Die Entdeckung des deutschen Anlegers: Internationale Fondshäuser wollen im attraktiven deutschen Markt Boden gewinnen. Deshalb forcieren sie den Verkauf von Publikumsfonds. Vor allem das hierzulande als Investmentbank bekannte Haus Goldman Sachs hat sich dabei hohe Ziele gesteckt.
FRANKFURT. Publikumsfonds sind in erster Linie für Privatanleger aufgelegt. Klassische Varianten sind Aktien- und Rentenfonds. „Viele ausländische Fondsanbieter entdecken gerade den deutschen Anleger – der Wettbewerb nimmt zu“, sagt Christian Michel, Analyst beim Fondsratinghaus Feri Rating & Research. Der Markt, der rund 730 Mrd. Euro schwer ist, gilt im Hinblick auf die private Altersvorsorge und die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer als besonders attraktiv, um sich Anlegergelder langfristig zu sichern.
Deutschland gehört ohnehin für die meisten Anbieter zu den strategisch wichtigen Kerngebieten. Der Markt wird zwar dominiert von heimischen Anbietern. Doch die ausländischen Häuser treten immer aggressiver auf. So will Goldman in die Riege der drei größten ausländischen Anbieter von Publikumsfonds vorstoßen. Dazu gehören Franklin Templeton, Blackrock und JP Morgan Asset Management, die insgesamt mehr als 30 Mrd. Euro verwalten. Goldman ist bisher mit gut zwei Mrd. Euro ein kleiner Anbieter.
„Wir wollen das verwaltete Vermögen in den kommenden fünf Jahren vervierfachen“, kündigt Michael Grüner, Leiter des deutschen Retailgeschäfts bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM), an. Dazu wird Goldman seine Fonds nun erstmals auch aktiv direkt den Privatkunden anbieten. Bisher haben vor allem Dachfonds in Goldman-Produkte investiert.
Vor allem über große Banken und Sparkassen will Goldman die Anleger erreichen und kooperiert etwa mit der Dresdner Bank. Berater einer Frankfurter Großbank bieten ab morgen Goldman-Fondsanteile an. „Wir wollen mit einem ausgewählten Kreis strategischer Partner zusammenarbeiten“, sagt Grüner. Die Dekabank stelle als weiterer strategischer Partner den Kontakt zu den Sparkassen her.
Auch Morgan Stanley hat sich vorgenommen, in Deutschland „innerhalb der nächsten fünf Jahre zu den größten ausländischen Fondsanbietern aufzuschließen“, sagt Jörg Ahlheid, der das Fondsgeschäft von Morgan Stanley in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Osteuropa verantwortet. Der Merrill-Lynch-Vermögensverwalter Blackrock hegt ähnliche Ambitionen: „Wir wollen unser verwaltetes Vermögen binnen fünf Jahren verdoppeln, also fünfzehn Prozent im Jahr wachsen“, sagt Andrej Brodnik, Geschäftsführer Privatkunden in Deutschland.
Da der deutsche Markt aber Schätzungen zufolge jährlich nur im einstelligen Prozentbereich wachsen dürfte, wird der Konkurrenzdruck steigen. Gute Produkte, eine starke Marke und Partnerschaften mit mächtigen Vertriebspartnern gehören für Analyst Michel zu den Voraussetzungen, um zu bestehen. Goldman billigt er gute Chancen zu, wenngleich Anleger die Bank bislang nicht in erster Linie als Anbieter von Fondsprodukten sähen.
In Sachen Vertriebsstrategie tun es die Konkurrenten Goldman gleich und kooperieren mit möglichst vielen großen Geldhäusern. Denn über deutsche Kreditinstitute laufen nach wie vor drei Viertel des Fondsabsatzes. Für die Fondshäuser ist das auch ein Vorteil: Der Vertrieb lässt sich effektiver mit weniger Personal steuern als über freie Vermittler oder Direktbanken.

