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09.01.2008 
Bank of Nova Scotia

Der kanadische Riese

von Gerd Braune

Die Bank of Nova Scotia, landläufig schlicht unter dem Namen Scotiabank bekannt, ist eines der größten Finanzinstitute Kanadas. Doch anders als die meisten kanadischen Großbanken ist die Scotiabank international aufgestellt, die Bank engagiert sich in vielen Schwellenländern - und gerade das macht sie äußerst attraktiv.

OTTAWA. Menschen, die an der Küste leben, lenken ihren Blick oft auf die andere Seite des Ozeans. So ging es den Kaufleuten von Halifax, die Anfang der 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts beschlossen, eine Bank zu gründen. Nova Scotia (Neuschottland) war damals britische Kolonie, und es sollten noch 35 Jahre vergehen, bis sich Nova Scotia, New Brunswick, Ontario und Quebec zum Staat Kanada zusammenschlossen. Die Kaufleute betrieben Handel mit dem Mutterland und der Karibik, besonders im Zuckergeschäft. 1832 wurde per Parlamentsgesetz die "Bank of Nova Scotia" ins Leben gerufen.

Noch heute heißt die Bank offiziell "Bank of Nova Scotia" und läuft an der Börse in Toronto unter dem Kürzel BNS. Aber kaum ein Kunde spricht so von ihr. In Kanada ist das Institut mit dem markanten roten "S" als Logo schlicht unter dem Namen "Scotiabank" bekannt. Der Name ist irreführend. Er lässt eher auf eine kleine Regionalbank schließen, tatsächlich ist die Scotiabank aber eines der größten Finanzinstitute Kanadas - und das internationalste.

Anders als die anderen kanadischen Großbanken ist die Scotiabank nicht nur in den USA, sondern in Süd- und Mittelamerika und der Karibik, in Europa, in Asien und in arabischen Ländern präsent. Brad Smith, Analyst bei Blackmont Capital in Toronto, spricht von einer "unter geschäftlichen und geografischen Aspekten diversifizierten Bank", die wegen ihres internationalen Geschäfts (ohne USA) "einzigartig" in Kanada sei. Ein Drittel des Umsatzes und des Profits komme aus der internationalen Abteilung und mache die Bank äußerst attraktiv, meint der Analyst, der Scotiabank-Aktien zum Kauf empfiehlt.

Erster Präsident des Instituts war 1832 William Lawson, der eine Werft und eine Zuckerraffinerie besaß. "Das internationale Geschäft war damit von Anfang an in der Führungsspitze der Bank verankert", sagt Analyst Smith. Die Präsenz und Erfahrung in diesen Märkten wirke bis heute.

Die Scotiabank breitete sich aus. 1899 wurde die erste Zweigstelle in Kingston in Jamaika eröffnet, um den Handel mit Zucker, Rum und Fisch zu fördern. Damit war Scotiabank das erste kanadische Institut, das außerhalb der USA und Großbritanniens eine Zweigstelle eröffnete. Die Keimzelle für die weltweite Expansion war gelegt. Im vergangenen Jahr feierte die Bank ihren 175. Geburtstag - mit fast 60 000 Mitarbeitern und rund zwölf Millionen Kunden in etwa 50 Ländern rund um den Globus. Bekannt ist die Bank für ihre starke Präsenz und ihre Akquisitionen in Mittel- und Südamerika und der Karibik. In der Karibik und Zentralamerika ist sie das größte Institut. Ende 2007 wurden in der Dominikanischen Republik der Pensionsfonds und Versicherer BBVA Crecer AFP und BBVA Seguros übernommen. Mit der Akquisition des Banco del Desarrollo in Chile stieg die Scotiabank Sud Americano zur sechstgrößten Bank des Landes auf. In Peru ist sie drittgrößte Bank, in Costa Rica wurde sie mit Übernahme des Banco Interfin zur größten Privatbank des Landes.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Expansion gen Osten.

Die vergangenen Jahre brachten aber nicht nur die Expansion in Lateinamerika: Ende November 2007 erhielt die Bank die Genehmigung, eine Repräsentanz in Moskau zu eröffnen. Sie hofft, sehr bald in diesem Jahr Kunden in Russland bedienen zu können. Im März 2007 war ein Büro in Istanbul eröffnet worden, wenige Monate zuvor eine Niederlassung in Schanghai.

Die Scotiabank ruht auf drei Säulen - dem Bankgeschäft im Inland, den internationalen Operationen und auf der Scotia Capital Inc., ihrer Investmentbank. Den Erfolg des vergangenen Geschäftsjahrs mit einem Rekordgewinn von 4,05 Mrd. Dollar führt Präsident und Vorstandschef Richard E. (Rick) Waugh auf eine "konsistente Strategie der Diversifizierung und unsere drei Wachstumsplattformen" zurück. Die Gewichte der Plattformen haben sich allerdings mit den Jahren verschoben: 2001 lieferte das Inlandsgeschäft noch 45 Prozent des Gewinns, jetzt sind es nur noch 38 Prozent. Dafür stieg der Anteil des internationalen Geschäfts von 23 auf 31 Prozent, während Scotia Capital mit 32 bzw. jetzt 31 Prozent nahezu stabil blieb

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Analyst Smith lobt das Expansionspotenzial in anderen Märkten. Damit sei die Scotiabank "die am besten positionierte Bank in Kanada". Zwar könnte die Subprime-Krise in den USA auch für die Scotiabank noch Verluste bringen. Doch das Management weist darauf hin, dass die Bank nicht direkt mit dem Subprime-Geschäft in den USA verbunden ist und nur geringe Anteile an "Asset Backed Commercial Papers" (ABCP) hat, den mit Forderungen unterlegten Geldmarktpapieren. Auch verwalte die Scotiabank keine "strukturierten Investmentvehikel" (SIV).

Sumit Malhotra, Analyst bei Merrill Lynch, bezeichnete die Bank Anfang Dezember nach der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal "in der gegenwärtigen Lage der Kapitalmärkte" als "sichereren Namen". Bedeutsame Unwägbarkeiten, wie politische Risiken in Südamerika schienen "nicht besonders aktuell". Zudem seien die Gewinnerwartungen zwischen möglichen Krisen sehr hoch, so dass die Risiken gegenüber den potenziellen Gewinnen balanciert seien.

Andre-Philippe Hardy von RBC Capital Markets erwartet wegen der Präsenz in Lateinamerika und der Karibik mittel- und langfristig überdurchschnittliche Wachstumsaussichten. Mit Blick auf die US- Subprime-Krise sei das Risiko der Scotia geringer als etwa das der Bank of Montreal oder der CIBC. Und Shannon Cowherd von Citigroup Global Markets verweist darauf, dass die Scotiabank schon 1998 gut durch die Krise in den sich entwickelnden Märkten gekommen sei.

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