Die Wiener Tochter der Deutschen Bank und das österreichische Spitzeninstitut der Sparkassen, die Erste Bank, stehen unter dem Verdacht, beim Handel mit Aktien des Sportwettenanbieters Bwin nicht korrekt vorgegangen zu sein. Die Finanzmarktaufsicht in Österreich geht entsprechenden Vorwürfen nach. Der entstandene Schaden soll beträchtlich sein.
Handel mit Bwin-Aktien: Deutsche und Erste Bank unter Verdacht
Die massive Werbung half letztlich nichts: Das Geschäft bei Bwin war ins Stocken geraten. Die Aktien fielen. Foto: dpa
WIEN. Nach Handelsblatt-Informationen soll ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein. Finanzkreise sprechen von einem „organisatorischen Schock“ für die Handelsabteilungen der Banken. „Da hat in der Kontrolle vieles nicht gestimmt“, sagt ein Beteiligter.
Die Erste Bank, die am Montag in Bukarest einen Investorentag abgehalten hat, räumte einen „Vorsorge- und Bewertungsbedarf aus einem offenen Wertpapierabwicklungsfall“ ein. Es gebe noch keine Klärung über die Verteilung des Schadens auf die Betroffenen. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hält dennoch an seiner Ergebnisprognose fest.
Zu einer Stellungnahme war Gismo gestern nicht zu erreichen. Hauptleidtragender dürfte indessen die Erste Bank sein, die die Aktiengeschäfte finanzierte. „Da bleiben die meisten Verluste hängen“, heißt es aus Finanzkreisen. Ein Sprecher der Finanzmarktaufsicht in Österreich bestätigte, dass gegen Gismo wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen ermittelt werde. Auch bei der Ersten Bank seien die Ermittler im Haus. Bei der Deutschen Bank sollen bereits interne Ermittlungen angelaufen und Beteiligte befragt worden sein. „Zu Marktgerüchten nehmen wir nicht Stellung“, hieß es dazu gestern nur von Seiten der Deutschen Bank aus Frankfurt.
Was geschehen ist
Passiert ist nach Handelsblatt-Informationen Folgendes: Die Deutsche Bank und die Internetbankentochter der Ersten Bank haben offenbar im Auftrag des illustren österreichischen Geschäftsmannes Martin Begsteiger und dessen Privatstiftung Gismo mit Aktien des Internet-Wettenanbieters Bwin gehandelt. Der Kurs der Aktie kannte lange Zeit nur eine Richtung: nach oben. Dann jedoch gab Bwin im August eine Gewinnwarnung heraus, rechtliche Probleme in Deutschland sorgten zusätzlich für Druck. Die Aktie brach ein. Im vergangenen Monat wurden die Vorstände des Internet-Wettanbieters darüber hinaus bei einer Pressekonferenz in Monaco von französischen Ermittlern festgenommen und später gegen Kaution wieder freigelassen. Sie sollen gegen das Glücksspielmonopol verstoßen haben.
Bis Ende des Jahres entscheidet sich, ob es zu einem Strafverfahren kommt. Die Vorgänge brachten die Aktie, die sich zwischenzeitlich erholt hatte, erneut unter Druck.
Mit dem Einbruch hatten aber nicht nur Gismo und Begsteiger ein Problem, sondern auch die beteiligten Banken. Sie haben durch Geschäftspraktiken, die nach Einschätzung von Beobachtern „illegal“ sein könnten, den Handel gefördert. So soll die Internettochter der Ersten Bank Gismo Sonderkonditionen eingeräumt haben, die vorsahen, dass gekaufte Aktien erst längere Zeit nach dem Kauf bezahlt werden mussten. Der Gewinn aus verkauften Aktien allerdings wurde zügig ausbezahlt. Auf diese Weise gelang es Gismo, Papiere zu kaufen, mit deren Bezahlung man sich so lange Zeit ließ, bis die Aktien wieder verkauft waren. Solange die Kurse stiegen, klappte das wunderbar. Als der Absturz kam, standen jedoch alle Beteiligten vor einem Desaster. Angeblich soll Gismo zu dieser Zeit sieben Millionen Aktien besessen haben, wovon drei Millionen nicht bezahlt waren.
Ausgleich aus anderen Quellen
Die Erste Bank dürfte etwaige Verluste durch anderweitige Erfolge kompensieren können. So gab sie gestern bekannt, dass das rumänische Parlament den Weg für die Übernahme der Banca Comerciale Romana freigemacht hat. Die Österreicher warten seit Monaten darauf, den Milliardenzukauf unter Dach und Fach zu bringen. Jetzt dürfte es nur noch Tage dauern, hieß es gestern beim Investorentag.
Profitieren will die Bank auch von einer Vereinheitlichung ihrer Struktur, die anstatt der erwarteten 210 Mill. Euro 270 Mill. Euro zum Vorsteuergewinn im Jahr 2008 beitragen soll. Diese Maßnahmen helfen dabei, dass auch bei einem möglicherweise für die Bank ungünstigen Prozessverlauf in Sachen Bwin die Prognose von einer 20-prozentigen Steigerung des Konzernjahresüberschusses gehalten werden kann.