04.08.2009

Dramatischer Umsatz- und Ergebnisrückgang: Deutsche Börse enttäuscht den Markt

Die Zurückhaltung der Anleger bekommt die Deutsche Börse deutlicher zu spüren als erwartet: Das Geschäft der Deutschen Börse ist wegen der Handelsflaute bei Aktien und Derivaten im zweiten Quartal deutlich stärker geschrumpft als von Analysten geschätzt. Doch nicht alle Geschäftsbereiche leiden gleich stark. Über ein Aktienrückkaufprogramm wurde nicht entschieden.

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Blick auf den von der Deutschen Börse betriebene Finanzplatz Frankfurt. Während es mit dem Dax zuletzt aufwärts ging, enttäuscht der Börsenbetreiber mit dramatisch schlechten Zahlen. Quelle: apLupe

Blick auf den von der Deutschen Börse betriebene Finanzplatz Frankfurt. Während es mit dem Dax zuletzt aufwärts ging, enttäuscht der Börsenbetreiber mit dramatisch schlechten Zahlen. Quelle: ap

HB FRANKFURT. Der operative Gewinn (Ebita) sank um 34 Prozent auf 248,8 Mio. Euro, wie der Mutterkonzern der Terminbörse Eurex sowie des Abwicklers Clearstream am Dienstagabend mitteilte. Dabei ging der Umsatz um zwölf Prozent auf 515,6 Mio. Euro zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ebita von 281 Mio. Euro und einem Umsatz von 537 Mio. Euro gerechnet. Während die Umsätze im Kassamarktgeschäft und an der Terminbörse Eurex wegen der Zurückhaltung der Marktteilnehmer deutlich abnahmen, blieb das Abwicklungsgeschäft bei der Tochter Clearstream relativ stabil. Netto verdiente die Börse im Quartal mit 164,9 Mio. Euro rund ein Drittel weniger als im Rekordjahr 2008.

Eine konkrete Prognose für das laufende Geschäftsjahr gab der Konzern nicht ab. Die Börse will für den Rest des Jahres auf Sparkurs bleiben und bekräftigte das Kostenziel von 1,28 Mrd. Euro. Zudem solle an der grundsätzlichen Ausschüttungspolitik festgehalten werden. Börsenchef Reto Francioni bezeichnet das Quartalsergebnis als "solide". Noch im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Börse an dem hektischen Auf und Ab der Finanzmärkte in der Krise kräftig verdient. Allerdings hatte Francioni die Investoren bereits am Jahresanfang auf ein Ende der langjährigen Rekordjagd eingestimmt, da seit einigen Monaten eine deutliche Zurückhaltung der Anleger im weltweiten Handel mit Wertpapieren und Derivaten zu spüren ist.

Börsen: Anlegerlieblinge auf Abwegen

Der Konkurrent NYSE Euronext war im zweiten Quartal deshalb und wegen der Folgekosten für die Fusion sogar in die Verlustzone gerutscht. Ohne Sondereffekte ging der Gewinn allerdings weniger stark zurück als erwartet.

Im Kassamarktgeschäft der Deutschen Börse schlugen die gesunkenen Handelsumsätze im Quartal negativ zu Buche: Die Erlöse in dem Segment Xetra sanken um 31 Prozent. Damit verdiente die Börse dort operativ 49 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Auch bei der lange erfolgsverwöhnten Terminbörse Eurex gingen die Umsätze um 14 Prozent zurück, der operative Gewinn schrumpfte um 30 Prozent. Vor allem Zinsderivate wurden weniger gehandelt, was die Börse mit den Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank und den großen Zinsunterschieden bei europäischen Staatsanleihen begründete.

Der Umsatz des Abwicklungsdienstleisters Clearstream verringerte sich lediglich um fünf Prozent und trug damit den Angaben zufolge wesentlich zum Ergebnis der Gruppe bei. Die für die Abwicklung und Abrechnung des Wertpapierhandels zuständige Luxemburger Gesellschaft verbuchte beim Bankgeschäft allerdings einen Einbruch der Nettozinserträge um 56 Prozent, was im Wesentlichen auf die drastischen Zinssenkungen der Zentralbanken weltweit zurückzuführen sei. Der operative Gewinn bei Clearstream fiel um 30 Prozent.

Über eine Wiederaufnahme des Aktienrückkaufprogrammes sei nicht entschieden worden, teilte die Börse zudem mit.

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