Deutsche Bank: Lichtblick für die Doppelspitze

Deutsche Bank
Lichtblick für die Doppelspitze

Die Deutsche Bank legt überraschend starke Zahlen vor. Die Gewinne verdankt das Institut vor allem dem Investmentbanking. Doch die Zukunft bleibt ungewiss – und die Baustellen zahlreich.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank weiß noch positiv zu überraschen: Mit einem Gewinn von 441 Millionen Euro im vierten Quartal schneidet die Bank deutlich besser ab als von Analysten erwartet. „Viele Ergebnisse des vergangenen Jahres und des vierten Quartals sind ermutigend“, erklärten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Auch die Anleger reagierten zum Handelsstart erleichtert: Die Deutsche-Bank-Aktie notierte vorbörslich bei Lang & Schwarz 3,4 Prozent fester.

Das gute Abschneiden im Schlussquartal rettet auch die Jahresbilanz. Hauptgrund waren solide Geschäfte im Investmentbanking. Dass sich die Deutsche Bank auf ihr Kerngeschäft Investmentbanking - wo Jain mehr denn je angreifen will - verlassen kann, war nach den Bilanzen der großen US-Rivalen nicht zu erwarten gewesen. Doch die Sparte lieferte - im Schlussquartal stieg der Vorsteuergewinn auf 516 (Vorjahr: 132) Millionen Euro.

Insgesamt hat die Deutsche Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr damit 1,7 Milliarden Euro verdient. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr, in dem die Bank 681 Millionen Euro erwirtschaftete.

Verglichen mit der internationalen Konkurrenz, mit der sich die Deutsche Bank eigentlich messen will, sind die 1,7 Milliarden Euro Gewinn allerdings wenig: Bei US-Konkurrent JP Morgan stand am Jahresschluss ein Gewinn von 22 Milliarden Dollar in den Büchern, Goldman Sachs erwirtschaftete einen Überschuss von 8,5 Milliarden Dollar. Die US-Banken profitieren von einem starken Heimatmarkt, auf dem die Deutsche Bank wegen anhaltend niedriger Zinsen schwächelt.

Immerhin: Bei den teuren juristischen Auseinandersetzungen ist die Deutsche Bank vorangekommen. Die Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten sind im abgelaufenen Quartal gesunken. Die Bank arbeitet immer noch schwer daran, den Prozessberg von 6.200 Verfahren mit einem Streitwert von je mehr als 100.000 Euro abzuarbeiten. 3,2 Milliarden Euro stehen dafür in der Bilanz. Seit Fitschen und Jain im Amt sind, hat die Deutsche Bank 4,5 Milliarden Euro für Strafen und Vergleiche ausgegeben.

Bei den Libor-Manipulationen und Tricksereien am Goldmarkt könnte die Bank in Europa glimpflich davonkommen. Ganz aus dem Schneider ist man damit aber noch nicht: In den USA stehen noch Entscheidungen aus, bei denen neben einer empfindlichen Strafe etliche Schadenersatzprozesse drohen könnten.

Geld, das die Bank erstmal erwirtschaften muss. Um einen Strategiewechsel wird die Doppelspitze trotz der jüngsten Ergebnisse wohl nicht herumkommen. Viele Fragen zur Zukunft des Instituts bleiben offen: Bleibt die Deutsche Bank eine globale Universalbank? Wird das Privatkundengeschäft abgespalten? Wie geht es mit dem Investmentbanking weiter? Das wollen Fitschen und Jain erst im zweiten Quartal verraten, vor der Hauptversammlung im Mai. Bis dahin bleiben eine Menge Baustellen.

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  • Ich halte die Zahlen für nicht glaubwürdig.

    1. Die Zahlen würden belegen, dass die EZB die Banken reich macht. Der Geldtransfer tatsächlich, wie schon so oft geäußert, von den Kleinen zu den Großen erfolgen würde. Das wäre so das assozialste, was man sich ausmalen könnte.
    2. Nehme ich an, dass das Ergebnis über die Bilanzierung zusammengetrickst ist.

    Man möge nachforschen, wie "interne Geschäfte" an diesem Ergebnis beteiligt sind und ob deren Summe bei dieser Art der Bewertung eine "schwarze Null" ergibt.

    Es sollte kritischer mit der Publikation von eigenen Zahlen aus Unternehmen umgegangen werden.

  • Das kann jeder, Gewinne mit reichlich Rückenwind der Notenbanken zu generieren. Durch die faktische Zinslosigkeit werden Bewertungen automatisch nach oben gepusht ohne realwirtschaftliche Grundlage. Wir stellen fest, es hat sich nichts geändert. Dieser Planet bleibt massiv overbanked und vor allem dominiert das angelsächsisch geprägte Zocken die Finanzszene mit massiven Gewinnen und zu hohen Gehältern für einige wenige und sehr sehr großen Risiken für die Allgemeinheit. Kapitalismus ja, aber kein Finanzkapitalismus, sondern auf Basis wertschöpfungsorienierter und realer Leistungserbringung. Aber auch in diesem Feld schafft sich Nordeuropa gerade selbst ab, naja zumindest in Deutschland werden diese kulturellen Grundlagen des Wohlstandes gerade über Bord geworfen, die Schweiz und Skandinavien halten sich noch weitestgehend aus dem Abgesang heraus.

  • Glückwunsch an Anshu. Der alte Brötchengeber macht das was er am besten kann. Das Investmentbanking liefert - und das in souveräner bekannter Manier.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

    Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

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