Die Deutsche Bank verteidigt mit dem Einstieg bei der Postbank und der angestrebten Komplettübernahme ihre Position als Branchenprimus in der heimischen Kreditwirtschaft. „Beide Institute können hiervon profitieren. Die Deutsche Bank bleibt die Nummer eins im deutschen Privatkundengeschäft und erhält über das Kundenportfolio und die Vertriebskanäle der Postbank wertvolle neue Absatzchancen“, sagte André Ehlerding, Partner bei der Unternehmensberatung Zeb.
FRANKFURT. Obwohl die Deutsche Bank zunächst für 2,79 Mrd. Euro nur knapp 30 Prozent erwirbt, will sie über entsprechende Kooperationsvereinbarungen möglichst rasch den Vertrieb von Fonds und anderen Anlageprodukten wie Zertifikaten ankurbeln. „Das wird relativ kurzfristig angegangen“, hieß es aus Bankenkreisen, Gleiches gelte für Immobilienfinanzierungen. In den kommenden Wochen sollen die angedachten Pläne im Detail besprochen werden.
Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank könnte vom stärkeren Vertrieb über die mehr als 850 Postbank-Filialen profitieren. Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, Marktführer bei Publikumsfonds, könne über die Postbank „ihren Vertrieb für Privatkunden ausbauen“, sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand beim Münchener Fondsberater Fondsconsult. Dagegen rechnen Beobachter auf mittlere Sicht mit einem Verschwinden der Postbank-Fondstochter. Die Postbank verfügt selbst nur über eine kleine Vermögensverwaltung mit Fonds mit rund 13 Mrd. Euro. Knapp zehn Mrd. Euro stammen von Großanlegern, der Rest von privaten. Die Postbank-Kundenberater verkaufen allerdings zahlreiche Fonds konzernfremder Anbieter. Mit der DWS gibt es bereits seit einigen Jahren eine Vertriebskooperation.
Die Postbanker könnten der ungleich größeren Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank nirgendwo das Wasser reichen, sind sich Berater einig. Über die DWS und die Tochter für institutionelle Kunden, DB Advisors, managt die Deutsche-Bank-Gruppe ein Vermögen von gut 270 Mrd. Euro. Die beiden Fonds-Töchter fungieren als Vollanbieter, decken damit sämtliche Anlageklassen ab. Bei den Postbank-Fondstöchtern in Deutschland und Luxemburg sind hingegen „die Renditen zu durchschnittlich, die Volumina zu gering“, begründet ein Frankfurter Fondsexperte. Postbank-Chef Wolfgang Klein hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Zukunft der Fondsverwaltung auf den Prüfstand stellen zu wollen.
Die Deutsche Bank hat zwölf bis 36 Monate nach dem Kauf der Minderheitsbeteiligung die Option, weitere 18 Prozent an der Postbank von der Deutschen Post für 55 Euro je Aktie zu erwerben. Dann müsste sie ein Übernahmeangebot für die freien Aktionäre machen. Gleichzeitig hat die Deutsche Post das Recht, die bei ihr verbleibenden 20,25 Prozent an der Postbank zwischen 21 und 36 Monate nach dem Verkauf der Minderheitsbeteiligung für 42,80 Euro je Aktie an die Deutsche Bank zu verkaufen.
Die Deutsche Bank plant für den Einstieg bei der Postbank eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Mrd. Euro. Der designierte Finanzvorstand Stefan Krause machte vor Analysten klar, mit der Kapitalerhöhung solle die Kernkapitalquote von zuletzt 9,3 Prozent hochgehalten werden. Die Transaktion wird im ersten Quartal abgeschlossen und in der Bilanz für 2008 nicht berücksichtigt. Die Dividenden der Postbank werden dann anteilig verbucht, die Wertveränderungen der Optionen schlagen sich in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nieder. Die zu erwartende Ergebnisvolatilität bezifferte Krause auf einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“. Bei einer eventuellen Kapitalerhöhung der Postbank, deren Eigenkapitalbasis nicht üppig ist, will die Deutsche mitziehen. Die Aktien der Postbank fielen um 6,3 Prozent, die Titel der Deutschen Bank büßten 2,5 Prozent ein. Deutsche Post konnten hingegen um 2,8 Prozent zulegen.


