Deutsche Börse: Gute Zahlen, große Fragen

Deutsche Börse
Gute Zahlen, große Fragen

Die Deutsche Börse konnte ihren Gewinn im vergangenen Jahr steigern. Überschattet wird die Bilanzvorlage aber von den Ermittlungen gegen Börsenchef Kengeter. Aktienkäufe brachten ihn ins Visier der Staatsanwaltschaft.
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FrankfurtDie Zahlen können sich sehen lassen: Die Deutsche Börse verdiente im vergangenen Jahr rund 811 Millionen Euro – und damit rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktplatzbetreiber erklärte das mit der guten Entwicklung im Marktsegment Eurex und einem starken vierten Quartal. „Im Ergebnis haben wir das obere Ende unserer Gewinnprognose erreicht“, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren: Das Unternehmen plant eine Dividende von 2,35 Euro je Aktie nach 2,25 Euro vor Jahresfrist. Das ist etwas mehr, als Analysten laut Reuters-Erhebungen erwartet hatten. Im laufenden Jahr will der Konzern den Überschuss um weitere 10 bis 15 Prozent steigern.

Am Donnerstag will Börsenchef Kengeter das Ergebnis in Frankfurt der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei dürfte Kengeter aber vor allem nach einem anderen Thema gefragt werden. Das hat zwar auch mit dem Kerngeschäft der Börse zu tun, dem Aktienhandel. Aber anders, als dem Börsenchef lieb sein dürfte. Wegen Kengeters privater Aktiendeals hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft dessen Privatwohnung und die Büros der Börse durchsucht. Die Ermittler gehen dem Verdacht des Insiderhandels nach. Die Ermittlungen kommen für den Börsenchef zur Unzeit, denn er steckt mitten in der heißen Phase der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange.

Zusammen mit den Londonern möchte Kengeter einen europäischen Börsenchampion bieten. Doch der 25-Milliarden-Euro-Deal steht unter keinem guten Stern. Vor allem die Entscheidung, die Holdinggesellschaft der fusionierten Börse in der britischen Hauptstadt anzusiedeln, sorgt seit dem Brexit-Referendum für massive Kritik. Hessische Politiker und Aufseher fürchten einen bedeutenden Kontrollverlust, wenn künftig wichtige Entscheidungen über die Zukunft der Deutschen Börse von der Dachgesellschaft an der Themse getroffen werden. Damit wollen sie sich nicht abfinden.

Seit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekannt wurden, muss Kengeter aber nicht nur um den Deal kämpfen, sondern auch um seine eigene Zukunft. Im Dezember 2015 hatte Kengeter sich mit Papieren der Deutschen Börse eingedeckt. In drei Tranchen hat er im Dezember 2015 für insgesamt 4,5 Millionen Euro Aktien gekauft. Die Käufe waren kein Geheimnis.

Der Aufsichtsrat hatte im September 2015 eigens für Kengeter die Möglichkeit eingeräumt, noch an einem Vorstandsvergütungsprogramm namens „Co-Performance-Investment-Plan“ (CPIP) teilzunehmen. Im Gegenzug für seine Aktienkäufe erhielt Kengeter die Zusage auf Performance-Aktien, deren Wert sich am Erfolg des Konzerns bemisst – und die Kengeter je nach Lauf der Dinge mehrere Millionen Euro an Bonus einbringen könnten.

Rund zwei Monate nach Kengeters Aktienkäufen wurden die Fusionspläne mit London bekannt. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Kengeter bei seinem Aktienkauf schon auf den Deal wettete. Schon zwischen Sommer 2015 und Dezember soll es Gespräche mit der Londoner Börse gegeben haben, bei denen über die Fusion und den Sitz der Holding diskutiert worden sei. Genau dafür suchten die Ermittler in Kengeters Privatwohnung und an der Börse nach Beweisen. Börsen-Aufsichtsratschef Joachim Faber nannte die Vorwürfe „haltlos“.

Mit Material von Reuters.

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