Bislang konzentrierte sich Daimler in Russland im Finanzdienstleistungsbereich auf das Leasinggeschäft für Nutzfahrzeuge und damit auf die gewerblichen Kunden. Jetzt hat der Konzern auch private Käufer im Visier. In wenigen Tagen wird Daimler Financial Services eine eigene Autobank eröffnen und damit direkten Zugang zum privaten Kunden haben.
fmd BERLIN. „Mit der Neugründung sind wir als erster ausländischer Automobilkonzern in Russland mit eigener Bank und eigener Leasinggesellschaft am Markt“, sagte Jürgen Walker, der Vorstandsvorsitzende der Finanzdienstleistungstochter des Daimler-Konzerns, am gestrigen Donnerstag in Berlin.
Bislang konzentrierte sich Daimler in Russland im Finanzdienstleistungsbereich auf das Leasinggeschäft für Nutzfahrzeuge und damit auf die gewerblichen Kunden. Dafür war keine spezielle Banklizenz erforderlich. Innerhalb von drei Jahren will Walker das Vertragsvolumen von gegenwärtig 80 Mill. Euro auf 400 Mill. Euro erhöhen. Idealerweise will Daimler jedes dritte verkaufte Fahrzeug finanzieren. Parallel soll die bestehende Daimler-Chrysler Bank Rus in Mercedes Benz Bank Rus umfirmieren.
Mut macht Daimler der dynamische Fahrzeugmarkt in Russland. So wird geschätzt, dass die Zahl der verkauften PKWs im laufenden Jahr um 14 Prozent auf 2,1 Mill. Stück steigt. Dabei soll sich die Zahl der geleasten und finanzierten PKWs um zwölf Prozent auf 840 000 erhöhen. Im Gegensatz beispielsweise zu Volkswagen, die mit ihrer neugegründeten Bank in Mexico auch ins Einlagengeschäft einsteigen wollen, konzentriert sich Daimler auf die Fahrzeug- und Händlerfinanzierung. Ein neues Point-of-Sale-System soll dabei für schnelle Kreditgenehmigungen sorgen.
Vor der Trennung von Chrysler erzielte die Finanzdienstleistungssparte noch eine Eigenkapitalrendite von 17 Prozent. Für dieses Jahr strebt Walker eine Rendite von mehr als 14 Prozent an. Die Trennung machte sich auch in den Neun-Monats-Zahlen bemerkbar. Der Gewinn vor Steuern sank von 660 Mill. Euro auf 521 Mill. Euro. Zudem zog der Verkauf von Chrysler einen Kraftakt nach sich. Schließlich musste Daimler Financial Services in den USA für ihre Geschäfte in 50 Staaten mehr als 100 Lizenzen individuell beantragen. „Wir waren das mit Abstand am stärksten integrierte Konzern-Geschäftsfeld“, sagt Walker.

