haben. Den Blessing kenne ich persönlich nicht; aber ich denke...ziemlich fehlplaziert (da sind auch 500T Gehalt zuviel und nicht berechtigt). Dem fehlt ein echter Banker an der Seite der ihm auch mal die Leviten liest. Nur mit "Kostenzahlenbefassung" verdient keine Firma etwas.

    Und zur Deutschen Bank: bitte nicht. Der Ihre Schmeißfliegenbriefe fliegen ungelesen in den Müll.

  • "Wie gut die Genossen im Führen von Banken sind, zeigt das Lehrstück WestLB" und übrige Landesbanken, wenn man den Herz-Jesu-Sozialisten Seehofer mit ins Boot nimmt, in das er durchaus gehört.
    Die Krone der sozialistischen Geld- und Kreditschöpfung mit Hilfe öffentlich-rechtlicher Banken und der Bankenaufsicht Bafin gehört aber dem Gespann Steinbrück-Asmussen in der sogenannten „ersten Finanzkrise“ 2006/2008, vor der jetzt sich in den Vordergrund drängenden EU-Dauerfinanzkrise, die ihre Ursachen eindeutig und allein in der Gründung einer Währungsunion vor 10-12 Jahren hat. Die beiden haben seinerzeit unter dem öffentlich kolportierten Stichwort „Steinbrücks Lustgarten“ (in Anlehnung an die Geldschöpfungsszene in Goethes Faust) das US-amerikanische „Undertaker-Kreditgeschäft“ (Stichworte: Collaterralized Debt Obligation = CDO und Asset Backed Securities = ABS) mit 58 Transaktionen hier in Europa hoffähig machen wollen, selbstverständlich auf Kosten des Steuerzahlers. Beide konnten das damals leicht arrangieren, denn Steinbrück hatte als Finanzminister die Aufsicht bei der KfW und Asmussen als sein Staatssekretär die bei der Bafin. Und die große Masse der Steuerzahler ist hierzulande so unsensibel, daß sie überhaupt nicht merkt, wenn man ihnen das Fell über die Ohren zieht.
    Und heute schickt sich das Gespann wieder an, „politische Verantwortung“ zu übernehmen, der eine als Kanzlerkandidat, der andere treibt vorerst in der EZB sein perfides Spiel weiter, diesmal den europäischen Steuerzahler auszupowern. Und warum sollte ihnen ein Come-back nicht gelingen, einen zweiten Start hinzulegen. Denn es gilt immer noch der Rat von Kurt Tucholsky aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts: Lassen sie ihren Sohn Politiker werden, da trägt er Verantwortung, hat aber keine.

  • Die Summe der Sparkassen und Volksbanken zeigt, dass auch mit Brot- und Buttergeschäft noch Geld zu verdienen ist - mit entsprechend angepassten "Wasserkopf"-Strukturen und Kundennähe - das fehlt der Commerzbank. Wer möchte schon "alle Jahre wieder" als Kunde neue Ansprechpartner? Bankgeschäft ist Vertrauenssache, v.a. im Kredit- und Firmengeschäft, und "Sympathie" auf der Anlageseite, um schlechtere Konditionen als der Wettbewerb bieten zu können.

  • Einige Kommetare haben es treffend beschrieben:
    Mit Ex-McKinsey Leuten und Unternehmensberatern kann man leider keine Bank fuehren.Hat Herr Reuter,Chef des Investment Bankings ist gelernter Rechtsanwalt!? Hat er jemals in seinem Leben selbst gehandelt. Dies wage ich zu bezweifeln...leider

  • Oh Mann, unser Staat lässt sich aber echt über den Tisch ziehen: Wer nur den Gewinn nach HGB und nicht etwa den höchsten Gewinn aus den drei Regelwerken HGB, IFRS und Steuerrecht zur Zinszahlung heranzieht, handelt wirklich grob fahrlässig.
    Aber wir Lohn- und Umsatzsteuerzahler sind es ja gewohnt, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Für den Sozialstaat ist dann leider kein Geld mehr da.

  • Die CoBank hat als teilstaatliche Bank viele Milliarden Euro in die Finanzierung von Windparks gesteckt. Dass ein Großteil dieser Gelder bereits verloren ist, wird derzeit gut kaschiert. Entsprechende Kreditportfolios werden am Sekundärmarkt mit 50% Abschlag auf dem Nominalwert vertickt. In dem Moment, wo eine Staatsbank zur Finanzierung politischer Ziele und unrentabler Ökoprojekte missbraucht wird, ist der Zusammenbruch bereits vorprogrammiert.

  • Sollten Ende des Jahres SPD-Leute im Aufsichtsrat der CoBank sitzen, können wir Gewiss sein, dass die CoBank das Ende des Jahres 2014 nicht mehr erleben wird. Wie gut die Genossen im Führen von Banken sind, zeigt das Lehrstück WestLB.

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