Wegen Pensionszahlungen und Penthouse-Kauf liegen auch zivile Klagen der Bank gegen ihren ehemaligen Chef vor. Der österreichische Gewerkschaftsbund, dem die Bawag bis zur Verkaufsentscheidung im Dezember vergangenen Jahres gehörte, klagt ebenfalls gegen Elsner, weil dessen Geschäftsgebaren dazu führte, dass die Gewerkschaftsbank inzwischen in die Hände des Finanzinvestors Cerberus übergegangen ist.
Seither ist der ehemalige Bankier der prominenteste Häftling und Patient Österreichs, während in Wien der „Schmäh“ die Runde macht: Im Detail berichten Ärzte über Elsners Gesundheitszustand. Mit dem Herzen steht es wirklich nicht zum besten. Noch in dieser Woche sollen ihm drei Bypässe gelegt werden. Krakow ärgert sich derweilen mit den Gesuchen der Elsner-Anwälte herum, die schon wegen des Gesundheitszustands ihres Mandanten eine „Enthaftung“ fordern. Wegen „Fluchtgefahr“ lehnt die Staatsanwaltschaft dieses Ersuchen ab.
Elsners Vermächtnis
Juli 2006: Der österreichische Gewerkschaftsbund leitet den Verkauf seiner Bank Bawag offiziell ein. Zuvor war durch eine Staatsgarantie die Pleite abgewendet worden – nach Milliardenverlusten durch Kreditgeschäfte in der Karibik und durch die Beteiligung am insolventen US-Broker Refco.
August 2006: Das Bieterverfahren um die Bawag beginnt. Unter den Interessenten sind die BayernLB, die Allianz sowie die Finanzinvestoren JC Flowers und Cerberus. Sie halten die Bawag trotz ihrer Probleme für eine attraktive Braut. Nirgendwo sonst lässt sich mit einem Schlag ein so großes Geschäft mit Massenkundschaft kaufen. Die Gebote steigern sich rasch in Milliardenhöhe.
Dezember 2006: Cerberus übernimmt die Bawag für 3,2 Milliarden Euro. Mit im Boot: die österreichische Post, Wüstenrot und Generali. Für die 6 000 Bawag-Mitarbeiter gibt es keine Arbeitsplatzgarantie.

