Die Festnahme Elsner kam da gerade recht, denn der Ex-Bankier mit rotem Parteibuch gilt in Österreich spätestens seit vergangenen Sommer als Absahner der Nation, nachdem er fotografiert wurde, wie er im schwarzen Porsche die Küstenstraße entlangkurvt.
Schon Anfang Februar hat Berger deswegen am Rande des EU-Justizministertreffens mit ihrem französischen Kollegen Pascal Clémant über die Auslieferung Elsners gesprochen. Clément versprach ihr, sich mit der „Durchführung Ihres Wunsches“ zu beeilen.
„Freiwillig wollte er nicht kommen“, räumt Staatsanwalt Georg Krakow zu den Umständen der Festnahme ein. Der 40-Jährige gilt als einer der besten in der Wirtschaftsgruppe der Staatsanwaltschaft Wien. Als „große Nachwuchshoffnung“ bezeichnet ihn ein ehemaliger Vorgesetzter. In seiner Anklageschrift listet er säuberlich auf, was der Staat Elsner vorwirft: Er hat „das Verbrechen der Untreue und des schweren Betrugs begangen.“ Er habe „die ihm als Vorsitzender des Vorstandes eingeräumte Befugnis, über das Vermögen der Bawag zu verfügen, wissentlich missbraucht.“ Letztlich sei ein Schaden von 1,44 Mrd. Euro entstanden.
Hinter dieser Formulierung steckt der größte Skandal, den Österreichs Finanzplatz seit Kriegsende erlebt hat. Elsner habe, so meint die Staatsanwaltschaft, als Bawag-Chef Kredite für den österreichischen Spekulanten Wolfgang Flöttl bereit gestellt, obwohl die Rückzahlung unwahrscheinlich war. Die Geschäfte endeten mit einem Totalverlust für die Bank.
Für Aufregung sorgt allerdings nicht nur dieser geschäftliche Fehlgriff, sondern vielmehr, dass Elsner privat gleichzeitig aus dem Vollen schöpfte: Im Jahr, als die Kredite platzten, ließ er sich eine Prämie von knapp 600 000 Euro auszahlen, und er veranlasste die vorzeitige Überweisung einer Pensionszahlung in Höhe von knapp sieben Mill. Euro. Später wäre auf diese Summe eine höhere Steuer angefallen.
Anschauungsunterricht für Elsners Lebensstil liefert auch ein 325 Quadratmeter großes Penthouse auf dem Dach des Bawag-Gebäudes in der Wiener Innenstadt. Kurz bevor die ersten Vorwürfe gegen ihn laut wurden, hatte der Bankier das Penthouse inklusive Swimmingpool seiner Bank für einen Schnäppchenpreis abgekauft. Vom Geld, das Elsner einsackte, fehlt bislang jede Spur. Auf Konten, die die Staatsanwaltschaft inzwischen gesperrt hat, herrscht gähnende Leere.
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