Die Deutsche Bank
hat erstmals offiziell bestätigt, dass sie an einem Kauf der Citibank in Deutschland interessiert ist. "Wir müssen zuerst schauen, ob die Citibank zum Verkauf steht, aber wenn, dann ja", sagte Deutschland-Chef Jürgen Fitschen am Freitag am Rande einer Veranstaltung in Eltville auf die Frage nach einem Kaufinteresse.
HB ELTVILLE. Aus Finanzkreisen war unlängst verlautet, dass Chef des krisengeschüttelten Mutterkonzerns Citigroup, Vikram Pandit, die deutsche Citibank auf den Prüfstand gestellt habe. Besonders das Ratenkreditgeschäft als Kernsegment der Bank könne verkauft werden, hieß es.
Die Citibank hatte am Donnerstag berichtet, dass sich der Gewinn nach Steuern um fast 16 Prozent auf 365 Mill. Euro verringert habe. Dabei sei die Kundenzahl um netto 50 000 auf 3,25 Millionen gestiegen.
Der Markt setzt auf eine baldige Konsolidierung
Bei der Bilanzvorlage äußerte sich der geschäftsführende Vorstand Franz Josef Nick auch zur möglichen Trennung der Citigroup von ihrem Deutschland-Geschäft. Das Institut prüfe derzeit seine weltweite Strategie und wolle Anfang Mai das Ergebnis verkünden. "Bis dahin sind wir so gespannt wie Sie", sagte Nick.
Spekulationen auf eine Konsolidierung in der Bankenbranche haben am Freitag die meisten deutschen Finanzwerte ins Plus getrieben. "Der Markt setzt auf eine baldige Konsolidierung", sagte ein Händler. Commerzbank stiegen bis um elf Uhr um 2,6 Prozent auf 23,34 Euro, Deutsche Bank um 1,6 Prozent auf 76,77 Euro. Die Postbank gab gegen den Trend jedoch etwa mehr als ein Prozent auf 57,27 Euro ab. Wenn sich die Deutsche Bank für die Citibank interessiere, könne sie vielleicht nicht mehr die Postbank übernehmen, wird von einigen Anlegern befürchtet.
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Das Interesse der Deutschen Bank an der Citibank zeigt, dass Deutschlands größtes Geldhaus bei der geplanten Expansion im Privatkundengeschäft nicht nur auf eine Übernahme der Postbank setzt. Bankchef Josef Ackermann kündigte erst vor einigen Tagen an, auch künftig eine aktive Rolle bei der Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes spielen zu wollen. Dabei spielten grundsätzlich der Preis und die Konditionen des Verkaufs die entscheidende Rolle. Bei der Citibank mit ihren 3,25 Millionen Kunden halten Experten einen Preis von drei bis vier Milliarden Euro für realistisch - diese Erlöse könnte Pandit angesichts der Milliardenverluste des US-Konzerns gut gebrauchen.
Für die Deutsche Bank und insbesondere für Ackermann ist die Citigroup kein neuer Gesprächspartner. Bereits vor Jahren sondierte er mit dem damaligen Chef des US-Konzerns, Sanford Weill, wie die beiden Institute zusammenrücken könnten. Die Überlegungen wurden aber nicht vertieft - unter anderem weil für die Deutsche Bank ein Abzug aus Frankfurt nicht infrage kam. Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Freitag, dass sich die Deutsche Bank bereits auf ein Gebot für Teile des Europageschäfts der Citigroup vorbereite.
Die Citibank in Deutschland mit ihren 6800 Beschäftigten bildet den Kern der Aktivitäten des US-Konzerns in Europa. Hierzulande ist das Konsumentenkreditgeschäft der mit Abstand wichtigste Bereich der Bank, die im vergangenen Jahr erneut den harten Wettbewerb zu spüren bekam. Der Nachsteuergewinn sank um mehr als 15 Prozent auf 365 Millionen Euro.
Trotz der Renditeprobleme gilt die Citibank als attraktives Übernahmeziel. Sie ist mit einem Anteil von sieben Prozent Marktführer bei Konsumentenkrediten. Sollte Pandit die Deutschland-Tochter zum Verkauf stellen, wird mit einer Vielzahl von Kaufinteressenten gerechnet. Genannt wird unter anderem die spanische Großbank Santander, die ihre Position in Deutschland unlängst mit mehreren Zukäufen ausgebaut hat. Die Santander Consumer Bank ist einer der größten Wettbewerber der Citibank im Konsumentenkreditgeschäft. Das Institut lehnte am Freitag in Madrid eine Stellungnahme zu möglichen weiteren Übernahmen in Deutschland ab.

