0 Bewertungen
01.09.2008 
Cominvest und AGI

Der Deal mit den Fonds

von Robert Landgraf und Anke Rezmer

Der Commerzbank bringt wesentliche Teile ihrer Fondstochter Cominvest als sogenannte Sacheinlage zur Finanzierung des Kaufs der Dresdner Bank ein. Dabei wird die Fondstochter mit der Allianz-Vermögensverwaltungstochter Allianz Global Investors verschmolzen. Vor allem bei den Publikumsfonds erwarten Experten dadurch eine Straffung der Produktpalette.

Um mit der Dresdner Bank fusionieren zu können, verschmelzt die Commerzbank ihre Fondstochter Cominvest mit der Allianz Global Investors. FotoLupe

Um mit der Dresdner Bank fusionieren zu können, verschmelzt die Commerzbank ihre Fondstochter Cominvest mit der Allianz Global Investors. Foto

FRANKFURT. Die entsprechenden Verträge bewerten die Cominvest mit 700 Mill. Euro. Das ist ein immenser Abschlag auf die marktübliche Bewertung von Vermögensverwaltern. Generell setzt man laut Branchenkennern mindestens 2,5 Prozent des gemanagten Vermögens an. Demzufolge hätte die Commerzbank für ihre Fondstochter mit einem verwalteten Vermögen von 63 Mrd. Euro mindestens 1,6 Mrd. Euro bekommen müssen.

Für die Allianz bietet die Übernahme des nach verwaltetem Vermögen rund viermal kleineren Konkurrenten nach Einschätzung von Branchenexperten Chancen. Vor allem im institutionellen Geschäft könnten die Cominvest-Kunden etwa aus dem gehobenen Mittelstand den Klientenkreis der Allianz Global Investors (AGI) ergänzen. Außerdem soll AGI Skaleneffekte durch das dann höhere Vermögen anstreben.

Die AGI stärkt durch die Übernahme des Cominvest-Vermögens ihre Position als größter deutscher Vermögensverwalter mit insgesamt knapp 340 Mrd. Euro verwaltetem Wertpapier-Vermögen. Keine Angaben gab es gestern Abend darüber, ob auch die Verwaltung der offenen Immobilienfonds im Umfang von 13 Mrd. Euro übertragen wird, die bei der Commerzbank-Tochter Commerz Real aufgehängt ist. AGI hat ihre Immobilienfonds-Tochter kürzlich verkauft.

Branchenexperten und Analysten halten eine Verschmelzung der Cominvest mit der AGI für sinnvoll. "Eine Produktion von Fonds aus einer Hand wäre effektiv", sagt ein Analyst. Bei der strategischen Ausrichtung und der Produktpalette von AGI und Cominvest sehen Experten aber auch massive Überschneidungen. Die eher europäisch ausgerichtete Cominvest könne der international aufgestellten AGI am ehesten mit einigen starken Aktienfonds dienen, meint Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer der Beratungsfirma Fonds Consult. Bis auf einige bekannte Fondsnamen werde die Cominvest verschwinden, meint Werner Hedrich, Leiter Research beim Fondsratinghaus Morningstar.

Vor allem bei den Publikumsfonds erwarten Experten eine Straffung der Produktpalette der mehr als 700 Fonds. Gut die Hälfte dürfte laut Sälzle verschwinden. Auch die Zahl der Mitarbeiter dürfte deutlich schrumpfen. Experten rechnen mit einem Abbau von 25 bis 30 Prozent der Stellen. Die AGI in Deutschland zählt 1 000 Beschäftigte, die Cominvest 572.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige