Häuser sind seine Passion: Nur drei Tage nach seiner Nominierung zum Chef des Immobilienfinanzierers Eurohypo
muss Frank Pörschke im sommerlichen Madrid Tacheles reden. Im unter Druck stehenden Markt für Gewerbeimmobilien steht Pörschke für einen Generationenwechsel des Immobilienfinanzierers.
FRANKFURT. Von den sommerlichen Temperaturen in Madrid wird er nicht viel mitbekommen haben, und Zeit für einen Bummel durch die historischen Altstadt-Gässchen im Zentrum wird ihm auch nicht bleiben. Dabei sind Häuser seine Passion. Stundenlang könne er durch Städte laufen und Gebäude angucken, sagt der neue Eurohypo
-Chef Frank Pörschke über sich selbst.
Doch stattdessen musste er gestern, nur drei Tage nach seiner Ernennung, im klimatisierten Konferenzraum im Norden der spanischen Hauptstadt Tacheles reden. Der Markt für Gewerbeimmobilien steht im Zuge der Finanzkrise unter Druck, und Pörschke fordert mit der ihm eigenen Dynamik Details. "Das empfinden viele als anstrengend" - dessen ist sich der promovierte Jurist bewusst, der als hart in der Sache, aber als überaus höflich im Ton gilt. Ein hemdsärmeliges "Hau-drauf-und-Schluss" liegt ihm nicht. Gutes Management, hat er einmal zu Protokoll gegeben, sei wie das Dirigieren eines Orchesters: Nicht auf den Einzelnen komme es an, sondern auf das Zusammenspiel aller Beteiligten. Doch statt des "Forte" seines Vorgängers sehen Beobachter in Pörschke eher einen Spezialisten für leisere Töne.
Der Nachfolger von Bernd Knobloch steht für einen Generationenwechsel des Immobilienfinanzierers, der 2005 von der Commerzbank
geschluckt wurde und in inzwischen der größte in Europa ist. Als einen "der treibt und viel verlangt von sich und von anderen", beschreiben ihn seine Mitarbeiter. Pepp und Drive wird der passionierte Segler, der es im schnellen Einmann-Segler ?Laser? "sportlich, nass und intensiv" liebt, auch brauchen: Die Finanzkrise belastet auch sein Institut. Allein 118 Mill. Euro Verlust musste die Eurohypo
zwischen Januar und Juni verbuchen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 417 Mill. Euro Gewinn gewesen. Auch der Ausblick sei trübe, teilte das Unternehmen Anfang August mit.
Wie Pörschke, der erst am 1. Oktober offiziell Chef der Eurohypo
wird, die Krise kontern will, mag er noch nicht sagen - aus Respekt vor seinem Vorgänger. Der kündigte am Sonnabend, als der Aufsichtsrat im Konferenzraum im obersten Stockwerk der Eurohypo
-Zentrale in Eschborn tagte, nur wenige Schritte von Pörschkes Büro entfernt. Knobloch ging, weil er sich nach der Fusion in der Commerzbank
nicht wiederfand. Jetzt muss Pörschke im Vitreum, wie der Glaskörper vor den Toren Frankfurts heißt, für Transparenz in der neuen Strategie sorgen.

