Seit Beginn der Finanzkrise hat beinahe jeder dritte Banker bei einem europäischen Geldinstitut seine Stelle verloren. Spitzenreiter bei den Entlassungen ist die Schweizer Großbank UBS. Vor allem Investmentbanker sind der Krise zum Opfer gefallen. Für sie sehen Personalchefs, Unternehmensberater und Headhunter kaum Chancen auf einen neuen Job in ihrem Bereich. Nur ein Teil der Banker habe gute Chancen.
Fast 9 000 Mitarbeiter hat die Schweizer Großbank seit dem Einsetzen der Finanzkrise entlassen. Nun sollen angeblich 1 900 weitere hinzukommen. Das Finanzinstitut wollte entsprechende Berichte am Mittwoch nicht kommentieren. Für morgen ist eine außerordentliche Aktionärsversammlung anberaumt. Die Bekanntgabe weiterer Stellenstreichungen käme jedoch nicht überraschend. Erst kürzlich hat UBS-Verwaltungsratschef Peter Kurer erklärt, dass er das Investment-Banking zurückfahren und vom Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, trennen will.
Seit Beginn der Krise im Sommer vergangenen Jahres hat jeder dritte Banker seinen Job verloren. Insgesamt wurden weltweit mehr als 130 000 Stellen gestrichen, fast jede dritte bei einer europäischen Bank. Die Schweizer UBS ist in dieser Hinsicht bisher führend.
Vor allem Investmentbanker verlieren ihre Jobs. Für sie sehen Personalchefs, Unternehmensberater und Headhunter kaum Chancen auf einen neuen Job in ihrem Bereich. Nur ein Teil der Banker habe gute Chancen.
„Es ist durchaus so, dass wir die derzeitige Arbeitsmarktsituation nutzen und das eine oder andere Gespräch führen“, sagt ein Sprecher der Hamburger Berenberg-Bank. „Man guckt natürlich immer nach guten Leuten. Aber die Frage ist doch, ob ein Investmentbanker aus einer Großbank in ein kleines, feines Institut passt“, heißt es dagegen bei einer Frankfurter Privatbank.
„Es passt sicher nicht jeder Investmentbanker auf jede beliebige Position“, sagt Drazen M. Odak von der Stephan Unternehmens- und Personalberatung. Flache Hierarchien, Einzelkämpfertum, rauer Spielstil – Gewohnheiten, die sich zum Beispiel mit Kundenbetreuung schwer vertrügen. Dennoch sieht Odak bei entsprechender Vita gute Chancen für Investmentbanker, anspruchsvolle und gut dotierte Jobs zu bekommen. „Wer im Verkauf von Produkten gut ist, hat sicherlich Chancen.“ Etwa in der Unternehmensberatung. Dort seien Spezialisten gefragt.
Auch die Experten der Personalberatung Michael Page in Düsseldorf machen den Bankern auf Jobsuche Hoffnungen. „Die Unternehmensberatungen bauen ihre auf den Finanzbereich spezialisierten Geschäftsbereiche weiter aus, weil die Nachfrage nach externer Beratung extrem steigt“, sagt Can Toni Yilmaz, Manager für den Bereich Financial Services.
Für Wertpapierhändler sieht es düster aus. Laut Presseberichten plant die UBS, ihre neuerlichen Streichungen im Investment-Banking und in der Handelssparte durchzuziehen. Morgen will sie ihre Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung informieren. Analysten erwarten, dass die Bank weitere Abschreibungen auf toxische Hypothekenprodukte von bis zu fünf Mrd. Dollar bekanntgeben wird.

