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16.11.2005 
Günstigere Refinanzierung

Daimler-Chrysler baut eigene Bank in den USA auf

Die Finanzdienstleistungs-Tochter des Autokonzerns Daimler-Chrysler hat angekündigt, in den USA eine eigene Bank zu gründen. Das soll die Refinanzierung günstiger machen.

HB BERLIN.

„Wir hoffen im ersten Quartal 2006 auf eine Genehmigung“, sagte der Vorstandschef von Daimler-Chrysler Financial Services (DCFS), Jürgen Walker, am Dienstagabend in Berlin. Es gebe im US-Bundesstaat Utah - und nur da - die Möglichkeit, eine Lizenz zu bekommen, um damit im ganzen Land Geschäfte zu machen. Voraussetzung sei eine weitgehende organisatorische Trennung vom Automobilgeschäft. Über eine solche Bank könne sich DCFS günstiger refinanzieren als dies für den Konzern mit seiner Bonität möglich wäre, sagte Walker. „Das ist eine Maßnahme zur Kostenreduzierung.“

Daimler-Chrysler wird von der führenden Ratingagentur Standrd & Poor's derzeit mit „BBB“ eingestuft und ist damit nur zwei Stufen vom Status spekulativer Anlagen entfernt. Walker rechnet damit, dass die Bank auf jeden Fall besser geratet wird.

Den Plänen zufolge soll das Finanzinstitut in Salt Lake City seinen Sitz haben und rund 20 Mitarbeiter beschäftigen. Im Gegensatz zur deutschen Daimler-Chrysler Bank ist in den USA kein Einlagengeschäft vorgesehen. Walker plant, in einem ersten Schritt einen kleineren Teil des nordamerikanischen Vertragsvolumens von insgesamt 82 Mrd. Euro an die Bank zu verkaufen. Diese fungiert dann als Kreditgeber für die Dienstleistungssparte und übernimmt eigenständig die Refinanzierung beispielsweise am Interbanken-Markt.

Die Eigenkapitalausstattung der Bank ist dem Manager zufolge ein neutraler Vorgang: „Auch die Services brauchen zur Finanzierung der Verträge Eigenkapital. Diese ist dann bei der Bank und nicht mehr bei den Finanzdienstleistungen.“

In Deutschland hat der Stuttgarter Konzern wie andere Automobilkonzerne bereits eine eigene erfolgreiche Bank. In China hat Daimler-Chrysler kürzlich ebenfalls die Genehmigung für Finanzdienstleistungen wie Leasing und Finanzierung erhalten.

Für die Finanz-Tochter von Daimler-Chrysler sind die USA nach eigenen Angaben mit rund 70 Prozent des Geschäftsvolumens die weltweit wichtigste Region. DCFS hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen operativen Gewinn von 1,12 Mrd. Euro erzielt, ein Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. „Wir gehen davon aus, dass wir auch ein gutes Ergebnis im Gesamtjahr haben werden“, sagte Walker. Ob es über dem Vorjahreswert von 1,25 Mrd. Euro liegen werde, ließ er allerdings offen.

Walker sagte, DCFS werde sich weiter auf das Kerngeschäft wie Leasing, Privatkundenfinanzierung, Versicherungen und Flottenmanagement konzentrieren. Fester Bestandteil von DCFS bleibe der Anteil von 45 Prozent am Mautbetreiber Toll Collect. Die Deutsche Telekom hält daran ebenfalls 45 Prozent, die französische Cofiroute die übrigen 10 Prozent.

Daimler-Chrysler Financial Services hat weltweit mehr als 11 000 Mitarbeiter in 39 Ländern. Verwaltet wurde per Ende September ein Vertragsvolumen von 113 Mrd. Euro, rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr.

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