Wenn Oswald Grübel in zwei Tagen seinen letzten Auftritt als Bankchef hat, dürfte der Beifall länger ausfallen. Der Chef der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse verabschiedet sich mit dem höchsten Ergebnis, das die Bank jemals eingefahren hat. Er entwarf die Strategie dafür.
ZÜRICH. Oswald Grübel, Chef der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse gibt bei der Hauptversammlung am 4. Mai die Führung des Konzerns an den 16 Jahre jüngeren Brady Dougan ab. Er verabschiedet sich mit dem höchsten Ergebnis, das die Bank jemals eingefahren hat: rund 7,2 Mrd. Euro oder genauer gesagt: 11,33 Mrd. Schweizer Franken.
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Unter den größten europäischen Banken ist die Verbesserung um mehr als 90 Prozent einmalig; auch das Wachstum der Gesamterträge um knapp 24 Prozent kann sich im europäischen Vergleich sehen lassen. In dem Gewinn ist zwar der Verkauf der Versicherungstochter Winterthur enthalten, aber auch ohne die 1,82 Mrd. Franken an einmaligen Einnahmen ist das Ergebnis top.
An welchen Stellschrauben hat Grübel gedreht? Zunächst ließ er zu, dass der Einfluss der Investmentbank gestiegen ist, integrierte die New Yorker Abteilung aber gleichzeitig wieder stärker in die Bank. Denn in der Zeit, als der Konzern mit seiner Versicherungstochter „Winterthur“ eine Allfinanzstrategie steuerte, hatte sich die Investmentbank als eigenständiger Bereich entwickelt, dessen Ergebnisse aber schwach waren. Nach dem Weggang von John Mack, dem mächtigen Chef des Investmentbankings 2004, hatte Grübel freie Bahn.
Er entwarf die „Eine-Bank-Strategie“ – das Investmentbanking und die Betreuung vermögender Kunden sollten miteinander verzahnt werden. Grübel machte Dougan zum Chef der Investmentbank, der fortan den ehrgeizigen New Yorkern zu verstehen gab, dass sie nicht mehr die Perle des Konzerns, sondern neben der Vermögensverwaltung das zweite gleichwertige Standbein der Credit Suisse sein sollten. Unter seinem Einfluss und mit dem Schub einer günstigen Konjunktur wuchs die Investmentbank zwar zur dominierenden Sparte. Gleichzeitig schwand aber ihre Eigenständigkeit, was darin zum Ausdruck kommt, dass der traditionsreiche Titel First Boston getilgt wurde.
Das erklärte Ziel, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Investmentbank und Vermögensverwaltung zu schaffen, gilt unter Dougan weiter. Würde das Investmentbanking zu stark, würden die Aktien mit einem größeren Abschlag zu reinen Vermögensverwaltern gehandelt. In beiden Bereichen spielt Größe, betonen Analysten, keine so zentrale Rolle wie im Retail-Geschäft. Deshalb wird die Credit Suisse auch nicht als Fusionskandidat gehandelt.

