Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Optimist für die Zukunft

Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Optimist für die Zukunft

Hier steht er nun und kann nicht anders. Beide Hände ruhig auf das Rednerpult gelegt, den Blick fest ins Publikum gerichtet, spricht Josef Ackermann seine Sätze langsam, betont, sehr bewusst. Es ist der erste öffentliche Auftritt seit der großen Krise vor Weihnachten, der erste Auftritt, seit klar ist, dass der Mannesmann-Prozess neu aufgerollt wird, der erste Auftritt, seit offen über den Rücktritt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank spekuliert wird.

HANNOVER. Eigentlich soll Ackermann hier auf dem Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Hannover im kreisrunden Kuppelsaal des Kongresszentrums zum Thema Europa sprechen. Doch davor muss noch eine Sache klargestellt werden: „Wir haben mit der Deutschen Bank noch viel vor“, sagt Ackermann. „Wir wollen auf dem globalen Spielfeld mitspielen, aber das heißt auch, dass wir uns an die globalen Regeln halten werden.“

Kein verbindliches Lächeln versüßt die bittere Botschaft an die Kritiker der Deutschen Bank, keine Rücksichten auf deutsche Befindlichkeiten, kein Schmusekurs gegenüber dem Gastland, das den Schweizer so schlecht versteht. Ackermann meint sein „Weiter so“ ernst.

Erst danach wird es versöhnlicher: „Als Redner bei einem Neujahrsempfang ist man eigentlich zu einer positiven Grundstimmung verpflichtet“, sagt Ackermann. Dann zitiert er Wilhelm Busch: „Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft.“ Damit meint er die Lage Europas. Für seine eigene Zukunft hätte er besser ein Neujahrszitat des Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg gewählt: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“

Man muss kein Astrologe sein, um vorherzusagen, welche Probleme auf die Deutsche Bank und ihren Chef zukommen. Dass 2006 zum Annus horribilis zu werden droht, weiß der 57-Jährige spätestens seit dem 21. Dezember, einem der unangenehmsten Arbeitstage im Leben Ackermanns. Ob der Schweizer geahnt hat, was bei der Lektüre der Morgenzeitungen auf ihn zukommt? Er wusste, dass sein Aufsichtsratschef Rolf Breuer der britischen Zeitung „Financial Times“ ein Interview gegeben hatte, aber niemand in der Deutschen Bank, weder im Management noch im Aufsichtsrat, kannte die Botschaft des barocken Managers mit der gesunden Gesichtsfarbe – und dessen Aussage war dazu angetan, Ackermann mehr als das Frühstück zu verderben. Offen philosophiert Breuer über die Suche nach einem Nachfolger. Seine „Denkkappe habe er auf“, ließ er wissen, und dass er lieber einen internen als einen externen Ersatzmann für Ackermann suchen würde.

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