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10.09.2008 
Münchener Finanzwelt

Der Löwe zeigt Schwächen

von Axel Höpner

Dereinst hatte sich München angeschickt, Frankfurt den Rang als deutsche Finanzmetropole abzulaufen. Die Partystimmung ist allerdings verflogen: In Zeiten der Finanzkrise herrscht auch in Bayerns Hauptstadt vielerorts Katerstimmung. Doch der Münchener Standort bleibt der schönste.

Löwenskulptur vor der Zentrale der Bayerischen Landesbank in München: Nach Verlusten ist die BayernLB geschwächt und auch andere Geldhäuser am Platz spüren die Krise. Foto: dpa Lupe

Löwenskulptur vor der Zentrale der Bayerischen Landesbank in München: Nach Verlusten ist die BayernLB geschwächt und auch andere Geldhäuser am Platz spüren die Krise. Foto: dpa

MÜNCHEN. In Münchens Finanzwelt herrscht noch trügerische Ruhe. Nur eine Handvoll Beschäftigte hat es sich an diesem Vormittag am Brunnen im Innenhof der BayernLB auf einem der Aluminium-Stühle gemütlich gemacht. Im Anzug und Kostüm genießen die Banker die letzten Sommer-Sonnenstrahlen, trinken einen Kaffee, studieren Unterlagen. Viele der Kollegen sind noch im Urlaub. Das Reisebüro in den Arkaden lockt Spätentschlossene nach Mauritius (1979 Euro) und Kroatien (259 Euro). Die letzte Woche der Sommerferien, wenn bereits die Nebensaison-Tarife gelten, ist bei den Bayern eine beliebte Reisezeit.

Doch die Ruhe täuscht. Hinter den Kulissen waren die großen Münchener Finanzkonzerne in den vergangenen Wochen intensiv mit sich selbst beschäftigt, die Drähte zu den verreisten Managern in die Urlaubsdomizile glühten. Der Allianz-Konzern verkauft die Dresdner Bank. Die BayernLB sucht nach schweren Verlusten neue Investoren. Die HVB arbeitet Pläne für den neuen Stellenabbau aus. Der Finanzplatz München hat nach einer Reihe schlechter Nachrichten um seine Position zu kämpfen. "Die haben gerade keinen guten Lauf", meint ein Frankfurter Bank-Manager.

Dereinst hatte sich München angeschickt, Frankfurt den Rang abzulaufen. Die neue Hypo-Vereinsbank stieg zur Nummer zwei unter den deutschen Privatbanken auf, die Allianz kontrollierte die Dresdner Bank von der Isar aus, und die BayernLB weitete aggressiv ihre Geschäfte aus. "Mia san mia" lautete das Credo auch im Finanzsektor.

Die Partystimmung aber ist verflogen, in Zeiten der Finanzkrise herrscht auch in München vielerorts Katerstimmung. Die HVB hat ihre Unabhängigkeit verloren, die neuen Besitzer von der italienischen Unicredit lassen keinen Zweifel daran, wer das Sagen hat. Die BayernLB wiederum gehört zu den Hauptverlierern der Finanzkrise und wäre in der diskutierten Fusion mit der LBBW nur Juniorpartner. Die Dresdner Bank schließlich wird künftig wieder von Frankfurt aus beherrscht. Selbst die kreuzsolide Münchener Rück schockierte die Märkte vor einigen Wochen mit einer Gewinnwarnung.

Krise? Welche Krise? Am Finanzplatz gibt man sich unverdrossen "Natürlich ist der Finanzplatz durch die Finanzkrise und Veränderungen in der Bankenwelt auch geschwächt worden", räumt Wolfgang Gerke ein. Der Banken-Professor mit der Fliege und dem Schnauzbart ist der Tausendsassa der bayerischen Finanzbranche. Als Präsident des bayerischen Fi-nanzzentrums hebt er die noch immer immense Bedeutung des Standorts hervor. Man dürfe nicht nur auf die großen Banken schauen. Bei Themen wie Private und Venture Capital zum Beispiel oder beim Asset Management und vor allem natürlich im Versicherungssektor sei München weiterhin die Nummer eins.

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