Basel III erklärt: Das Ringen der Bankenaufseher

Das Einmaleins der Bankenregulierung
Der große Zank um die Finanzaufsicht

Die USA und Europa sind tief zerstritten: Welche Regeln sollen global für Banken gelten? Die wichtigsten Finanzaufseher diskutieren darüber in Chile. Das Ergebnis könnte höhere Zinsen für europäische Bankkunden bedeuten.
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FrankfurtIn den kommenden beiden Tagen blickt die Finanzwelt nach Santiago, der Hauptstadt Chiles. Dort treffen sich die Mitglieder des mächtigen Basler Bankenausschusses, um neue Regeln für Banken festzulegen. Was technisch klingt, kann große Auswirkungen für Bankkunden und die Branche haben. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum müssen Banken eigentlich überwacht werden?

Kaum ein Sektor wird so streng reguliert und überwacht wie die Bankenbranche. Das liegt daran, dass Bankpleiten so verheerende Folgen für eine Volkswirtschaft haben können. Schließlich geht es nicht allein um die Ersparnisse, die Menschen bei Geldhäusern deponiert haben. Banken organisieren außerdem den Zahlungsverkehr und damit die Lebensader jeder Volkswirtschaft: Überweisungen von einem zum anderen Konto oder die Möglichkeit, Geld abzuheben. Außerdem versorgen sie die Wirtschaft mit Krediten, die in Europa eine weit größere Rolle spielen als etwa in den USA. Das alles tun die Banken mit sehr wenig Kapital, wenn man sie mit Industrieunternehmen vergleicht. Deshalb dürfen relativ wenig Fehler passieren und die Regulierung ist angesichts der Folgen einer Bankpleite entsprechend streng.

Ist es für mich als Bankkunde gut oder schlecht, wenn Banken hart rangenommen werden?

Ein streng überwachtes Institut ist hauptsächlich sicherer und stabiler als ein unkontrollierter Finanzanbieter. Das ist schon deshalb wichtig, weil die bei der Bank deponierten Ersparnisse wirtschaftlich ein Kredit sind, die der Kunde seiner Bank gewährt. Im Falle einer Bankpleite muss ein Kunde daher darauf setzen, dass der Einlagenschutz auch wirklich funktioniert. Daher ist es besser, wenn gar nicht erst etwas passiert. Es gibt zwar immer wieder Fälle, bei denen sich Kunden oft zu Recht über ihre Banken beschweren. Doch ein Blick auf die Skandale am unkontrollierten grauen Kapitalmarkt zeigt, dass Banken in der Regel ziemlich zuverlässig sind. Die Kehrseite einer strengen Regulierung: Sie kostet Geld, das die Banken entweder über höhere Gebühren oder schlechtere Konditionen für Kunden wieder hereinholen müssen.

Bei welchen Vorgaben jammern Banken besonders stark?

Es gibt unterschiedliche Punkte, über die sich die Institute beklagen. Besonders viel Ärger macht die Frage, wie viel Eigenkapital eine Bank eigentlich benötigt, um ihr Geschäft betreiben zu dürfen. Dazu muss man wissen, dass Banken mit einer Kapitaldecke operieren dürfen, die weitaus dünner ist als bei Industrieunternehmen üblich. Bei der Commerzbank und der Deutschen Bank liegt sie in Relation zum Geschäftsvolumen irgendwo zwischen drei und vier Prozent. Da bleibt nicht viel Spielraum für Fehler. Im Moment ärgern sich Banken vor allem darüber, dass sie bei der Kalkulation ihrer Risiken eingeschränkt werden sollen: Bislang gilt, dass sich der Kapitalbedarf einer Bank danach orientiert, wie riskant ihr Geschäft ist. Je höher das Risiko, desto mehr Kapital ist nötig. Wie hoch das Risiko genau ist, berechnen die Banken mit eigenen Methoden. Nun fürchten sie, dass Einschränkungen auf diesem Gebiet sie doch zu einer deutlich dickeren Kapitaldecke zwingen.

Es gibt viele verschiedene Aufseher und Gremien. Wer ist wofür zuständig?

Bei den großen Banken der Eurozone sieht die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dem Rechten. Sie kontrolliert, ob Bankmanager zuverlässig sind, die Geldhäuser ihre Risiken realistisch einschätzen und auch sonst alle Regeln einhalten. Sie schreibt den Banken auch oft vor, wie viel Eigenkapital sie über das gesetzliche Minimum hinaus vorhalten müssen. Die Europäische Bankenaufsicht EBA, die bislang in London angesiedelt ist, sorgt für möglichst einheitliche Standards in der gesamten EU. Nationale Behörden wie Bundesbank und Bafin kümmern sich darüber hinaus um kleinere Banken, sind aber zusätzlich in die Überwachung der Großinstitute im Rahmen der EZB-Aufsicht eingebunden. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus der Basler Bankenausschuss, der versucht, weltweite Mindeststandards für Banken zu entwickeln.

Und was genau ist jetzt der Basler Bankenausschuss?

Dieses Gremium ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt, einer Art Notenbank der Notenbanken. Hier treffen sich Notenbanker und Bankenaufseher aus 27 Nationen, um global verbindliche Mindeststandards für Banken zu vereinbaren. Derzeit geht es darum, sich auf Methoden zu einigen, wie Banken ihre Risiken kalkulieren dürfen. Die großen, wichtigen Beschlüsse sind durchnummeriert und tragen Namen wie „Basel I“, „Basel II“ oder auch „Basel III“.

Das Gremium tagt ab heute in Santiago (Chile). Vorsitzender ist Stefan Ingves, der Präsident der schwedischen Zentralbank. Im Interview mit dem Handelsblatt hat er deutlich gemacht, dass ein heftiger Streit um Kapitalvorgaben bis Ende des Jahres beigelegt werden dürfte. „Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt; und es ist meine Aufgabe dies sicherzustellen“, sagte er in dem Gespräch.

Kommentare zu " Das Einmaleins der Bankenregulierung: Der große Zank um die Finanzaufsicht"

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  • die Zinsen müssen weiter fallen weil der deutsche viel zu viel Geld spart oder gespartt hat. Nur so wird es ihm genommen über die Inflation.

  • Was nützen denn schon Regeln. Es richtet sich doch keiner danach.
    Die Plutokratie ist doch international.
    Alles reine Volksverdummung. Schauen Sie sich doch die Vorstände der BAFIN und der BUNDESBANK an.
    Grimms Märchen beinhalten mehr Wahrheiten als solch eine Medienwirksame Veranstaltung..
    Der deutsche "Michel" nickt zustimmend.

  • Was sind denn die Gründe für eine Nullverzinsung von Kapital?
    Weltweite Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Privaten und dadurch fehlende Neuschuldner!

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