Die desaströsen Zahlen der WestLB belegen erneut: Die Landesbanken sind besonders anfällig für Finanzkrisen. Im Zuge der Turbulenzen sind bei den öffentlich-rechtlichen Instituten mittlerweile Belastungen in einer Gesamthöhe von 9,5 Milliarden Euro aufgelaufen. Ein Ende ist nicht abzusehen – schon heute könnte die BayernLB neue Wertberichtungen vermelden. Trotz der dramatischen Entwicklung stockt die Konsolidierung der Branche.
BERLIN. Die Finanzkrise hat die WestLB im vergangenen Jahr mit zwei Mrd. Euro belastet. Nur durch die fünf Mrd. Euro schwere Garantie der Eigentümer für eine Zweckgesellschaft, auf die ein milliardenschweres Wertpapierportfolio ausgelagert wird, konnte das Institut stabilisiert werden. Doch die WestLB ist nicht die einzige Landesbank mit schwerwiegenden Problemen.
Nach den Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) gehört nicht viel Fantasie dazu, dass die BayernLB heute auf ihrer Bilanzpressekonferenz etwa doppelt so hohe Belastungen verkünden wird. Die häppchenweise bekanntgegebenen Belastungen führten bereits zum Rücktritt des BayernLB-Chefs Werner Schmidt.
Infografik: Milliarden in den Sand gesetzt
Zählt man die Belastungen aus der Finanzkrise der noch sieben selbstständigen Landesbanken zusammen, so kommt man auf einen Wert von 9,5 Mrd. Euro. Auf mehr als elf Mrd. Euro summieren sie sich, wenn die von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) übernommene SachsenLB, die heutige Sachsen Bank, mitberücksichtigt wird. Und ein Ende der Probleme ist nicht abzusehen.
Natürlich haben nicht allein die Landesbanken mit den Auswirkungen der US-amerikanischen Hypothekenmarktkrise zu kämpfen – das zeigt schon ein Blick auf das Desaster der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB oder die Schweizer Großbank UBS, die allein im ersten Quartal 2008 gut zwölf Mrd. Euro abschreiben musste. Doch die Konzentration der Risiken bei relativ wenigen Landesbanken ist schon auffällig. Da ihnen ein eigenes, tragfähigen Geschäftsmodell fehlte, wichen mehrere Landesbanken auf risikoreiche Kapitalmarktengagements aus.
Bis zum Wegfall der staatlichen Garantien – vor allem der Anstaltslast und Gewährträgerhaftung im Jahr 2005 – konnten sich die Landesbanken problemlos refinanzieren. Wegen der erstklassigen Bonität bedienten sich die Landesbanken preiswert auf dem Kapitalmarkt und stellten die Mittel ihren Kunden zu höheren Zinsen zur Verfügung. Dieses margengetriebene Geschäft fiel mit dem von der EU-Kommission geforderten Ende der staatlichen Garantien flach. Die Kommission bewertete die Staatsgarantien als Wettbewerbsverzerrung.
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