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12.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 14:32 Uhr 
Bankenkonsolidierung

Commerzbank und Dresdner öffnen Bücher

von Robert Landgraf und Hans G. Nagl

Die Fusionsgespräche zwischen Dresdner Bank und Commerzbank konkretisieren sich. In diesen Tagen haben Vertreter der Dresdner Bank und der Konzernmutter Allianz Finanzkreisen zufolge begonnen, die Bilanzen der Commerzbank unter die Lupe zu nehmen. Im Gegenzug erhält die Commerzbank Zugang zu sensiblen Daten der Dresdner.

Zentrale der Commerzbank und Schild einer Dresdner-Filiale in Frankfurt: Die beiden Banken treiben ihre Fusionspläne voran. Foto: apLupe

Zentrale der Commerzbank und Schild einer Dresdner-Filiale in Frankfurt: Die beiden Banken treiben ihre Fusionspläne voran. Foto: ap

FRANKFURT. „Man kann das Due Diligence nennen“, sagt ein Insider. Darunter verstehen Banker eine eingehende Prüfung von Stärken und Schwächen eines Unternehmens. Von einer Vorentscheidung für eine Fusion zu sprechen sei aber zu früh. Auch eine Kombination beider Häuser mit der Postbank wird für möglich gehalten. „Das Ganze ist Teil eines langen Prozesses, der noch am Anfang steht“, heißt es. Allianz, Dresdner Bank und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.

Beide Konzerne führen seit Monaten Gespräche über eine gemeinsame Rolle in der anstehenden Bankenkonsolidierung. Bereits vor Wochen haben Allianz und Commerzbank zusammen Interesse an einem Kauf der Postbank signalisiert. Dass sich nun zwei Konkurrenten auf dem hart umkämpften deutschen Bankenmarkt gegenseitig ihre Bilanzen öffnen, zeigt, wie weit fortgeschritten die Sondierungen sind. Die Zeit drängt: Denn Finanzkreisen zufolge nimmt auch der erwartete Verkauf der Postbank immer deutlichere Konturen an. So soll spätestens Anfang Juli der Datenraum für die Interessenten geöffnet werden. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.

Die Postbank gilt in der Branche als der Schlüssel für eine Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes. Mit rund 14,5 Millionen Kunden ist sie das mit Abstand größte Privatkundeninstitut hierzulande. Es wird erwartet, dass auch ausländische Häuser wie die spanische Santander oder die britische Großbank Lloyds die Hand heben. In Deutschland haben die Commerzbank und der Branchenprimus Deutsche Bank Interesse signalisiert. Allianz-Chef Michael Diekmann hat angekündigt, sich die Postbank genau anzuschauen, sollte es zu einem Verkauf kommen. Der offizielle Startschuss steht bislang aus.

Durch die parallelen Verhandlungen mit der Commerzbank schafft sich vor allem Diekmann Optionen. „Er kann sich keinen Fehlschlag erlauben“, sagt ein hochrangiger Banker. Diekmanns Anteilseigner machen sieben Jahre nach dem Kauf der Dresdner Druck, das Engagement im Bankgeschäft zumindest zu reduzieren. Grund sind die Milliardenverluste bei der Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise.

Doch auch der erst vor wenigen Wochen angetretene Commerzbank-Chef Martin Blessing steht unter Erfolgszwang – und sucht nach Auswegen. Sein Haus gilt auf Dauer als alleine kaum überlebensfähig. „Für die Commerzbank ist entscheidend, dass sie sich selbst vor einer Übernahme in Schutz bringt“, sagt ein Analyst.

Zudem gibt es unter Branchenexperten Zweifel, ob die Frankfurter den Kauf der Postbank – trotz genehmigter Kapitalmaßnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe – überhaupt stemmen könnten. Mit 9,9 Mrd. Euro bewertet die Börse das Bonner Institut kaum niedriger als die Commerzbank, deren Marktkapitalisierung aktuell bei 12,4 Mrd. Euro liegt. Und es gilt als wahrscheinlich, dass ein Postbank-Erwerber eine Prämie von 20 bis 30 Prozent auf den Kurs zahlen müsste.

Die Fusion von Commerzbank und Dresdner, aber auch ein Dreierbündnis wären folglich sowohl für Blessing als auch für Diekmann ein Befreiungsschlag. „Derzeit will jeder möglichst viele Bälle in der Luft halten, um am Ende zu sehen, was die beste Kombination ist“, sagt ein Insider.

So ist die Commerzbank etwa auch im Bieterrennen um das deutsche Privatkundengeschäft des US-Instituts Citigroup dabei. Dieser Deal wäre deutlich einfacher umzusetzen, während die Dreierfusion wegen der Komplexität ein Mammutprojekt ist. Rein rechnerisch hätte ein solches Haus knapp 85 000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von rund 1,1 Billionen Euro.

Der Widerstand der Gewerkschaften ist ohnehin programmiert – sie befürchten den Abbau von bis zu 20 000 Stellen. Doch ausgeschlossen scheint der „Mega-Merger“ keineswegs. „Wir haben den Eindruck, dass die Dreierkonstellation viel wahrscheinlicher ist, als man das vor ein paar Wochen noch eingestuft hat“, sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Carsten Werle.

In einem solchen Szenario würde möglicherweise auch die derzeit geplante Aufspaltung des Dresdner-Bank-Geschäfts in zwei Bereiche – Privat- und Firmenkunden sowie Investment-Banking – überflüssig. Sollte die Dresdner nämlich nur noch die Investmentbank behalten, könnte sich die Bonitätsnote des Instituts verschlechtern, hieß es in Finanzkreisen. Die Abspaltung sei somit eher unrealistisch. In den laufenden Gesprächen werde deshalb eine Fusion der kompletten Dresdner Bank favorisiert.

Commerzbank

Das Institut, dessen Vorläufer Commerz- und Disconto-Bank 1870 gegründet wurde, ist heute nach der Bilanzsumme hierzulande das zweitgrößte Institut nach der Deutschen Bank. Die Commerzbank hat es erfolgreich geschafft, sich als Partner des heimischen Mittelstands zu positionieren.

Dresdner Bank

Das Geldhaus entstand 1872 aus der Umwandlung des Bankhauses Kaskel in eine Aktiengesellschaft. Heute gehört es zum Münchener Versicherer Allianz. Gerade bei Unternehmen und gehobenen Privatkunden gilt die Bank nach wie vor als kompetenter Ansprechpartner. Für Probleme sorgte in der Vergangenheit vor allem die Investmentbank-Sparte Dresdner Kleinwort.

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