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15.06.2008 
Großfusion geplant

Commerzbank und Allianz umwerben Postbank

In die deutsche Bankenlandschaft kommt Bewegung: Die Commerzbank und der Versicherungsriese Allianz planen offenbar eine Fusion mit der Postbank, um einen weiteren "nationalen Champion" neben der Deutschen Bank zu schmieden. Doch die größte deutsche Privatkundenbank lockt auch andere Interessenten.

Die Postbank soll Teil einer neuen nationalen großbank werden. Foto: dpaLupe

Die Postbank soll Teil einer neuen nationalen großbank werden. Foto: dpa

HB FRANKFURT/CHONGQING. Der Fusionszug in der deutschen Bankenlandschaft ist ins Rollen gekommen. Finanzkreisen zufolge treten die Commerzbank und der Versicherungskonzern Allianz, Mutter der Dresdner Bank, gemeinsam als Interessenten für die Postbank auf. Ziel sei eine Großfusion, um einen weiteren "nationalen Champion" neben der Deutschen Bank zu schmieden.

Unter den Interessenten für die Postbank mit ihren knapp 15 Millionen Kunden sind offenbar aber auch ausländische Institute. Laut der Zeitung "Sunday Times" erwägt die britische Bank Lloyds TSB ein Gebot für die Postbank. Die Überlegungen seien in einem frühen Stadium. An der Dresdner Bank wiederum ist auch die Deutsche Bank interessiert.

Die Beteiligten Bankenchefs geben sich derzeit noch zurückhaltend. So sieht sich Post-Chef Frank Appel nicht unter Druck, schnell über einen Verkauf der Postbank zu entscheiden. "Ich empfinde keine Hast oder Eile und richte mich danach, was am besten für die Deutsche Post, aber auch die Postbank ist", sagte Appel der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag im chinesischen Chongqing.

Auch Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter bremste erst einmal die Erwartungen, es könnte zu schnellen Entscheidungen kommen. Er sagte der "Wirtschaftswoche", die Allianz und ihre Tochter Dresdner Bank wollten eine aktive Rolle in der anstehenden Konsolidierung spielen. "Jeder lotet aus, welche Chancen der Markt bietet. Dazu sind wir unseren Aktionären gegenüber verpflichtet." Das tue die Allianz aber ohne Hast. Der Münchener Versicherungsrise steht unter zunehmendem Druck der Aktionäre, sich von der Verluste schreibenden Bank zu trennen.

Finanzkreisen zufolge gibt es bislang keine formelle Entscheidung, ob die Postbank verkauft wird. Entscheidend seien letztlich die verbindlichen Gebote. Bei der Postbank liegen die Interessenbekundungen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters deutlich über dem Börsenwert von zehn Mrd. Euro. Appel wollte sich hierzu nicht äußern. Voraussichtlich in Kürze sollen Interessenten Einblick in die Bücher der größten deutschen Privatkundenbank bekommen.

Auf Widerstand stoßen die Fusionspläne bei Gewerkschaftern und Betriebsräten. "Bisher ist die Commerzbank auch allein ganz gut zurechtgekommen, selbst in schwierigen Zeiten. Vorstandsmitglied Achim Kassow hat doch gerade erst die gute Ergebnisentwicklung im Privatkundengeschäft herausgestellt", sagte Commerzbank-Aufsichtsrat Uwe Tschäge, der dem Betriebsrat der Bank vorsteht, dem Magazin "Euro am Sonntag". Die Gewerkschaft Verdi befürchtet den Abbau von 20 000 Stellen, sollte es zu einer Dreierfusion kommen. "Wenn so etwas ansteht, werden wir auf die Politik und auf die Vorstände Druck machen", hatte Verdi-Fachgruppenleiter und Postbank-Aufsichtsrat Gerd Tausendfreund gedroht. Die Gewerkschaft werde versuchen, Jobgarantien oder Sozialtarifverträge durchzusetzen.

Ein Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank wäre der größte Bankendeal in Deutschland seit dem Verkauf der Münchener HVB an die italienische Unicredit vor drei Jahren. Die Commerzbank gilt mit einem Börsenwert von 13 Mrd. Euro als zu klein, um ohne Partner mittelfristig eine gewichtige Rolle spielen zu können. Die Gespräche zwischen Frankfurt und München sind offenbar weit gediehen: Am Freitag erfuhr Reuters von einem Commerzbank-Aufsichtsrat, dass beide Institute sich bereits in die Bücher schauen. "Das ist ein Zeichen der besonderen Ernsthaftigkeit dieses Prozesses", hatte es geheißen.

Neben der Postbank und der Dresdner dürfte ein weiteres Institut über den Ladentisch gehen: Der deutsche Ableger der Citigroup könnte rascher als die Postbank den Eigner wechseln, da die krisengeplagte US-Großbank ihre Kassen füllen will. "Es wird keine monatelange Hängepartie geben", hatte Reuters von einem Insider erfahren. Bis Mitte Juni werde entschieden, welche Interessenten Einblick in die Citibank-Bücher bekommen. Dann werde es nur noch rund einen Monat dauern, bis ein Käufer gefunden sei.

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