Das Einmaleins der Bankenregulierung: Warum die Lobby den Begriff „Basel IV“ verwendet

Das Einmaleins der Bankenregulierung
Der große Zank um die Finanzaufsicht

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Warum die Lobby den Begriff „Basel IV“ verwendet

Wie verbindlich sind die Beschlüsse des Basler Ausschuss?

Die Beschlüsse des Basler Ausschusses sind nicht verbindlich, sondern Empfehlungen. Der Gesetzgeber muss die Reformen jeweils umsetzen. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die USA etwa das Reformwerk Basel II gar nicht erst eingeführt haben. Deshalb untersucht der Ausschuss mittlerweile regelmäßig, ob ihm seine Mitglieder folgen. Die EU bekam bereits bescheinigt, dass ihre Umsetzung der Basel-III-Reform „erheblich“ vom Original abweiche, etwa weil sie Staatsanleihen als völlig risikolos betrachtet – trotz der Umschuldung Griechenlands 2012. Staatsanleihen als riskant zu bewerten, wurde zwar viel debattiert. Geschehen ist aber nichts. Auch diesmal hat der Vize-Präsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, bereits vorsorglich gedroht, das derzeit in Arbeit befindliche Reformwerk nicht umzusetzen, wenn es europäische Banken zu stark belastet.

Warum gibt es schon wieder eine Reform – wir haben doch gerade erst „Basel III“ eingeführt?

Die Mitglieder des Baseler Ausschusses argumentieren, dass die Basel-III-Reform nicht vollständig war, und sie jetzt noch in einigen Punkten die Reform vollenden müssen. Das Regelpaket, das bislang unter dem Namen „Basel III“ eingeführt wurde, regelte, dass Banken grundsätzlich mehr Eigenkapital für ihre Geschäfte benötigen. Jetzt geht es darum, ob sie ihre Risiken korrekt messen – was im Zweifel aber noch einmal Kapitalbedarf nach sich ziehen könnte. Die bisherigen Vorstellungen würden vor allem europäische Banken dazu zwingen, sehr viel mehr Risikokapital einzusetzen als bislang. Deshalb spricht die Bankenlobby nicht von der Vollendung von „Basel III“, sondern von „Basel IV“. Sie wollen so deutlich machen, dass aus ihrer Sicht Grundlegendes verändert wird und nicht nur ein bestehendes Werk komplettiert. Dabei haben die Regulierer eigentlich zugesagt, dass sich durch die neuen Regeln im Durchschnitt der Kapitalbedarf gar nicht groß ändert. Die Bankenaufseher, die das noch immer erreichen wollen, sprechen daher beharrlich von „Basel III“. Egal, wie man das Paket nun nennen will: Bis Jahresende sollen die neuen Regeln stehen. Ob das gelingt, ist fraglich, weil die Meinungen etwa zwischen den USA und Europa noch weit auseinanderliegen.

Um welche Reformpunkte geht es bei den aktuellen Verhandlungen?

Es geht in erster Linie um die Frage, wie die Banken die Risiken in ihren Bilanzen kalkulieren. Von dem Ergebnis dieser Kalkulation hängt ab, wie viel Kapital ein Institut benötigt. Diese eigenen Kalkulationen führen zu weitaus vorteilhafteren Ergebnissen für Banken als wenn sie wie die meisten kleinen Institute auf Standardmodelle zurückgreifen, die die Bankenaufseher vorgeben. Doch Untersuchungen haben gezeigt, dass die internen Kalkulationen von Banken bei ein und demselben Kreditportfolio häufig zu gänzlich unterschiedlichen Ergebnissen führen. Diesem Wildwuchs wollen die Aufseher ein Ende bereiten. Die EZB hat unabhängig davon bereits angekündigt, die Risikomodelle der Banken in den nächsten Jahren prüfen zu wollen.

Warum sind die Europäer und die USA so tief zerstritten?

Die USA misstrauen den internen Modellen zutiefst und würden sie am liebsten weitgehend abschaffen oder ihren Nutzen einschränken. In den USA sind die Einschränkungen so stark, dass Banken kaum einen Vorteil ziehen können – selbst wenn sie selbst kalkulieren. Deswegen würden strengere Leitplanken für die Modelle US-Institute auch kaum treffen. Die Europäer hingegen – und auch die Japaner – wollen die internen Risikomodelle bei aller Kritik daran nur reformieren – und sie nicht weitgehend abschaffen. In Europa sind interne Modelle unter großen Banken sehr verbreitet. Sie führen dazu, dass große Institute meist mit sehr viel weniger Kapital operieren können als kleinere Geldhäuser.

Kommentare zu " Das Einmaleins der Bankenregulierung: Der große Zank um die Finanzaufsicht"

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  • die Zinsen müssen weiter fallen weil der deutsche viel zu viel Geld spart oder gespartt hat. Nur so wird es ihm genommen über die Inflation.

  • Was nützen denn schon Regeln. Es richtet sich doch keiner danach.
    Die Plutokratie ist doch international.
    Alles reine Volksverdummung. Schauen Sie sich doch die Vorstände der BAFIN und der BUNDESBANK an.
    Grimms Märchen beinhalten mehr Wahrheiten als solch eine Medienwirksame Veranstaltung..
    Der deutsche "Michel" nickt zustimmend.

  • Was sind denn die Gründe für eine Nullverzinsung von Kapital?
    Weltweite Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Privaten und dadurch fehlende Neuschuldner!

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