Frankreichs größte Privatkundenbank Crédit Agricole hat ihren Gewinn im vierten Quartal 2005 mehr als verdoppelt und die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Das Institut profitierte besonders vom starken Investment-Banking- und dem Privatkundengeschäft, aber auch in allen anderen Bereichen sind die Zahlen angestiegen.
ku PARIS. Positiv wirkte sich ebenfalls die abgeschlossene Integration des 2003 übernommenen Rivalen Crédit Lyonnais aus. Ausgehend von der dominanten Stellung in Frankreich will Crédit Agricole international expandieren, vor allem in Europa. „Wir wollen an der europäischen Bankenkonsolidierung teilhaben“, sagte Georges Pauget, Generaldirektor der Bank, am Mittwoch in Paris.
Der Nettogewinn stieg 2005 gegenüber dem Vorjahr um knapp 56 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro. Und im vierten Quartal hat sich der Gewinn mehr als verdoppelt. Crédit Agricole profitiert wie auch die Konkurrenten vom derzeit positiven Bankenumfeld. Grund dafür sind die Erholung der Konjunktur in Europa, steigende Börsenkurse sowie zahlreiche Fusionen.
An der Börse kam die Bilanz gut an: Die Aktien von Crédit Agricole verteuerten sich nach Veröffentlichung der Ergebnisses um ein Prozent auf 31 Euro. Zeitweise waren sie am Mittwoch sogar mehr als drei Prozent im Plus.
„Die Zahlen zeigen, dass Crédit Agricole gegenüber den anderen französischen Banken aufgeholt hat. Eine weitere Gewinn-Verbesserung ist wahrscheinlich“, sagte Alain Tchibozo, Analyst bei ING Wholesale Banking in Paris. Und die US-Investmentbank Merrill Lynch erwartet Zukäufe: „Crédit Agricole bereitet den Markt auf Akquisitionen vor.“
Doch das Management äußerte sich am Mittwoch in Paris eher vorsichtig zu Übernahmeprojekten. Schon seit einiger Zeit zeigt Crédit Agricole Interesse an deutschen Sparkassen, doch Pauget erklärte: „Es gibt kein unmittelbar bevorstehendes Projekt in Deutschland.“ Etwas deutlicher wurde das Interesse der Bank in der Türkei. „Wir schauen uns zurzeit den türkischen Bankenmarkt genau an“, sagte Finanzchef Gilles de Margerie. Und auch Griechenland interessiert den Konzern.
Bisher macht das Auslandsgeschäft nur 35 Prozent der Einnahmen aus. Doch bis zum Jahr 2008 will Frankreichs Marktführer 50 Prozent erreichen. Für Zukäufe im Ausland sind in der Zeit fünf Mrd. Euro vorgesehen. Die europäische Bankenlandschaft ist zurzeit in Bewegung. Analysten kritisierten schon, dass Crédit Agricole verspätet im Ausland investiert. Durch das Übernahmeangebot der BNP Paribas für die italienische BNL sei Crédit Agricole in Zugzwang geraten. Die Position in Italien will Crédit Agricole verteidigen. Bisher ist die Bank in Italien mit 18 Prozent an der Banca Intesa beteiligt, die immer wieder als Übernahmeziel gehandelt wird.

