Commerzbank streicht 6000 Jobs: Martin Blessing kehrt mit eisernem Besen

Commerzbank streicht 6000 Jobs
Martin Blessing kehrt mit eisernem Besen

Deutschlands zweitgrößte Bank baut bis zu 6000 Arbeitsplätze ab. Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es „deutliche Überkapazitäten“. Zudem will die Commerzbank Arbeit an billigere Standorte auslagern.

FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Blessing greift durch: Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus will in den nächsten vier Jahren bis zu 6000 Stellen streichen. „Insgesamt geht die Bank derzeit im Konzern von einem Stellenabbau in einer Größenordnung von 4000 bis 6000 Vollzeitkapazitäten bis zum Jahr 2016 aus“, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es deutliche Überkapazitäten, heißt es in einer Mitteilung im Intranet der Bank, die Handelsblatt Online vorliegt.

Der Abbau betrifft das In- und Ausland, die Tochter Comdirect und die polnische BRE Bank seien aber nicht betroffen. Die Pläne sind Teil eines im November verkündeten Sparprogramms. Zuletzt beschäftigte der Konzern rund 56.000 Mitarbeiter. Das Institut war im Zuge der Finanzkrise vom Staat gestützt worden. 25 Prozent der Commerzbank-Anteile befinden sich noch in öffentlicher Hand.

Die Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat über die genaue Zahl der Stellenstreichungen sollen im Februar beginnen. Am Mittwoch waren Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi über die Pläne informiert worden. Wegen der Vielzahl an Themen und Komplexität der Gespräche mit dem Betriebsrat sei es noch nicht absehbar, wie lange diese dauern werden.

Spekulationen über einen massiven Abbau von bis zu 6000 Stellen gibt es bereits seit mehreren Monaten, nachdem Commerzbank-Chef Martin Blessing angekündigt hatte, den Gewinn im bisher schwachen Geschäft mit Privatkunden deutlich steigern zu wollen. Die Commerzbank-Aktie lag nach Bekanntgabe des Stellenabbaus knapp zwei Prozent im Minus, erholte sich aber wieder etwas.

Zudem will die Commerzbank Arbeit an Billigstandorte auslagern. Dabei sollen Leistungen an Standorte verlagert werden, die dort effizienter und kostengünstiger erledigt werden können. „Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig“, sagt Personalvorstand Ulrich Sieber laut der internen Mitteilung. „Dabei bauen wir nicht nur ab. Wir werden gezielt investieren und in einigen Bereichen der Bank auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.“

Die zweitgrößte deutsche Bank hatte im November angekündigt, bis 2016 etwa zwei Milliarden Euro in ihr Kerngeschäft stecken zu wollen. In einzelnen Filialen sollen Spezialisten zusammengezogen werden, zudem sind flexiblere Öffnungszeiten im Gespräch. Online-Angebote und klassische Filialbank sollen enger verzahnt werden.

Commerzbank

Gewinn/Verlust der Commerzbank

vom 3. Quartal 2010 bis zum 3. Quartal 2013, in Millionen Euro


Bei Arbeitnehmervertretern stieß das Streichkonzert in einer ersten Reaktion auf Widerstand. „Das ist ein Horrorkatalog, den sich der Betriebsrat anhören musste“, sagte eine Person aus dem Umfeld des Gremiums. „Das ist nicht verhandlungsfähig.“

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi trifft der Abbau vor allem das Privatkunden-Geschäft. Dort allein stünden 3400 Vollzeitstellen zur Disposition, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. „Davon sollen 1800 kurzfristig abgebaut werden, der Rest wird von geplantem Wachstum abhängig gemacht." Insgesamt plane der Commerzbank-Vorstand allein in Deutschland - ohne Tochterfirmen - den Abbau von 4600 Stellen.

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