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07.02.2006 
Interesse an Sparkasse

Crédit Agricole will zukaufen

von Holger Alich

Crédit Agricole, Frankreichs nach Kundenzahl gerechnet größte Bankengruppe, verfolgt die Änderungen der deutschen Bankenlandschaft mit großem Interesse. Zu Crédit Agricole zählt das Bank-Netz der genossenschaftlichen Bankengruppe und die Filialen der LCL.

PARIS. „Sollte es eines Tages möglich sein, eine Sparkasse zu übernehmen, so interessiert uns das“, sagte Georges Pauget, Generaldirektor von Crédit Agricole, der börsennotierten Holding der genossenschaftlichen Bankengruppe, dem Handelsblatt. „Die deutschen Sparkassen und Crédit Agricole haben einen ähnlichen Stil im Bankgeschäft“, sagte er.

Zu Crédit Agricole zählt das Bank-Netz der genossenschaftlichen Bankengruppe und die Filialen der LCL, wie die ehemalige Crédit Lyonnais heute heißt. Die Gruppe hat in Frankreich rund 21 Millionen Kunden und ist damit mit Abstand Marktführer im Privatkundengeschäft (Retail Banking).

Pauget übernahm vor rund einem halben Jahr die operative Führung der Gruppe und soll vor allem das Auslandsgeschäft entwickeln. Denn derzeit steuert das Auslandsgeschäft nur 35 Prozent zu den Einnahmen bei. Bis zum Jahr 2008 soll Pauget diese Quote auf 50 Prozent steigern. Dazu hat er ein Budget für Zukäufe von fünf Milliarden Euro.

Wie es dem Stil des Hauses entspricht, will Pauget dabei sehr vorsichtig vorgehen, spektakuläre Deals – wie jetzt bei Wettbewerber BNP Paribas in Italien – sind nicht zu erwarten. „Wir bevorzugen zum Beispiel in Osteuropa kleine Zukäufe gegenüber dem Kauf einer großen zu privatisierenden Bank. Denn dort müssen sie die ganze Beamtenkultur ändern, was Risiken birgt“, sagte Pauget. Aus diesem Grund habe sein Haus kein Interesse an der polnischen PKO Bank, die demnächst privatisiert werden soll. Crédit Agricole zielt auf kleinere bis mittlere Privatkundenbanken, Konsumentenkredite-Anbieter, Vermögensverwalter und Versicherer im europäischen Raum.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Herausforderungen auch im Inland

Analysten kritisieren, dass Frankreichs Marktführer erst mit großer Verspätung im Ausland expandiert. Bislang hat die Bank primär zwei ausländische Minderheitsbeteiligungen: 18 Prozent an der Banca Intesa und 22 Prozent an der portugiesischen Banco Espirito Santo. „Doch es gibt noch reichlich Ziele in einer Größenordnung zwischen einer und fünf Milliarden Euro“, meint Christophe Ricetti, Analyst des Brokers Ixis. Der Wettbewerb um gute Übernahmekandidaten wird indes härter, das sieht auch Konzern-Chef Pauget so.

Vor Herausforderungen steht Frankreichs Marktführer auch im Inland: Denn seit Anfang des Jahres gibt es die neue Postbank, die nun in den hart umkämpften Markt für Immobilienkredite einsteigt. Über dieses Produkt lassen sich für Banken gut die Kunden binden. Experten sehen die Postbank vor allem als Bedrohung für die Marktstellung des Netzes von Crédit Agricole und den französischen Sparkassen. Denn deren Kunden kaufen überwiegend einfache und sichere Produkte. „Dank des Angebots der Immobilienkredite wird die Post künftig weniger Kunden verlieren, sprich, der potenzielle Kundengewinn für die anderen Banken sinkt“, räumt Crédit-Agricole-Chef Pauget ein.

Er setzt indes darauf, dass die EU-Kommission der Postbank und den Sparkassen das Vertriebsmonopol für das steuerbefreite Sparbuch Livre A abnimmt und die Konkurrenz somit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verliert.

Trotz der neuen Konkurrenz will das Netz von Crédit Agricole in drei Jahren 400 000 neue Kunden gewinnen, LCL strebt 150 000 neue Kunden an. Dies will Pauget unter anderem mit der Erweiterung des Filialnetzes schaffen: „Bis 2014 werden wir 400 bis 450 neue Filialen eröffnen.“

Der Chef der Gruppe Crédit Agricole sieht derzeit noch nicht die Stunde gekommen für eine große europäische Bankenkonsolidierung. Dennoch hat er eine Vision, wie diese aussehen könnte: „Ich frage mich, ob man nicht eines Tages an komplexere Fusionen, z.B. mit Banken aus drei Ländern, denken muss. Auf diese Weise könnte man eine echte europäische Banken-Gruppe schaffen“, sagt er.

Solch eine Transaktion erfordert viel Integrations-Know-how. Dies hat sich Crédit Agricole bei der Übernahme des Lokalrivalen Crédit Lyonnais indes bereits angeeignet.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Bankchef Pauget sucht eine aktive Rolle im Börsenpoker

Crédit Agricole will sich bei der anstehenden Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft nicht mit einer Zuschauer-Rolle zufrieden geben. Schließlich ist die Großbank auch Euronext-Aktionär, wenn auch mit weniger als fünf Prozent. „Was uns bei einer eventuellen Fusion zwischen der Deutschen Börse und Euronext besorgt, ist die Clearing-Frage. Hier droht ein Monopol“, sagte Crédit-Agricole-Generaldirektor Georges Pauget. Seit Monaten machen die Euronext-Aktionäre wie TCI oder Harris Associates Druck auf das Euronext-Management, sich mit der Deutschen Börse zu verbünden.

Vor diesen Hintergrund kritisiert der Bank-Chef das Verhalten dieser Fonds: „Die Hedge-Fonds spekulieren auf kurzfristige Gewinne, wir verfolgen eine langfristige industrielle Perspektive. Das entspricht nicht der gleichen Logik.“ Er sei nicht gegen eine Konsolidierung der Börsenlandschaft, „solange dadurch keine monopolhaften Strukturen entstehen“, so Pauget. Er unterstütze das Bemühen der französischen Banken, ihre Euronext-Anteile zu bündeln, um sich auf diese Weise besser Gehör zu schaffen. Die Banken Société Générale, BNP Paribas, Crédit Agricole arbeiten derzeit mit den Instituten Fortis, ABN Amro und Banco Espirito Santo an einer Art Aktionärspakt.

Doch gegen das große Gewicht der Fonds, die knapp 24 Prozent an Euronext halten, könnte sich diese Initiative als unzureichend erweisen. „Sollte unter bestimmtem Druck eine Monopolsituation entstehen, werden sich die Marktteilnehmer einen Börsenbetreiber suchen, der ihnen bessere Konditionen bietet“, drohte Pauget.

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