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14.04.2008 
Milliardenkredite sollen verkauft werden

Deutsche Bank kehrt die Bücher aus

Die Deutsche Bank macht es der Citigroup nach. Sie will sich einem Zeitungsbericht zufolge von Krediten im Volumen von bis zu 20 Mrd. Dollar trennen. Das Geldhaus wolle die Darlehen nicht als ein Gesamtpaket sondern in Tranchen verkaufen.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: ArchivLupe

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: Archiv

bas/hz7HB NEW YORK/FRANKFURT. Bei den Krediten handelt es sich um Darlehen zur Finanzierung von Übernahmen durch Beteiligungsfirmen, berichtet das » „Wall Street Journal“ (WSJ) auf seiner Internetseite. Die Deutsche Bank wolle die Schuldtitel, so genannte „leveraged loans“, an eine Reihe von Investoren verkaufen, darunter auch Beteiligungsgesellschaften, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte keinen Stellungnahme zu dem Bericht abgeben. Er führte nur an, dass die Bank „die Märkte und das Verhalten der Wettbewerber“ beobachte. Die Bank folgt mit dem Schritt offenbar der US-Konkurrentin Citigroup. Viele Banken sitzen auf umfangreichen Kreditpaketen, die sie aufgrund der Krise am Finanzmarkt inzwischen nicht mehr weiterverkaufen können. Das führte bei Banken rund um den Globus zu milliardenschweren Abschreibungen. Auch bei der Deutsche Bank sind die krisenbedingten Belastungen von bislang fast fünf Milliarden Euro weitgehend darauf zurückzuführen.

In der vergangenen Woche war aus Kreisen verlautet, dass die Citigroup ein 12,5 Mrd. Dollar schweres Kreditpaket an Finanzinvestoren veräußern will. Anders als Citigroup wolle die Deutsche Bank die Papiere in Paketen veräußern, hieß es. Einige der US-Private-Equity-Gesellschaften, die an der Übernahme von Krediten von der Citigroup interessiert seien, verhandeln laut der Zeitung auch mit der Deutschen Bank. Genannt wurden Blackstone Group, Apollo Management LP and TPG. Das Frankfurter Institut führt den Angaben zufolge zudem Gespräche mit einer Tochter der Bain Capital LLC, der Sankaty Advisors. Vertreter der Buyout-Gesellschaften wollten nicht Stellung nehmen oder waren für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die Deutsche Bank und die Citigroup haben den Angaben zufolge die umfangreichsten Positionen an Krediten, die für Buyouts herausgelegt wurden. Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters haben Banken derzeit noch leveraged loans über gut 71 Milliarden Euro in den Büchern, was bereits fast ein Drittel weniger ist als Ende 2007. Allein bei der Deutschen Bank summierte sich das Engagement per Ende vergangenen Jahres auf 36 Milliarden Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es dürfte schwierig werden, angemessene Preise zu erzielen

Unklar sei, welchen Preis die Interessenten für die zum Verkauf stehenden Kredite der Deutschen Bank zahlen wollten. Zuletzt habe der Preis bei rund 0,90 Dollar je 1,00 Dollar Kredit gelegen. Bei der Citigroup lag der Preis für das veräußerte Portfolio bei rund 85 Prozent des Nominalwerts. Die Citigroup hat die Transaktion bisher nicht bestätigt.

Zwar hätten Buyoutfirmen Mittel angesammelt, um in solche Kredite zu investieren, schreibt das Wall Street Journal, doch sei ungewiss, ob die Unternehmen ihre Zielvorgaben hinsichtlich des Abbaus von Krediten erzielen werden. Da immer mehr Banken ihre Kredite am Markt loswerden wollten, würde es schwieriger, angemessene Preise zu erzielen oder große Pakete von Krediten zu verkaufen.

Ebenso wie die Citigroup, die ihre Erstquartalszahlen am Freitag vorlegen will, würde wohl auch die Deutsche Bank versuchen, einen Teil der Kreditverkäufe vor dem 29. April abzuschließen, schreibt das Blatt. An dem Tag will das Frankfurter Institut seine Zahlen für die ersten drei Monate veröffentlichen.

Dass der Deutschen Bank die Transaktion nun offenbar wie der Citigroup gelinge, zeige, dass der Markt für diese Kredite allmählich wieder zurückkehre, urteilte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass die Kredite verkauft werden könnten, ohne einen Abschlag hinnehmen zu müssen, erwartet auch er. Dadurch könnten neue Wertberichtigungen entstehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: US-Investmentbanken trennen sich von Krediten für Chrysler-Verkauf

Auch die US-Investmentbanken kehren mit eisernem Besen durch ihre Bücher. Die in die Chrysler-Transaktion involvierten Institute bereiten derzeit offenbar den Verkauf von Krediten über 3,5 Mrd bis 5 Mrd Dollar vor. Goldman Sachs schuf bereits erste Fakten. Die US-Bank hat Medienberichten zufolge zwischen 300 und 500 Mill. Dollar an Verbindlichkeiten des Automobilherstellers Chrysler an eine Investorengruppe mit hohem Abschlag verkauft.

Damit deutet sich trotz der hohen Abschläge an, dass sich die US-Banken zunehmend von der Last ihrer Übernahmekredite befreien und auf dem Markt Käufer dafür finden. Bestätigt hatte die Citigroup den Verkauf eines Fünf-Milliarden-Dollar-Kredits an die Beteiligungsfirma Terra Firma, mit dem im Vorjahr der Kauf der Plattenfirma EMI finanziert wurde.

BNP Paribas geht in einer Studie jedoch nicht davon aus, dass jetzt alle Banken ihre Übernahmekredite auf den Markt werfen. Nur die Banken unter dem größten Druck dürften ihre Bestände verkaufen. Beim Verkauf der Chrysler-Kredite von Goldman zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones einen Insider, dass der Preis bei nur 63 Cent pro Dollar gelegen habe. Goldman hatte mit einem Konsortium die sieben Mrd. Dollar schwere Finanzierung der 80-Prozent-Übernahme von Chrysler durch die Beteiligungsgesellschaft Cerberus finanziert. Goldman hatte einen Anteil von 1,6 Mrd Dollar. Chrysler wollte die Transaktionen nicht kommentieren. Experten glauben, dass die Verkäufe eine Reaktion auf die Schwierigkeiten des Autobauers und die sich beschleunigende Talfahrt des US-Automarktes sind.

Über Chrysler sage dies, dass der Markt allmählich Autobauer als Schuldner beeinträchtigt sehe, so Chris Donnelly, Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's. „Da sind einfach viel mehr Chrysler-Kredite auf dem Markt, als irgendjemand haben möchte.“

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