Wie chaotisch dagegen die Zusammenarbeit von Allianz
und Dresdner verläuft, berichtet ein Insider der Dresdner Bank: "Wir hatten hohe Bestände bei Rentenfonds", sagt der langjährige Mitarbeiter der Dresdner, "und sollten die Kunden dann motivieren, aus den Rentenfonds auszusteigen und ihr Geld stattdessen in Allianz
-Beitragsdepots anzulegen." Damit wurden die Kundengelder von der Dresdner zur Allianz
verlagert. "Wir standen schlechter da, und die Allianz
konnte ihre Zahlen auf unsere Kosten aufhübschen", so der Frankfurter.
Direkten Kontakt zu Allianz
-Vertretern hat der Banker nie gehabt. "Wir bekamen immer wieder den Hinweis, dass wir Versicherungskunden an einen Allianz
-Vertreter weiterleiten könnten, aber den kannten wir nicht einmal." Zwischen den Mitarbeitern der Dresdner und der Allianz
habe es einen "Nichtangriffspakt" gegeben: "Hatte ein Dresdner-Bank-Kunde Versicherungen bei der Allianz
, durften wir ihn auf seine Versicherungen nicht ansprechen. Er gehörte dann sozusagen dem Allianz
-Vertreter."
Als Kunde hätte er bei der Dresdner "nie eine Versicherung gekauft", meint der Insider. "Wir hatten jede Menge eigene Vertriebsziele zu erfüllen und mussten uns in vielen Bereichen auskennen", sagt er. "Wertpapiere, Fonds, Kreditkarten, Sparprodukte, und nun sollten wir auf einmal auch noch Unfall-, Pflegeversicherungen, Kfz-Versicherungen und dergleichen verkaufen. Ich hatte davon keine Ahnung", beschreibt er das Problem. "Ich hätte dem Kunden nicht einmal sagen können, in welchen Fällen die Versicherung zahlt. Ich wusste nicht viel mehr als das, was im Prospekt stand."
Funktioniert das Allfinanz-Konzept wenigstens in die andere Richtung? Führen die Allianz
-Vertreter der Dresdner Bank Kunden zu? Die Zahlen können sich in der Tat sehen lassen: Über eine Million Neukunden habe die Dresdner den Kollegen von der Versicherung bereits zu verdanken, meldete unlängst die Allianz
.
Unglückliche Liaison könnte bald ein Ende haben
Zusätzlichen Schwung erhofft sich der Konzern von seinen neuen Bankagenturen - Versicherungsagenturen also, wo die Kunden auch Bankgeschäfte erledigen können. Zu dem Zweck wurden rund 200 Dresdner-Bank-Mitarbeiter in die Vertretungen entsandt. Rund 120 solcher Bankagenturen wurden im vergangenen Jahr eröffnet. Zurzeit werden die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt ausgewertet, heißt es bei der Allianz
. Im Sommer will Allianz-Deutschland
-Chef Gerhard Rupprecht entscheiden, wie es weitergeht. Mittelfristig seien bis zu 1 000 Bankagenturen in Deutschland denkbar, sagt Rupprecht, selbst die Zahl 5 000 könne "man sich durchaus auch weiter vorstellen".
Die Bankagenturen sind das bislang sichtbarste Symbol von Diekmanns Allfinanz-Vision. Gleichzeitig offenbart jedoch ein Produkt, das dort angeboten wird, wie tief die Gräben zwischen Allianz
und Dresdner bis heute sind: Die Bankagenturen verkaufen Girokonten der Dresdner Bank. Geht ein Kunde mit einem solchen Konto in eine Dresdner-Bank-Filiale, wird er dort jedoch eine böse Überraschung erleben. Denn viel mehr, als Geld abheben, kann er dort nicht. Bei anderen Service-Wünschen müssen die Banker passen.
Der Grund: Die Konten werden zwar unter der Marke Dresdner Bank verkauft. Verwaltet werden sie aber von einer eigens dafür gegründeten Allianz
-Gesellschaft. "Das sind unsere Kunden, die haben wir gewonnen", sagt der Inhaber einer Bankagentur in Nordrhein-Westfalen. "Deshalb wurde eine Gesellschaft eingerichtet, auf deren Daten die Dresdner keinen Zugriff hat. Warum sollten wir zulassen, dass die Dresdner unsere Neukunden kennt und sie uns am Ende abwirbt?"
Die unglückliche Liaison von Allianz
und Dresdner könnte jedoch bald ein Ende haben. Just im verflixten siebten Ehejahr fordert die Allianz
möglicherweise die Scheidung. Der Investmentbereich der Dresdner muss infolge der Subprime-Krise eine Milliardensumme abschreiben. Bei acht Milliarden Euro Gewinn im vergangenen Jahr kann das die Allianz
zwar verkraften. Doch niemand weiß, welche weiteren Gefahren bei der Dresdner lauern - was den Aktienkurs des Konzerns auf immer neue Tiefstände schickt. Bei der Vorlage des Geschäftsberichtes für 2007 vor zwei Wochen musste Allianz
-Chef Diekmann eingestehen, dass er wegen der unklaren Situation bei der Dresdner Bank derzeit keine verlässlichen Gewinnprognosen mehr abgeben könne. Analyst Heino Ruland von Frankfurtfinanz wertete dies als "verkappte Gewinnwarnung".
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