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15.09.2008 
Einstieg

Deutsche/Postbank: Die etwas andere Transaktion

von Nicole Bastian, Axel, Granzow, Peter Köhler, Robert Landgraf, Hans Nagl

Mit dem Einstieg bei der Postbank hat sich die Deutsche Bank die Chance erkauft, zum Privatkundeninstitut Nummer eins im Land aufzusteigen. Lange war unklar, ob es dazu kommen würde. Ein Blick hinter die Kulissen des Deals.

Ein Postbank Logo, rechts, und ein Emblem der Deutschen Bank Foto: apLupe

Ein Postbank Logo, rechts, und ein Emblem der Deutschen Bank Foto: ap

FRANKFURT. Kann es Zufall sein, dass gerade der schwarze Drehstuhl von Josef Ackermann an diesem Tag einige Zentimeter tiefer eingestellt ist? Oder war es etwa Absicht, um Deutschlands mächtigsten Banker an diesem Tag, an dem er seine Vormachtstelllung auf dem Heimatmarkt verteidigt, quasi per Stuhleinstellung ein wenig mehr in die Proportionen der Tischnachbarn zu rücken? Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, bemerkt es am Freitag nicht. Mit durchgedrücktem Kreuz sitzt der Schweizer vorne auf der Stuhlkante, macht dadurch selbst die wenigen Zentimeter zum zwei Meter großen Postchef Frank Appel gut - und ist sichtlich gut gelaunt.

Über Monate hat die Deutsche Bank mit dem Logistikriesen Deutsche Post verhandelt - und sich am Ende mit einer Minderheitsbeteiligung von knapp 30 Prozent an der Postbank durchgesetzt. Mit dieser Investition über 2,79 Milliarden Euro schreibt das fast 140 Jahre alte Institut ein kleines Stück deutscher Finanzgeschichte. Denn nutzt die Bank ihre Option ab 2010 und wird Mehrheitsaktionär, kann ihr im Privatkundengeschäft mit mehr als 24 Millionen Kunden in Deutschland außer den Sparkassen als Gruppe niemand mehr das Wasser reichen. "Mit einem relativ begrenzten Kapitaleinsatz sichern wir uns für alle Zeiten die dominante Position in der größten Volkswirtschaft Europas", sagt Ackermann, der hinter einem Tisch sitzt, auf dem das postgelbe und das blau gestreifte Logo der Banken stehen. "Wir finden, dass ist ein sehr smarter move."

Es ist ein Verteidigungszug der Deutschen Bank, um Wettbewerber auf Distanz zu halten. Agiert sie strategisch konsequent, muss danach aber innerhalb der kommenden drei Jahre der Mehrheitseinstieg folgen, auf den sie die Option hat.

Dabei war sich die Deutsche Bank, als der Verkauf der Postbank im April dieses Jahres konkretere Züge annahm, erst einmal gar nicht wirklich sicher, ob sie sich überhaupt an der Postbank beteiligen sollte. Einige der Topinvestmentbanker waren dagegen. Massenprivatkundengeschäft für die auf betuchte Klienten konzentrierte Deutsche Bank? Wäre das nicht eine reine Verwässerung der Eigenkapitalrendite? Privatkundenvorstand Rainer Neske hingegen mag die Idee.

Gemeinsam mit dem Leiter der Konzernstrategie, Axel Wieandt, treibt Neske den Deal voran. Der öffentlichkeitsscheue Axel Wieandt kennt die Topadressen der deutschen Wirtschaft schon über seine Familienbande. Sein Vater Paul sanierte unter anderem in den neunziger Jahren die BfG Bank, später die Schmidt-Bank und die Frankfurter Sparkasse. Axels Bruder Carl ist Partner bei McKinsey. Sein Schwager ist Martin Blessing, der als neuer Chef der Commerzbank Ende August die Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro übernommen hat.

Auf der Verkaufsseite sitzen neben Postchef Frank Appel der Chef seines Finanzbereichs, Bernd Boecken, und die Leiterin des Post-Konzernbüros, Melanie Kreis. Boecken hat die mehr als 120 Übernahmen der Post seit deren Börsengang 2000 finanzwirtschaftlich betreut. Seine Kollegin Kreis, eine studierte Physikerin und eine der wenigen Frauen in der zweiten Führungsebene der Deutschen Post, ist ebenfalls eine Expertin für Unternehmenszukäufe.

Mit dem Ausstieg aus der Postbank will sich Appel auf sein Kerngeschäft, die Logistik, konzentrieren. Ein Schritt, der in die Denkwelt des ehemaligen Unternehmensberaters passt. Doch Appel lässt sich Zeit. Während der Markt nach seinem Amtsantritt im Februar schon wild über einen Verkauf der Postbank spekuliert, lässt er den Prozess erst im April langsam hochfahren. Er und die Investmentbank Morgan Stanley loten im Markt das Interesse an der Postbank aus, an einer Bank, die ein wenig anders ist als viele andere Banken. Rund ein Drittel der 21 000 Beschäftigten sind Beamte. Das im wichtigsten Aktienindex Dax 30 notierte Institut betreibt so gut wie kein Auslandsgeschäft und ist in einem Maße auf das Privatkundengeschäft fokussiert wie kaum eine zweite Bank.

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