Deutsche Bank
Das düpierte Duo

Auf ihrer ersten Bilanz-Präsentation hat die Deutsche-Bank-Doppelspitze den Kulturwandel beschworen und einen Milliardenverlust als reinigendes Gewitter gepriesen. Die Aktionäre danken es, die Mitarbeiter weniger.
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FrankfurtSchulter an Schulter treten Jürgen Fitschen und Anshu Jain ins Blitzlichtgewitter der Presse. Die Co-Chefs der Deutschen Bank wirken angespannt. Jain kneift seine Lippen nervös zusammen, Fitschen ringt sich ein gequältes Lächeln für die Kameras ab.

Es ist wohl der bislang schwerste Auftritt des neuen Führungsduos von Deutschlands Spitzeninstitut. Jain und Fitschen präsentieren heute den Mitarbeitern, der Öffentlichkeit und den Aktionären eine unangenehme Botschaft: einen Gewinneinbruch für 2012 auf gerundet 700 Millionen Euro nach Steuern von 4,3 Milliarden Euro im Vorjahr. „Das Ergebnis ist sehr enttäuschend. Die Zahlen sind deutlich schlechter als erwartet, vor allem die Höhe der Abschreibungen war überraschend“, sagt ein Börsianer.

Allein in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres türmten die Banker in den Hochhäusern von Frankfurt und London einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro nach Steuern auf. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 400 Millionen Euro. Die erste Bilanz der neuen Doppelspitze fällt damit mager aus. Der Umbau des Konzerns, Abschreibungen auf Wertpapiere sowie Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten schlagen auf das Ergebnis.

Quartalszahlen

Ergebnisse der Deutschen Bank (nach Steuern)

in Milliarden Euro


Das Vorstandsduo betont angesichts der katastrophalen Zahlen immer wieder: Das Kerngeschäft ist profitabel. Rechne man die Sonderausgaben hinaus, erfülle die Bank die strengen Kapitalvorschriften. Bereits jetzt erreicht das Institut eine Kernkapitalquote nach den künftigen Bestimmungen von Basel III von acht Prozent. Das Ziel waren 7,2 Prozent. Die Aktionäre schnaufen daher durch und verschaffen der Aktie zu einem Schub. Am Mittag liegt das Papier 0,5 Prozent im Plus bei 37,33 Euro. Eine Kapitalerhöhung könnte vom Tisch sein, das beruhigt die Anleger.

Doch in der angespannten Lage ist das Duo Jain und Fitschen offenbar weiter zusammengerückt. Die beiden Co-Chefs spielen sich schon in der Eröffnungsrede die Bälle zu. Bei der Beantwortung von Fragen sprechen sich die beiden rasch ab, diskutieren mit vornüber geneigten Köpfen über die bohrenden Nachfragen.

Zugleich demonstrieren die beiden den Abschied von der Ära Ackermann, der vor einem Jahr noch die Bilanz erläuterte. Jürgen Fitschen sagt unverblümt: „Unsere diesjährige Jahrespressekonferenz unterscheidet sich von denen der Vergangenheit. Kurz gesagt: Die Zielsetzung dieser Veranstaltung hat sich geändert.“ Ein unverhohlener Abschied von der Ära Ackermann.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Das düpierte Duo"

Alle Kommentare
  • Ganz einfach: keinen Bonus zahlen und schon hätten die Aktionäre auch mal mehr. Es kann nicht sein, dass mit Geld gespielt wird, wenn es gut geht bekommt der Mitarbeiter einen riesen Bonus und wenn es schlecht läuft, bekommen die Aktionäre die Verluste. Ackermann wollte ein sauberes Haus verlassen? Dies sieht anders aus!

  • Mir ist völlig unbereiflich, was Menschen bewegt, ihr Geld durch Kauf von Aktien der Deutschen Bank zu vernichten. Der Börsenkurs ist heute so hoch wie vor 20 Jahren. Die Eigenkapitalquote ist ca. 2,5%, die Effizenz des Wirtschaftens ist miserabel: Im Jahr 2011 (ein Jahr mit ungewöhnlich hohem Gewinn bei der Deutsche Bank)hätte sie bei gleichbleibend hohem Gewinn (in diesem Jahr wird selbstbewußt Verlust ausgewiesen) 40 Jahre gebraucht, um ihre Schulden zu bezahlen.
    Ein Tante Emma Laden mit vergleichbarer Bilanz wäre längst Pleite; insbesondere würde er nie einen Kredit von Bankstern der Deutschen Bank u.ä. bekommen.
    Ich höre, daß das "Kerngeschäft" der Deutschen Bank gute Gewinne abwirft. Das funktioniert wohl so, daß Oma und Opa ihre Ersparnisse dort für 1% Zins anlegen, die von den Bankstern als Dispokredit mit 15% wieder ausgereicht werden.
    Die Deutsche Bank hat offenbar ein besonderes Faible für Versager im Vorstand: Ich erwähne nur Breuer (ein Stichwort: Kirch), Ackermann (ein Stichwort: Libor), Fitschen (ein Stichwort: CO2 Handel, Jain(ein Stichwort: Investmentbanking u.a in London). Das Geschäft scheint beherrscht zu sein von Unfähigkeit und Betrug.
    Aber die Commerzbank mit ihrem unsäglich Blessing hat es auch nicht besser.
    Das Leitmotiv bei der Auswahl der Banker scheint generell zu sein:
    Präferenz für die Schlechtesten.

  • War´s das ? Startet die Bank jetzt durch? Die nächsten Quartalsergebnisse werden es zeigen... .

  • ... ja und der Josef, sitzt breit grinsend mit seinen Freunden und den Millionen am Genfer See und kriegt sich nicht mehr ein. Alles richtig gemacht.
    Wie gehts eigentlich Zumwinkel, Claassen, Middelhoff, Schrempf, Hartz, Sommer und Co???
    Wie in der Politik, so auch im Spitzenmanagement, überbezahlte Totalversager in teuren Brionis und die goldene Rolex oder Glashütte am Handgelenk.

  • Deutsche Bank hat fertig!

    Kommt davon, wenn man meint weltweit mitmischen zu wollen und entweder schlecht recherchiert oder bewusst mit toxischen Papieren Leute übers Ohr haut. Scheiße ist nur, wenn man sich auch noch im Investment/Trading verzockt hat. Da machen die Amis besser Cash, aber leider nur mit wertlosen Dollars, die viel zu hoch bewertet sind.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Da geht einem doch das Eisen, das GolfEisen fast aufs Grundeis.
    Bei den Agrarinvestments des Hauses umso erstaunlicher.

    Nach dem, was die beiden bereits unter Ackermann angerichtet hatten, kann diese "Konsolidierungsphase" des Hauses nur als frisch aus dem Bunker geschlagen wirken.

  • Spekulation ist unschädlich und volkswirtschaftlich sogar segensreich. Aber sie gehört nicht zu den Geschäften, die von Banken betrieben werden sollten.

  • Plüsch und Plumm: vollkommen nackert begossen wie die Pudel.
    Take it easy ladies: man muß schon hochbezahlt daherkommen, um einstehen zu müssen für das was man selbst mit verbrockt hat.

  • "Die Aktionäre danken es, die Mitarbeiter nicht".
    Boni müssen total gestrichen werden, denn die Verluste sind ja nicht irgendwie ausserirdisch, sondern durch die Mitarbeiter entstanden.

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