Seit Tagen wird an der Börse über die Zukunft der Postbank
spekuliert. Jetzt hat sich die Deutsche Bank
als eines der ersten Finanzinstitute aus der Deckung gewagt und öffentlich Interesse an dem Kreditinstitut signalisiert.
Ein Passant geht an einer Leuchtreklame der Deutschen Postbank in Frankfurt vorbei, über deren Zukunft an der Börse spekuliert wird. Foto: dpa
HB BERLIN. Bankchef Josef Ackermann sagte am Mittwoch auf die Frage nach einer Übernahme des auf Privatkunden spezialisierten Geldhauses: "Ich schließe überhaupt nichts aus.“ Dies nährte an den Märkten die seit Tagen anhaltenden Spekulationen über einen Verkauf der Deutsche-Post-Tochter. Die Postbank
war mit einem Kursplus von mehr als zwei Prozent der einzige Gewinner im Dax.
Ackermann machte aber deutlich, dass Deutschlands größtes Finanzinstitut nach dem Kauf der Norisbank und der Berliner Bank keine Eile bei weiteren Übernahmen habe. Für die Deutsche Bank
gebe es im Privatkundengeschäft keinen akuten Handlungsbedarf. Zudem werde über strategische Entscheidungen erst gesprochen, wenn sie anstünden, sagte der Schweizer in Berlin. Der Börsenwert der Postbank
liegt bei rund neun Mrd. Euro.
Bereits vor dem Börsengang der Postbank
vor drei Jahren war über eine Übernahme des Instituts durch das Frankfurter Geldhaus spekuliert worden. Das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank
war zuletzt eine wesentliche Stütze: Die Sparte lieferte im dritten Quartal einen Rekordgewinn, während das größere Investmentbanking unter den Folgen der Marktkrise litt und rote Zahlen schrieb.
Die Postbank
steht zwar derzeit nicht zum Verkauf, Post-Chef Klaus Zumwinkel hat unlängst aber angekündigt, im kommenden Jahr nach der Liberalisierung des deutschen Briefmarkts neu über die Zukunft der Tochter nachzudenken. Zumwinkel signalisierte zudem, dass es eine Schlange von Interessenten für sie gebe, darunter auch ausländische Banken. Die Post hatte sich zuvor stets gegen den Verkauf der Tochter ausgesprochen. Einige Analysten halten einen Verkauf in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 für durchaus wahrscheinlich.
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so attraktiv macht
Die Commerzbank
hat wiederholt Interesse angemeldet, andere Institute im In- und Ausland halten sich bislang eher bedeckt. Die Postbank
ist mit ihren gut 14,6 Mill. Kunden Deutschlands größte Filialbank und gilt daher als attraktiver Übernahmekandidat. Branchenexperte Dieter Hein vom Analystenhaus Fairesearch sieht vor allem deutsche Banken als potenzielle Käufer. "Das Interesse ausländischer Institute am deutschen Privatkundengeschäft hat sich in der Vergangenheit eher als gering erwiesen.“
Die genauen Auswirkungen der Krise an den Kreditmärkten für die Finanzbranche ist unterdessen nach Worten Ackermanns weiter unklar. Nach wie vor bestehe Unsicherheit darüber, welches Ausmaß die aus den Turbulenzen resultierenden Verluste insgesamt hätten, sagte er am Mittwoch in Berlin. In den vergangenen Wochen habe sich die Lage an den Märkten aber zum Teil wieder verbessert.
"Nicht nur aus diesem Grund bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Auswirkungen der Turbulenzen begrenzt bleiben werden“, betonte der Chef von Deutschlands größtem Geldhaus. "Aus heutiger Sicht sind die Probleme in Europa und vor allem in Deutschland überschaubar.“ Eine stärkere, dauerhafte Beeinträchtigung der deutschen Konjunktur erscheine daher eher unwahrscheinlich. Die Wirtschaft wachse robust.

