Die Fusionsgespräche zwischen Dresdner Bank und Commerzbank konkretisieren sich. In diesen Tagen haben Vertreter der Dresdner Bank und der Konzernmutter Allianz Finanzkreisen zufolge begonnen, die Bilanzen der Commerzbank unter die Lupe zu nehmen. Im Gegenzug erhält die Commerzbank Zugang zu sensiblen Daten der Dresdner.
Zentrale der Commerzbank und Schild einer Dresdner-Filiale in Frankfurt: Die beiden Banken treiben ihre Fusionspläne voran. Foto: ap
FRANKFURT. „Man kann das Due Diligence nennen“, sagt ein Insider. Darunter verstehen Banker eine eingehende Prüfung von Stärken und Schwächen eines Unternehmens. Von einer Vorentscheidung für eine Fusion zu sprechen sei aber zu früh. Auch eine Kombination beider Häuser mit der Postbank wird für möglich gehalten. „Das Ganze ist Teil eines langen Prozesses, der noch am Anfang steht“, heißt es. Allianz, Dresdner Bank und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.
Beide Konzerne führen seit Monaten Gespräche über eine gemeinsame Rolle in der anstehenden Bankenkonsolidierung. Bereits vor Wochen haben Allianz und Commerzbank zusammen Interesse an einem Kauf der Postbank signalisiert. Dass sich nun zwei Konkurrenten auf dem hart umkämpften deutschen Bankenmarkt gegenseitig ihre Bilanzen öffnen, zeigt, wie weit fortgeschritten die Sondierungen sind. Die Zeit drängt: Denn Finanzkreisen zufolge nimmt auch der erwartete Verkauf der Postbank immer deutlichere Konturen an. So soll spätestens Anfang Juli der Datenraum für die Interessenten geöffnet werden. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.
Die Postbank gilt in der Branche als der Schlüssel für eine Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes. Mit rund 14,5 Millionen Kunden ist sie das mit Abstand größte Privatkundeninstitut hierzulande. Es wird erwartet, dass auch ausländische Häuser wie die spanische Santander oder die britische Großbank Lloyds die Hand heben. In Deutschland haben die Commerzbank und der Branchenprimus Deutsche Bank Interesse signalisiert. Allianz-Chef Michael Diekmann hat angekündigt, sich die Postbank genau anzuschauen, sollte es zu einem Verkauf kommen. Der offizielle Startschuss steht bislang aus.
Durch die parallelen Verhandlungen mit der Commerzbank schafft sich vor allem Diekmann Optionen. „Er kann sich keinen Fehlschlag erlauben“, sagt ein hochrangiger Banker. Diekmanns Anteilseigner machen sieben Jahre nach dem Kauf der Dresdner Druck, das Engagement im Bankgeschäft zumindest zu reduzieren. Grund sind die Milliardenverluste bei der Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise.
Doch auch der erst vor wenigen Wochen angetretene Commerzbank-Chef Martin Blessing steht unter Erfolgszwang – und sucht nach Auswegen. Sein Haus gilt auf Dauer als alleine kaum überlebensfähig. „Für die Commerzbank ist entscheidend, dass sie sich selbst vor einer Übernahme in Schutz bringt“, sagt ein Analyst.

