Die Schwedischen Banken legen ihre Zahlen vor - Analysten warnen vor Abschreibungen. Denn trotz vorsichtiger Investment- und Kreditstrategie mehren sich die dunklen Wollen am nordischen Bankenhimmel. Gerade das intensive Engagement in den baltischen Staaten könnte die Institute nun teuer zu stehen kommen.
Auch auf die Zahlen von Nordea, der größten schwedischen Bank, wartet die Branche gespannt. Foto: ap
STOCKHOLM. Die Stunde der Wahrheit nähert sich für Schwedens Banken: Bislang sind die vier großen Finanzdienstleister, Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken und Swedbank, nicht in den Strudel der globalen Finanzkrise geraten. Wenn heute die erste der großen Banken, Handelsbanken, ihre Zahlen für das erste Quartal des Jahres vorlegt, werden Anleger und Analysten ganz genau hinschauen. Denn obwohl die Banken im Gegensatz zu vielen anderen europäischen und amerikanischen Konkurrenten sehr vorsichtig bei ihren Investments und der Kreditvergabe waren, mehren sich dunkle Wolken am nordischen Bankenhimmel.
Die seit Jahren mit Abstand rentabelste schwedische Bank, Handelsbanken, räumte vor zwei Wochen ein, dass sie insgesamt 946 Mill. Kronen (100,8 Mill. Euro) an Verlusten mit amerikanischen Kreditobligationen abschreiben muss. Es wird deshalb interessant sein, ob sich weitere Löcher in der Bilanz auftun. Einen Vorteil hat Handelsbanken weiterhin gegenüber den einheimischen Konkurrenten SEB und Swedbank: Sie gilt als äußerst konservatives Institut und hat sich an der Expansion in die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen nicht beteiligt.
Es sind gerade diese drei kleinen Länder, die der SEB und der Swedbank derzeit große Sorgen bereiten. Denn beide Banken dominieren den baltischen Markt, sind dort die Nummer eins und zwei. Beide Konzerne waren in den vergangenen Jahren, als die kleinen Volkswirtschaften richtig boomten, nicht sonderlich wählerisch bei der Kreditvergabe. Jetzt warnen Experten vor einer harten Landung im Baltikum. Im vergangenen Jahr sind vor allem in Lettland die Löhne um bis zu 30 Prozent gestiegen, und die Immobilienpreise liegen in einigen Regionen deutlich über denen in westlichen Ballungszentren.
Die satten Gewinne aus dem Baltikum sind mittlerweile versiegt, jetzt dominiert die Angst, dass Kredite abgeschrieben werden müssen. "Wir werden besonders auf eventuelle Abschreibungen und mögliche Kreditverluste vor allem in den baltischen Ländern schauen", sagte Peter Lagerlöf, Chefanalyst beim Stockholmer Börsenmakler Carnegie. Die Aktienkurse von SEB und Swedbank sind seit Beginn der Finanzkrise um fast ein Drittel gesunken.
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