Josef Ackermann kann sich freuen: Mit Malcolm Knight wechselt ein weiterer renommierter Bankenaufseher zur Deutschen Bank
. Der 64-Jährige ist Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich - und kennt die Interna der Branche.
FRANKFURT. Malcolm Knight ist 64 und Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Mit 64 machen Banker wie Knight keine großen Sprünge mehr. Normalerweise. So wäre Knights Vertrag bei der "Bank der Notenbanken" im Juni 2009 abgelaufen, Golfplatz und Familie warteten schon am nahen Zeithorizont. Dann kam Josef Ackermann. Im "Wettbewerb um die Besten der Branche" hat der Chef der Deutschen Bank
am Wochenende wieder zugeschlagen, statt Ruhestand wartet auf Knight ein hochdotierter Job in Deutschlands führender Großbank. Knight wird von Oktober an "Vice Chairman" und unter anderem für die Beziehungen mit den Aufsichtsbehörden und Zentralbanken zuständig sein.
Einmal mehr erliegt damit ein international renommierter Superaufseher den Verlockungen Ackermanns. Ein Kollege Knights wird Caio Koch-Weser sein, Ex-Finanzstaatssekretär und davor Weltbank-Direktor. Mit seinen ebenfalls 64 ist Koch-Weser jedoch ein Jüngling, verglichen mit dem wohl prominentesten Kollegen in Ackermanns Team: Alan Greenspan, Ex-Chef der US-Notenbank Fed.
Knight ist kein Greenspan, ein "dicker Fisch" ist er schon. Der Kanadier war beim Internationalen Währungsfonds, dann zweiter Mann der kanadischen Notenbank, ehe er 2003 zur BIZ kam. Sie gilt als Dreh- und Angelpunkt im internationalen Finanzsystem und hat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise eine Schlüsselrolle gespielt. So ist Knight bestens darüber informiert, was Bankenaufseher planen, kennt aber auch viele Interna der großen Banken.
Dieses Know-how soll er nun in Frankfurt einbringen. Der Kanadier wird direkt an Ackermann berichten. Knight verfüge "über einen reichen Erfahrungsschatz in Bezug auf die internationalen Finanzmärkte, der in schwierigen Zeiten von besonderem Wert ist", unterdrückte die Deutsche Bank
jegliches Triumphgeheul.
Weil man in der in Basel angesiedelten BIZ aber weiß, was jenseits des Rheins "Gschmäckle" genannt wird, beeilte sie sich klarzustellen, dass Knights Wechsel durch ihren Verhaltenskodex gedeckt sei. Helmut Siekmann, Professor für Geld-, Währungs- und Notenbankrecht an der Goethe-Universität Frankfurt, ist trotzdem skeptisch. Zwar befürworte er den Wechsel aus öffentlichen Institutionen in die Privatwirtschaft. Allerdings gelte es, Interessenkonflikte zu vermeiden: "Wenn ein Aufseher in eine Bank wechselt, ist das ein Problem, denn er hat Herrschaftswissen."
Was sich die Deutsche Bank
Knights Erfahrungsschatz kosten lässt, ist offen. Im Jahr 2007 hat Knight laut BIZ-Geschäftsbericht immerhin 726 990 Schweizer Franken verdient - plus diverser Zulagen.

