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22.02.2008 
Sieben Fragen an: Hans Albrecht

„Das war völlig geisteskrank“

von Hans G. Nagl

In Kombination mit Dummheit und hoher Fremdfinanzierung ist Gier eine fatale Eigenschaft, „und deshalb wird’s jetzt leider noch schlimmer kommen“. Hans Albrecht, Gründer von Nordwind Capital, nimmt im Handelsblatt-Interview Stellung zur aktuellen Finanzmarkt-Krise sowie den Fehlentwicklungen und Aussichten im Private-Equity-Geschäft.

Handelsblatt: Sie haben schon 2006 vor einer Krise im Finanzsektor gewarnt. Wieso hat niemand außer Ihnen die Zeichen gesehen?

Hans Albrecht: Anders als beim Neuen Markt konnte man die Risiken nicht auf den ersten Blick erkennen oder auf einem Kurszettel ablesen. Sie waren versteckt. Grund hierfür war, dass diese hoch riskanten Engagements als Fußnotengeschäfte weitgehend außerhalb der Bilanz geführt wurden. So konnte man ein größeres Rad drehen. Für Insider war das offensichtlich. Nur: Diejenigen, die es hätten wissen müssen, wollten es nicht sehen – denn sie haben ja jahrelang so wunderschön damit verdient.

Das heißt, es war die Gier, die für diese Misere gesorgt hat?

Natürlich. Eigentlich hätte es Grenzen für den Einsatz von Fremdkapital geben müssen. Aber je größer der Kredit, desto größer die Erträge und damit auch der Bonus des Einzelnen. Da wurden künftige Erträge nach vorne gezogen und mit fetten Provisionen belohnt. Das Problem ist, dass es dabei für die Banker kein persönliches Risiko gibt. Die Bonussysteme sind so gestrickt, dass es nur nach oben gehen kann. Egal wie riskant man handelt: Persönliche Verluste drohten nie. Das hat natürlich zu erheblichen Übertreibungen verleitet.

Weltweit haben Banken mehr als 135 Mrd. Dollar abgeschrieben. Ist die Talsohle erreicht?

Wir reden hier von einer Systemkrise. Das ist doch nicht nur Subprime. Da ist noch viel mehr Unsinn in Umlauf. Nehmen Sie alleine im Private-Equity-Geschäft die so genannten PIK-Notes, von denen sicher auch über 100 Mrd. emittiert wurden. Bei dieser Form der Fremdfinanzierung zahlen Sie über mehrere Jahre weder Zins noch Tilgung. Was hier passiert ist, war völlig geisteskrank. Probieren Sie das einmal als Häuslebauer bei ihrer Sparkasse – da schickt man Sie sofort nach Hause. Der US-Ökonom Galbraith hat einmal gesagt, dass Gier kombiniert mit Dummheit und hoher Fremdfinanzierung sehr gefährlich ist – und deshalb wird’s jetzt leider noch schlimmer kommen.

Was könnte uns noch blühen?

Nehmen Sie alleine das Derivate-Geschäft. Das Risiko ist sehr groß, dass hier die nächsten Probleme auftauchen. Derivate basieren ja wesentlich darauf, dass Risiken über eine Gegenwette gehedged – also abgesichert – sind. Man spricht hier vom „Counterparty-Risk“. Doch seit dem Milliardenverlust bei Société Générale wissen wir: Es wird offenbar noch nicht einmal geprüft, ob es diese Akteure für die angebliche Gegenposition überhaupt gibt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Bedeutung der Krise für Private Equity.

Kritiker bemängeln, dass das Finanzsystem nach wie vor über Kredite massiv gehebelt ist. Muss man hier nicht zwangsläufig Verluste realisieren?

Keineswegs. Man kann die Verluste auch weginflationieren. Und genau das werden die Notenbanken versuchen. Wenn man die Luft aus der Blase rauslässt, gibt es Geschrei, Getöse und Bilder, die Northern Rock ähneln könnten. Und es fließt Blut – was die Politik nicht gerne sieht. Oder man druckt ordentlich Geld. Dann werden die Verluste auf alle verteilt. Bezahlt wird das natürlich auch von Tante Grete und Onkel Plety. Aber man merkt es nicht so, es gibt kein Geschrei.

Was bedeutet die Krise für die Private Equity?

Die wird es weiter geben und sie wird im Prinzip genauso aussehen. Es gibt Unmengen von Eigenkapital, das ausgegeben werden muss. Aber wir werden geringere Verschuldungsgrade sehen. Und weil das für alle gleich ist, wird der Wettbewerb gleich intensiv bleiben. Ich bin sicher, dass wir auch wieder Mega-Deals sehen werden.

Und die Renditen?

Die werden sinken. Schon jetzt sagen ja viele meiner Kollegen: Das werden keine 25 Prozent Rendite mehr sein, Ihr könnt froh sein, wenn es vielleicht nur zwölf sind.

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