Nach der Übernahme von ABN
Amro gibt es viele Verlierer und nur einen Sieger: Santander
. Dagegen musste der Chef des Benelux-Finanzkonzerns Fortis
bereits gehen, und auch der Chef der Royal Bank of Scotland
muss um seinen Job kämpfen.
MADRID/LONDON. In Zeiten der Finanzkrise haben Rekordleistungen eine kurze Halbwertszeit. Vor etwa einem Jahr steuerte der größte Übernahmekampf der Finanzgeschichte auf seinen Höhepunkt zu. Zwölf Monate später freut sich nur noch einer der Beteiligten über die 72 Mrd. Euro teure Übernahme der niederländischen Traditionsbank ABN
Amro: Emilio Botin, der Chef der spanischen Großbank Santander
. Sein Kollege Fred Goodwin von der Royal Bank of Scotland
(RBS)
muss dagegen um seinen Job kämpfen. Jean-Paul Votron hat das bereits hinter sich; im Juni musste der Chef des Benelux-Finanzkonzerns Fortis
gehen.
Dabei galt der Husarenstreich des Konsortiums einmal als größter Coup der Finanzgeschichte. Unter Führung der RBS
hatten sich die drei zusammengetan, um die fest vereinbarte Fusion von ABN
mit der britischen Bank Barclays
auszuhebeln und das niederländische Geldhaus unter sich aufzuteilen. Doch als sie nach langem Ringen die teuerste Bankenübernahme aller Zeiten unter Dach und Fach gebracht hatten, erschütterten die ersten Beben der Kreditkrise die Finanzwelt.
Für einen der Partner lief trotzdem fast alles perfekt: Die Übernahme von ABN
war noch nicht abgeschlossen, da hatte Santander
bereits einen Käufer für einen Teil seiner Beute gefunden, Antonveneta. Der Verkauf der italienischen Bank bescherte den Spaniern so hohe Einnahmen, dass Santander
die zur Finanzierung des ABN
-Deals geplante Kapitalerhöhung ausfallen lassen konnte. War Antonveneta bei der ABN
-Übernahme noch mit 6,6 Mrd. Euro bewertet worden, zahlte die Banca Monte dei Paschi
di Siena am Ende neun Mrd. Euro in bar - fast die Hälfte dessen, was Santander
insgesamt für den Rekord-Deal aufbringen musste.
Santander
-Chef Botin behielt nur den Teil von ABN
, den er wirklich wollte, die brasilianische Banco Real. "Die Übernahme war für Santander
ein Erfolg, mit Banco Real haben sie einen Konzernteil für einen vernünftigen Preis übernommen, der stark wächst und hohe Synergien bringt", sagt Analyst Diego Barron von Fortis
in Madrid.


