Computer im Aktienhandel: High Tech an der Börse

Computer im Aktienhandel
High Tech an der Börse

Erst hat der Einsatz von Computern an der Börse den Parketthandel nahezu verdrängt, nun droht er den Händlern bei den Banken den Arbeitsplatz streitig zu machen. Doch die internationalen Börsen profitieren vom wachsenden Einsatz von Computern im Aktienhandel.

FRANKFURT. Allein im elektronischen Handelssystem Xetra der Deutschen Börse stieg der Anteil der Orders, die autonom von Rechnern generiert wurden, zuletzt auf 30 Prozent. 2003 waren es nur knapp 15 Prozent. Bis Ende 2007 sollen Expertenschätzungen zufolge mehr als 40 Prozent des weltweiten Aktienhandels von Computern bestimmt werden. Ein Trend, der im Fachjargon wegen des Einsatzes mathematischer Algorithmen „Algo Trading“ genannt wird.

„Algo Trading wird in Zukunft einen immer größeren Anteil der Börsengeschäfte ausmachen und die Umsätze der Börsenkonzerne langfristig steigen lassen“, sagte Heiko Frantzen, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Da die Programme sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten nach über- oder unterbewerteten Aktien, Bonds, Devisen und Rohstoffen suchten, sei ein klarer Trend zu einem langfristigen Wachstum der Börsenumsätze abzusehen. Getrieben wurde dieser Trend zunächst von klassischen Vermögensverwaltern, mittlerweile sind vor allem Hedge-Fonds für das Wachstum beim computergestützten Börsengeschäft verantwortlich.

Hinter dem Handel durch in Software gegossene Algorithmen steckt im Grunde eine simple Idee: Die An- und Verkaufsgebote an der Börse werden vom Rechner laufend anhand mathematischer Modelle auf Unter- oder Überbewertung überprüft. Entdeckt das Programm – ein so genannter Sniper (engl. für Heckenschütze) – eine solche Order, „schießt“ es seinerseits einen Gegenauftrag ins Handelssystem der Börse.

Zu Beginn des „Algo Tradings“ Ende der 90er-Jahre war ein solches System ein Garant für Erfolg. Heute, da viele solcher Maschinen entsprechende Gewinnchancen suchen, gilt eine „Trefferquote“ von 15 bis 20 Prozent als ausgezeichnet. „Die Geschwindigkeit der Ausführung ist sehr wichtig und bringt große Vorteile“, sagt Manny Santayana, zuständiger US-Manager vom Marktführer Credit Suisse.

Tatsächlich geht es um Millisekunden. Der Grund: Obwohl sich Informationen in den Glasfasernetzen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, benötigt eine Order für 100 Kilometer Kabel ungefähr eine Millisekunde. Der Computer, der also am schnellsten rechnet und die schnellste Datenleitung zur Börse nutzt, kommt als erster zum Ziel. „Mittlerweile befinden sich bestimmte Kundengruppen in einem High-Tech-Rennen um die besten Algorithmen, die schnellsten Leitungen und die besten Rechner“, sagt Gerhard Leßmann, Vorstand beim Systemhaus der Deutschen Börse.

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