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15.05.2008 
Zunehmende Konkurrenz

Deutsche Börse schlägt zurück

von Rolf Benders

Die Deutsche Börse will ihre Marktführerschaft im Aktienhandel mit technischen Neuerungen und zur Not mit Gebührensenkungen gegen die aufkommenden neuen Handelssysteme verteidigen. Die Maßnahmen sind Experten zufolge aber nicht ohne Risiko.

Die Frankfurter Börse wehrt sich gegen ihre Wettbewerber. Sie will den Fondshandel vom Parkett auf ihr elektronisches System verlagern. Foto: APLupe

Die Frankfurter Börse wehrt sich gegen ihre Wettbewerber. Sie will den Fondshandel vom Parkett auf ihr elektronisches System verlagern. Foto: AP

FRANKFURT. "Wir werden weiterhin unsere Gebühren strategisch anpassen", sagte Frank Gerstenschläger, der im Konzernvorstand für den Aktienhandel zuständig ist, dem Handelsblatt. "Wer uns beispielsweise zusätzliches Geschäft bringt, kann auch in Zukunft mit Rabatten rechnen", fügte er hinzu. Zudem sollten die Kurse einiger Aktien demnächst auf drei Stellen hinter dem Komma berechnet werden, um es der Konkurrenz zu erschweren, bessere Kurse zu stellen. Greifen wird dies zunächst ab dem 26. Mai für den Handel mit den Aktien von Infineon und der Deutschen Telekom.

Die Gruppe Deutsche Börse sieht sich in ihrem Kerngeschäft, dem Aktienhandel, seit November 2007 zunehmender Konkurrenz ausgesetzt. Begünstigt durch die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid bieten seither alternative Plattformen Aktienhandel mit dem Versprechen an, bessere Kurse zu stellen und niedrigere Gebühren zu verlangen als auf dem Frankfurter Handelssystem Xetra. Chi-X, eine Tochter der japanischen Investmentbank Nomura, ist bereits relativ erfolgreich, andere wie Equiduct und Turquoise wollen noch in diesem Jahr starten.

Gerstenschläger ist sich sicher, dass die neue Konkurrenz bislang außerhalb der Börse gehandelte Geschäfte verfügbar macht und der Konzern so von der neuen Entwicklung profitiert. "Wer dort Aktien kauft, wird für den Weiterverkauf sicher auch die liquideste Plattform nutzen. Und das ist Xetra", sagte er. Eine Absage erteilte Gerstenschläger Überlegungen, den außerbörslichen Systemen durch eine Ausweitung der Handelszeiten zu begegnen. "Wir fühlen uns sehr wohl mit den Kernhandelszeiten, so wie wir sie haben. Eine Ausdehnung würde uns kein neues Geschäft bringen", sagte der Börsenvorstand. Zuletzt hatte die Berliner Börse den morgendlichen Handelsstart um eine halbe Stunde auf 8.30 Uhr vorverlegt, um so Geschäft von außerbörslichen Konkurrenten anzuziehen. Bislang reichten die Erfahrungen damit aber für eine Bewertung noch nicht aus, sagte eine Sprecherin der Hauptstadtbörse.

Analysten bewerteten die Maßnahmen der Deutschen Börse als folgerichtig, aber nicht ohne Risiko. "Die Börse wird auf Dauer gar nicht anders können, als die Gebühren weiter zu senken", sagte Heiko Frantzen, Experte bei Sal. Oppenheim. Die Einführung einer dritten Nachkommastelle könne zudem zu höherem Orderaufkommen von Profi-Anlegern führen, die minimale Kursschwankungen nutzen wollten. "Offen ist, ob sie es schafft, dadurch mehr Order anzuziehen und so die Gebührensenkung wenigstens zu kompensieren", sagte Frantzen. Er rechnet eher mit stagnierenden Einnahmen der Börse im Aktienhandel.

Um ihr ursprünglich für Aktien gebautes System Xetra besser zu nutzen, will die Börse daher auch andere Wertpapiere darüber handeln lassen. So wurden Ende April die Zertifikate vom Parkett des Frankfurter Börsensaales abgezogen; sie werden jetzt auf Xetra gehandelt. Weitere ähnliche Maßnahmen sind Gerstenschlägers Worten zufolge absehbar. "Aus unserer Sicht eigenen sich dazu am besten Fonds. Ob das noch in diesem Jahr der Fall sein wird, ist noch nicht entschieden", sagte der Börsenvorstand. Es gebe aber bereits einige Wertpapierhandelshäuser, die den Fondshandel auf Xetra betreuen wollten.

Aber selbst wenn der Frankfurter Fondshandel vom Parkett verschwinden würden, dem traditionsreichen Saal würde der Kleinanlegerhandel mit Aktien erhalten bleiben. Es gebe keinen Grund, diesen infrage zustellen, sagte Gerstenschläger.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kampf um Aufträge

Der Platzhirsch: Über 90 Prozent des börslichen Aktienhandels mit deutschen Aktien werden in Frankfurt abgewickelt. Unbekannt ist das Volumen der außerbörslichen Geschäfte. Damit wollen die neuen Konkurrenten der Deutschen Börse ihr Geschäft machen.

Die Bankenbörsen: Weil die Börsen als Monopolunternehmen fette Gewinne einfahren, rufen die Banken Alternativplattformen ins Leben. Hier sind die Volumina noch vergleichsweise gering, die Wachstumsraten aber riesig. So hat sich der Wochenumsatz mit Europa-Aktien an der zur japanischen Bank Nomura gehörenden Handelsplattform Chi-X seit Januar auf zehn Milliarden Euro verzehnfacht. Andere Wettbewerber wie die Investmentbanken-Börse Turquoise wollen im Herbst an den Start gehen.

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