Analysten kritisieren, dass Frankreichs Marktführer erst mit großer Verspätung im Ausland expandiert. Bislang hat die Bank primär zwei ausländische Minderheitsbeteiligungen: 18 Prozent an der Banca Intesa und 22 Prozent an der portugiesischen Banco Espirito Santo. „Doch es gibt noch reichlich Ziele in einer Größenordnung zwischen einer und fünf Milliarden Euro“, meint Christophe Ricetti, Analyst des Brokers Ixis. Der Wettbewerb um gute Übernahmekandidaten wird indes härter, das sieht auch Konzern-Chef Pauget so.
Vor Herausforderungen steht Frankreichs Marktführer auch im Inland: Denn seit Anfang des Jahres gibt es die neue Postbank, die nun in den hart umkämpften Markt für Immobilienkredite einsteigt. Über dieses Produkt lassen sich für Banken gut die Kunden binden. Experten sehen die Postbank vor allem als Bedrohung für die Marktstellung des Netzes von Crédit Agricole und den französischen Sparkassen. Denn deren Kunden kaufen überwiegend einfache und sichere Produkte. „Dank des Angebots der Immobilienkredite wird die Post künftig weniger Kunden verlieren, sprich, der potenzielle Kundengewinn für die anderen Banken sinkt“, räumt Crédit-Agricole-Chef Pauget ein.
Er setzt indes darauf, dass die EU-Kommission der Postbank und den Sparkassen das Vertriebsmonopol für das steuerbefreite Sparbuch Livre A abnimmt und die Konkurrenz somit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verliert.
Trotz der neuen Konkurrenz will das Netz von Crédit Agricole in drei Jahren 400 000 neue Kunden gewinnen, LCL strebt 150 000 neue Kunden an. Dies will Pauget unter anderem mit der Erweiterung des Filialnetzes schaffen: „Bis 2014 werden wir 400 bis 450 neue Filialen eröffnen.“
Der Chef der Gruppe Crédit Agricole sieht derzeit noch nicht die Stunde gekommen für eine große europäische Bankenkonsolidierung. Dennoch hat er eine Vision, wie diese aussehen könnte: „Ich frage mich, ob man nicht eines Tages an komplexere Fusionen, z.B. mit Banken aus drei Ländern, denken muss. Auf diese Weise könnte man eine echte europäische Banken-Gruppe schaffen“, sagt er.
Solch eine Transaktion erfordert viel Integrations-Know-how. Dies hat sich Crédit Agricole bei der Übernahme des Lokalrivalen Crédit Lyonnais indes bereits angeeignet.
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