Josef Ackermann beschreibt ein neues Kapitel in der Geschichte der Deutschen Bank
. Er muss seine Bank so schnell wie möglich an die mit der Finanzkrise angebrochene, neue Zeit anpassen und zugleich der Öffentlichkeit erklären, was er tut. Warum die Bürger dieses Landes zu ihrem berühmtesten Geldhaus eine äußerst zwiespältige Beziehung pflegen.
DÜSSELDORF. Josef Ackermann hat ein Problem. Er hat aus der Deutschen Bank
eine große, erfolgreiche Investmentbank gemacht. Doch seit einer Woche hört man nur noch den Schwanengesang der Investmenthäuser. Die Wall Street, so wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr, sagt selbst das "Wall Street Journal". Jetzt muss der Bankchef seinen Aktionären erklären, was die Deutsche Bank
künftig sein will. Eine Privatkundenbank, frisch gestärkt durch den Einstieg bei der Postbank
?
Ackermann bleibt ganz cool. Wenn er davon redet, dass die Finanzkrise für die überlebenden Banken besondere Marktchancen bereithält, merkt niemand, ob sich unter seiner Abgebrühtheit auch eine Menge Nervosität verbirgt. Wenn er beteuert, seine Bank habe genug Eigenkapital, und gleichzeitig einräumt, er müsse den "Leverage" noch abbauen, dann fällt gar nicht auf, dass das eigentlich ein Widerspruch ist: "Leverage" ist nichts anderes als Verschuldung. Es ist ein Wettrennen: Ackermann muss seine Bank, so schnell es geht, an die neue Zeit anpassen, die mit der Finanzkrise angebrochen ist. Und dabei der Öffentlichkeit erklären, was er tut.
So schreibt er nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der Bank. Zugleich definiert sich eine ganz besondere Beziehung neu, die über die Jahrzehnte hin von viel Hass und Stolz, wenig Liebe und zuweilen auch wenig Verständnis geprägt ist: die Beziehung zwischen den Deutschen und der Deutschen Bank
.
Dieses Geldhaus war stets bevorzugte Projektionsfläche für Träume vom großen Geld ebenso wie für die Abneigung gegen diejenigen, die Macht über das große Geld haben. Seit Jahrzehnten gilt: Die Deutschen haben zu ihrer Deutschen Bank
ein besonderes Verhältnis. Diese Bank gilt als Inbegriff von Macht und Stolz, aber auch von Arroganz und Kälte. Alle guten und bösen Klischees, die zu Geldhäusern passen, sind ihr schon angeheftet worden. Und oft genug hat sie sie auch noch bestätigt, meist sogar in Person ihres jeweiligen Chefs.
Warum beherrscht sie immer wieder die Schlagzeilen? Warum ist sie für viele Menschen ein Synonym für unser Wirtschaftssystem? Weshalb ist Josef Ackermann viel bekannter als Michael Diekmann (Allianz-Chef), Peter Löscher (Siemens)
oder selbst Wulf Bernotat (Eon)
, der ständig seine hohen Energiepreise erklären muss? Die Tatsache, dass Ackermann mehr verdient als die Kollegen bei anderen Konzernen und vor ein paar Jahren einen unangenehmen Prozess durchstehen musste, kann das allein nicht erklären. Auch nicht, dass er eine Art Cheferklärer der Finanzkrise geworden ist.

