Devisen-Manipulationen: Deutsche Bank muss weiter zittern

Devisen-Manipulationen
Deutsche Bank muss weiter zittern

Die US-Behörden lassen die Deutsche Bank nicht vom Haken. Eine US-Richterin hob zwar einen Teil der Vorwürfe wegen Devisenmarktmanipulationen gegen das Geldhaus auf, ließ die meisten Anklagepunkte aber gelten.
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FrankfurtDie Deutsche Bank muss in der Affäre um Tricksereien auf dem billionenschweren Devisenmarkt weiter zittern. Eine US-Richterin wies zwar einen Teil der Vorwürfe gegen Deutschlands größtes Geldhaus und sechs andere Institute ab, wie in der Nacht zum Mittwoch bekanntwurde. Dabei geht es unter anderem um Kartellvorwürfe in Zusammenhang mit Geschäften außerhalb der USA. Auch Transaktionen, die vor dem 1. Dezember 2007 getätigt wurden, sollen demnach nicht berücksichtigt werden. Die meisten anderen Klagepunkte wurden aber zugelassen.

Denn insgesamt sei die Argumentation der Investoren durchaus „plausibel”, schrieb Bezirksrichterin Lorna Schofield in Manhattan in ihrer 56-seitigen Begründung. Die Kläger monieren, sie hätten Nachteile bei Devisengeschäften erlitten, weil die Banken auf dem Markt durch unlautere Absprachen für künstliche Preise gesorgt hätten. Zu den im aktuellen Fall beschuldigten Banken zählen neben der Deutschen Bank auch Credit Suisse, Morgan Stanley, Societe Generale, Standard Chartered, Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und die Royal Bank of Canada. Sie alle äußerten sich nicht zur Sache. Die Deutsche-Bank-Aktie war am Mittwoch mit einem Minus von einem halben Prozent größter Dax-Verlierer.

Rund um den Globus gehen Ermittler schon länger dem Verdacht nach, dass Banken auf dem Devisenmarkt gemauschelt und Kunden über den Tisch gezogen haben. Offenbar wurde auch hier heimlich in Chatrooms kommuniziert und an wichtigen Kursen geschraubt, um Extra-Gewinne einzustreichen. Die Aufseher sehen Parallelen zum Skandal um manipulierte Zins-Referenzsätze wie Libor und Euribor. Hier hatte die Deutsche Bank ebenfalls ihre Finger im Spiel und war zu einer hohen Milliardenstrafe verdonnert worden.

In der Devisenaffäre haben sich die Frankfurter bislang nicht verglichen - obwohl sie einer der größten Spieler auf dem Markt sind. Intern gilt das Devisenthema - neben dem US-Hypothekenstreit, der Geldwäsche-Affäre in Russland und den Sanktionsverstößen bei früheren Iran-Geschäften - als eine der potenziell teuersten Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank.

Andere Großbanken haben die Devisenaffäre dagegen schon abgehakt. In Wellen gab es immer wieder Gruppen-Vergleiche. So mussten im Frühjahr 2015 fünf Institute eine Strafe von insgesamt 5,7 Milliarden Dollar an die US-Behörden abdrücken. Im Sommer 2015 folgten neun Banken mit einer gemeinsamen Strafzahlung von zwei Milliarden Dollar. Für diesen Vergleich hatte Richterin Schofield im vergangenen Dezember grünes Licht gegeben. Sie ist mit dem Thema also gut vertraut.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen-Manipulationen: Deutsche Bank muss weiter zittern"

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  • Mein Mitleid mit der Deutschen Bank hält sich in Grenzen.

    Im Sinne von noch mehr Gewinnen wird alles gemacht, was andere schädigt und den eigenen Vorteil steigert.

    Es handelt sich also um gewissenlose Gesellen, die über Leichen gehen.

    Dafür, dass es eben keine Kontrollmechanismen (Compliance) bei der Deutschen Bank AG gibt und sie es auf Wunsch des Aufsichtsrats auch nicht in ausgeprägter Form gibt und geben soll, wird das Bankinstitut bestraft.

    Achleitner hätte akzeptieren sollen, das wahre Aufklärung nur durch akkribische Menschen durchzuführen sei (siehe den Streit Achleitners mit dem Rechtsanwalt Georg Thoma). Aufklärung ja, aber nur in begrenztem Rahmen lautet wohl die Devise bei der Bank.

  • Den Schatten des Rendite-Phantasten Joe Ackermann wird die Deutsche Bank AG nicht mehr los ...
    Auch hier irrt der Herr Rat, es war die Rendite auf das Eigenkapital gemeint aber um solche niedrige Kleinigkeiten kümmert sich ein echter Sozialist nicht.

  • Diesmal bitte konsequenterweise eine geordnete Insolvenz bei der Deutschen Bank AG anstelle einer Bankenrettung.

    Davon hatten wir schon zu viele und die sind bekanntlich sehr teuer.

    Zu teuer für den Steuerzahler.

    Den Schatten des Rendite-Phantasten Joe Ackermann wird die Deutsche Bank AG nicht mehr los ...

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