Nach den hohen Zahlungsausfällen auf dem US-Häusermarkt verschiebt sich das Zentrum der Finanzkrise zunehmend in den Bereich der Konsumentenkredite. Verbraucher geraten in die Kreditklemme, die Kreditkartenanbieter reagieren – und ziehen die Zügel an. Den US-Kreditinstituten droht nun eine zweite Welle von Abschreibungen.
NEW YORK. Der führende US-Kreditkartenanbieter American Express
hat kürzlich davor gewarnt, dass sich die Zahlungsmoral selbst bei Besserverdienern deutlich verschlechtere. Die nervöse Finanzbranche reagierte prompt: Die Großbank UBS
stufte die Aktien der führenden Kreditkartenfirmen American Express,
Capital One
und Discovery Financial von "Kaufen" in einem Schritt auf "Verkaufen" herunter. Grund: Die Schweizer erwarten eine vom US-Konsumenten eingeleitete Rezession. Das werde voraussichtlich zu höherer Arbeitslosigkeit und steigenden Kreditkartenverlusten führen.
Nach Zahlen des Marktforschers Risk Metric Group ist der Anteil säumiger Kreditkartenschulden, die mindestens seit 60 Tagen überfällig sind, im Dezember 2007 auf 7,6 Prozent gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 6,4 Prozent. Zwar betonen Institute wie Citigroup
und American Express,
dass die Ausfallraten von einem historisch niedrigen Niveau kommen. Doch die Ausfälle steigen seit Monaten relativ steil an und werden durch die Krise auf dem Immobilienmarkt noch beschleunigt.
Bild für Bild: Wie es zur Subprime-Krise kam
Zwischen Konsumentenkrediten und Hauspreisen besteht ein enger Zusammenhang. Die Kreditkartenausfälle würden bisher vor allem in Regionen steigen, in denen die Häuserpreise bereits deutlich zurückgegangen seien, sagte J.P. Morgan-Chairman James Dimon auf einer Bankentagung in Naples, Florida. Das "freundlichste Kredit-Umfeld aller Zeiten" sei definitiv vorbei, betonte Dimon. Unfreundlich wird es deshalb auch für die Verbraucher. Die Kreditkartenanbieter haben die Zügel kräftig angezogen. Strafgebühren werden erhöht, der Kreditrahmen eingeschränkt.
Dennoch sind die Kreditkartenschulden im Dezember 2007 auf den Rekordstand von 944 Mrd. Dollar gestiegen. Bill Druliner von der Kreditberatung Greenpath sieht nach dem beispiellosen Kaufrausch auf Pump keine Chance für eine sanfte Landung: "Je länger man diesen Lebensstil aufrecht erhält, umso größer ist hinterher der Crash", sagte er dem "Wall Street Journal". Viele Amerikaner hätten nicht erkannt, dass ihre Ausgaben nicht zum Einkommen passten.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Furcht vor weiteren Verlusten.

