Das Einmaleins der Bankenregulierung: Warum eine Reform höhere Zinsen bedeuten könnte

Das Einmaleins der Bankenregulierung
Der große Zank um die Finanzaufsicht

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Warum eine Reform höhere Zinsen bedeuten könnte

Warum beeinflussen die unterschiedlichen Geschäftsmodelle in Europa und den USA die Debatte so stark?

Amerikanische Banken haben relativ schlanke Bilanzen: Private Immobilienkredite können sie elegant an die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac weiterreichen, amerikanische Unternehmen wiederum finanzieren sich überwiegend am Kapitalmarkt. Ganz anders ist die Situation in Europa, wo Immobilienkredite auf der Bilanz verbleiben und Unternehmen sich hauptsächlich über Kredite finanzieren. Die neuen Regeln machen Kreditgeschäfte für große Banken potenziell teurer – und davon sind europäische Institute naturgemäß stärker betroffen. Und dann auch Kunden in Deutschland und anderen Ländern.

Welche Rolle spielt der künftige US-Präsident Donald Trump?

Eine große Rolle. Schließlich müssen die unverbindlichen Vorschläge des Basler Ausschusses erst von einem Gesetzgeber umgesetzt werden. Niemand weiß aber so recht, wie Trump zu den diskutierten Vorschlägen steht. Im Allgemeinen will er die strengen Vorschriften für Banken wohl eher lockern. In einem Gastbeitrag in der französischen Zeitung „Les Echoes“ schreibt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Montag, dass er hoffe, dass die US-Regierung weiter auf die auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit des Basler Ausschusses setzen werde. Trotz aller Unsicherheit plädierten zuletzt viele Regulierer dafür, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen. EZB-Direktor Ignazio Angeloni etwa sprach von einem „sehr schlechten Signal“, sollten die Gespräche scheitern. Dombret macht deutlich, dass er kein Interesse an einer Verschiebung habe. Allerdings hat er auch klar gemacht, dass er einem Abkommen nicht um jedem Preis zustimmen wird.

Wie hart würden die Vorschläge Europas Banken treffen?

Es gibt unterschiedliche Berechnungen zu diesem Thema. Das Institute of International Finance (IIF), die Lobby der Großbanken, hat mit dem Derivateverband ISDA eine der Auswirkungsstudien erstellt. Sie schätzen, dass der Kapitalbedarf im günstigsten Fall um rund 46 Prozent steigen würde. Im schlimmsten Fall wären es sogar 74 Prozent. Nach einer Schätzung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken, dem die Landes- und Förderbanken angehören, brauchen die 17 größten deutschen Institute bis zu 78 Milliarden Euro mehr Kapital. PwC Strategy& geht davon aus, dass die Vorschläge noch deutlich abgemildert werden. Doch selbst, wenn die Risikoaktive, die mit Kapital unterlegt werden müssen, nur um 10 bis 20 Prozent steigen, dann entstünde bei deutschen Banken noch immer eine Kapitallücke von 30 Milliarden Euro.

Warum ist es für die Banken so wichtig, bald Klarheit zu haben?

Unabhängig davon, ob und was die Aufseher in diesen Tagen in Chile aushecken: Für die Institute ist es sehr wichtig, dass zeitnah Klarheit herrscht. Der Status Quo ist für die Branche unerfreulich: Jeder Investor weiß, dass die Vorschriften strenger werden könnten, aber niemand weiß, wie schlimm es genau kommt. Auf einer solchen Basis ist es für viele Banken schwer, Investoren zu überzeugen oder weitreichende strategische Entscheidungen zu treffen. Und die Ratingagentur Fitch warnt: Wenn die Regeln in den USA und der EU auseinanderdriften, werde es noch schwieriger, die Stärke unterschiedlicher Banken miteinander zu vergleichen. Auch deshalb drängen viele Aufseher darauf, noch in diesem Jahr eine Einigung zu erzielen, die dann am 10. Januar 2017 von den Chefs der Notenbanken und Aufsichtsbehörden (GHOS) verabschiedet werden kann.

Kommentare zu " Das Einmaleins der Bankenregulierung: Der große Zank um die Finanzaufsicht"

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  • die Zinsen müssen weiter fallen weil der deutsche viel zu viel Geld spart oder gespartt hat. Nur so wird es ihm genommen über die Inflation.

  • Was nützen denn schon Regeln. Es richtet sich doch keiner danach.
    Die Plutokratie ist doch international.
    Alles reine Volksverdummung. Schauen Sie sich doch die Vorstände der BAFIN und der BUNDESBANK an.
    Grimms Märchen beinhalten mehr Wahrheiten als solch eine Medienwirksame Veranstaltung..
    Der deutsche "Michel" nickt zustimmend.

  • Was sind denn die Gründe für eine Nullverzinsung von Kapital?
    Weltweite Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Privaten und dadurch fehlende Neuschuldner!

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